Der Freistaat zieht sich aus dem (Gemeinde-)Wald zurück. Zumindest seine Förster. Und aus den größeren Waldgebieten von Kommunen. Dies teilte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) Bürgermeistern mit, die er Anfang August eilends nach München zitiert hatte. Betroffen sind vor allem Gemeinden in Unterfranken. So auch Ebern mit seinen fast 930 Hektar an Stadtwald.

Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) kündigt schon heftigen Widerstand an. "Damit sind wir nicht einverstanden. Wir wollen weiter die Betreuung unseres Waldes durch die staatliche Forstbehörde. Wir sind damit über Jahre hinweg sehr zufrieden, da nachhaltig und umsichtig bewirtschaftet wird. Ein entsprechendes Antwortschreiben schicken wir auch an Minister Brunner, da ich in München bei der Veranstaltung nicht zu Wort gekommen bin", teilte Hennemann unserer Zeitung auf Anfrage hin mit.

Zum Hintergrund: Seit Jahrzehnten betreuten staatliche Förster, erst zum Forstamt gehörig, jetzt im Amt für Landwirtschaft und Forsten sitzend, die Wälder der Gemeinen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Auch die Wälder von Körperschaften und Privatleuten.

Die zahlten für diese "Beförsterung" (so die offizielle Betreuung nichtstaatlicher Wälder durch staatliche Förster) ihr Scherflein. Sozusagen einen Lohnkostenanteil. Dieser Betriebskostenanteil wurde in den letzten Jahren immer wieder angehoben, was die entsprechende Gemeindegremien zwar zähneknirschend, aber doch willig akzeptierten. Klangvolle Namen verbinden viele Eberner mit ihren Revierförstern: Bergmann, Ponader, Dr. Rausch und aktuell Gnannt


Personal reduziert

Jetzt will der Minister umschichten bzw. sparen: "Wegen reduzierter Personalkapazitäten und zusätzlicher Aufgaben ist ein Rückgang des staatlichen Betreuungsangebots durch die Bayerische Forstverwaltung notwendig", heißt es in einem Schreiben, in dem Minister Brunner die Ergebnisse des Treffens in München zusammenfasst, wobei er ausdrücklich betont, dass 90 Prozent der Kommunen das Modell der staatlichen Betriebsleitung fortsetzen können, wenn sie wollen.

Das gilt aber nicht für Kommunen, deren Gemeindewald größer als 200 Hektar ist, wenn er keine Besonderheiten aufweist. Brunner sprach hier von "größeren Bewirtschaftungserschwernissen".

Was der Minister darunter versteht, erläuterte dessen Sprecher Martin Hecht auf Nachfrage. "Ob in einer Kommune dann eine erschwerte Bewirtschaftung vorliegt, hängt sehr stark von der jeweiligen örtlichen Situation ab. Deshalb werden in jedem Einzelfall verschiedene Kriterien geprüft, die die Bewirtschaftung aufwändiger machen können. Besonderes Gewicht hat dabei beispielsweise, wie hoch der Anteil von Wäldern mit spezieller Schutzfunktion (z.B. vor Felsstürzen, Erdabrutschungen oder zum Erhalt von Flussufern) ist oder wie stark die Waldflächen über die Gemeindeflur zerstreut liegen. Auch ein höherer Aufwand für Verkehrssicherungsmaßnahmen, wenn Wälder speziell für die Erholung der Bevölkerung ausgewiesen sind, wird angerechnet. Mit diesen Beispielen und weiteren Kriterien wird eine Einzelfallentscheidung getroffen, ob die staatliche Beförsterung für eine Kommune - trotz eines Besitzes von mehr als 200 Hektar - weiterhin eine Option sein kann", so Hecht.


Langfristiges Projekt

Für die größeren Gemeindewälder hat der Minister auch schon Vorstellungen: "Hier kann die Betriebsleitung und -ausführung nach einem gesteuerten und begleiteten Übergabeprozess durch Dritte, zum Beispiel die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse erfolgen. Auch eine Entscheidung für eigenes Personal oder private Dienstleister ist möglich. Der finanzielle Gemeinwohlausgleich wird auch weiterhin gewährt. Dieser Prozess soll nicht überstürzt erfolgen, sondern geordnet und sozial-verträglich. Wir nehmen uns die dafür nötige Zeit."

Brunner weiter: "Deshalb habe ich zugesagt, den Zeitraum bis 2025 zu verlängern, statt wie ursprünglich vorgesehen bis 2019. Dies ermöglicht den Beteiligten eine fundierte Planung und den Aufbau tragfähiger Strukturen. Die Bayerische Forstverwaltung wird diesen Prozess intensiv begleiten und den Aufbau unterstützen. Ich kann versprechen: Wir sehen uns jeden Einzelfall an. Die Bayerische Forstverwaltung wird auch nach dem Ende dieses Prozesses flächendeckend in Bayern als Ansprechpartner für alle kommunalen und privaten Waldbesitzer zur Verfügung stehen."