Einzelfälle von Fehlverhalten
Autor: Redaktion
LKR Haßberge, Montag, 15. Februar 2016
Die Diskussion um Belästigungen von Badegästen durch männliche Flüchtlinge hat die Bäder in der Region erreicht. Dazu ein Kommentar von Klaus Schmitt.
Diffuse Ängste, Vorurteile, das eine oder andere Fehlverhalten - nicht zuletzt die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten sind die Auslöser, dass auf Flüchtlinge noch genauer geschaut wird. Auch in den Bädern. Benehmen sich Badebesucher mit Migrationshintergrund ordentlich? Kennen sie die Baderegeln, und können sie mit der mitteleuropäischen Freizügigkeit überhaupt umgehen?
Unsere Zeitung hat diese Fragen zum Anlass genommen, in den Hallen- und Freibädern des Landkreises nachzufragen, ob es Probleme gibt. Gleich vorneweg: Bis auf ganz wenige Ausnahmen verhalten sich Badegäste, egal ob Flüchtlinge oder einheimische, angemessen. Wenn es Probleme gibt, dann spielt meist der Alkohol eine Rolle. Gleichwohl reagieren viele Bäder auf die neue Gruppe der Besucher mit Hinweisen auf Arabisch und in anderen Sprachen.
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Deutschlandweit hat es in den Schwimmbädern in den vergangenen Jahren keinen Anstieg sexueller Übergriffe gegeben. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.
In München etwa hat sich die Zahl der Übergriffe in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. Nach Angaben der Stadtwerke registrierte die Polizei im Jahr 2013 dort 19 Sexualdelikte. 2014 waren es zwölf. Im vergangenen Jahr wurden 19 Fälle zur Anzeige gebracht. In allen drei Jahren wurde die Hälfte der Übergriffe von Ausländern, die andere Hälfte von Deutschen begangen.
In vielen anderen Städten ist die Zahl dagegen noch niedriger. Im vergangenen Jahr gab es in Nürnberg, Regensburg, Ingolstadt und Passau keine registrierten sexuellen Übergriffe.
Dennoch reagieren die Bäder auf die aktuellen Medienberichte mit Vorsichtsmaßnahmen.
"Wir haben zu gewissen Stoßzeiten mehr Aufsichtspersonal", sagte Gerhard Albert von der Stadt Nürnberg auf Anfrage. Ansonsten habe man nichts verändert. Dennoch habe es besonders seit den Taten von Köln vermehrt Sorgen gegeben, so Albert. Vor allem weibliche Besucher fühlten offenbar ein gewisses Unbehagen. Sie hätten sich über Blicke beschwert oder über Männergruppen, die sich bei der Damendusche aufhielten. Dabei seien sowohl Flüchtlinge als auch Deutsche verdächtig gewesen, betont Albert. "Den genauen Status der Personen nehmen wir ohnehin nicht auf", sagt er.
Im Bezirk Oberfranken sind der Polizei im Zeitraum von September 2015 bis 11. Februar 2016 insgesamt 22 Fälle in Badeanstalten bekannt, "bei denen ein sexuelles Motiv im Raum stand", wie Polizeisprecherin Anne Höfer auf Nachfrage mitteilt. Allerdings gelten nur "in einigen wenigen Fällen" Asylbewerber als tatverdächtig.
Im Polizeipräsidium Mittelfranken sind seit 1. November 2015 nicht einmal eine Handvoll derartiger Fälle bekannt, wie ein Polizeisprecher erklärt. Und betrachtet man "die Fallzahlen der Sexualdelikte mit Tatörtlichkeit Badeanstalt, Freibadplatz oder Badestrand", wie es in Polizeisprache heißt, im Regierungsbezirk Unterfranken, sind im Jahr 2014 der Polizei fünf Fälle bekannt. Im Jahr 2015 sind die Zahlen in diesem Bereich beziehungsweise bei Beleidigungen auf sexueller Grundlage allerdings steigend, wie Michael Zimmer, Polizeisprecher in Unterfranken, mitteilt, liegen jedoch noch im einstelligen Bereich. "Dabei steigen auch die Fallzahlen mit Zuwanderern als Tatverdächtige in den unteren beziehungsweise mittleren einstelligen Bereich", so Zimmer.
Im Landkreis Haßberge hat es in den Hallenbädern ebenso wie im Freibad Eltmann keine derartigen Vorkommnisse oder gar Übergriffe gegeben.
Zumindest sind keine bekannt geworden. Das bestätigen Bürgermeister Thomas Stadelmann für Zeil, Marco Depner von der Gemeindeverwaltung für Knetzgau, Monika Göhr (Landratsamt) für das kreiseigene Hallenbad in Hofheim, Michaela Fietz für Königsberg und Bürgermeister Michael Ziegler für Eltmann. Wenn sich Badegäste mal daneben benehmen, dann sei das "nationenneutral", sagt Michael Ziegler. Michaela Fietz lobt die Flüchtlinge ausdrücklich: "Ich kann nur von positivem Verhalten berichten." In Zeil und Knetzgau laufen zudem Schwimmkurse für Migranten, die gut angenommen werden.
In den Frei- und Hallenbädern stehen teilweise schon Hinweisschilder auf Arabisch und in anderen Sprachen, um Flüchtlinge über die richtigen Verhaltensweisen im Badebetrieb zu informieren.
Eltmann hat das noch vor.
In den beiden großen Freibädern Haßfurt und Ebern hat es vereinzeltes Fehlverhalten von Besuchern mit Migrationshintergrund gegeben. Klaus Hanke, Bademeister und Betriebsleiter in Ebern, berichtet von einem Fall von Anzüglichkeiten und penetranter Anmache in Verbindung mit Alkoholgenuss. Die betreffende Gruppe sei des Bades verwiesen worden. Zwei Tage später kamen sie zurück und haben sich entschuldigt. Thema erledigt.
Hanke lobt ausdrücklich die gute Arbeit des Freundeskreises Asyl, der sich auch bei Badbesuchen um die Flüchtlinge kümmert. Betreuer seien dabei und unterstützten die Badeaufsicht. Der Betriebsleiter geht davon aus und hofft, dass der Badbesuch von Flüchtlingen etwas ganz Normales in Zukunft sein wird. "Ich will Optimist sein", sagt er.
"Ich möchte nicht auf den Panikzug aufspringen." Die Augen vor möglichen Problemen will er aber nicht verschließen, denn das ungute Gefühl bei manchen Einheimischen sei ebenso wenig wegzudiskutieren wie die Tatsache, dass viele Migranten noch lernen müssten, mit der Freizügigkeit hierzulande umzugehen.
Hanke weist darauf hin, dass es Probleme mit ungebührlichem Benehmen immer mal wieder in Bädern gibt. Alkoholisierte deutsche Jugendliche fallen auch aus der Rolle.
Das bestätigt Norbert Zösch, der Leiter des Stadtwerks Haßfurt, in dessen Regie das Freizeitbad in Haßfurt betrieben wird. Manche deutsche Jugendliche führten sich nicht so auf, wie man es sich wünscht.
Mit Blick auf den vermehrten Badbesuch von Flüchtlingen haben die Stadt und das Stadtwerk nach seinen Angaben einige Beschwerden - Zösch spricht von vier bis fünf Fällen - über unangemessenes Verhalten erhalten. Manche Badegäste fühlten sich belästigt, schildert er. Diese Hinweise seien berechtigt gewesen, aber gravierende Probleme oder Übergriffe habe es nicht gegeben. "Es waren Hinweise, dass etwas gemacht werden muss", sagt Zösch, und gemacht wurde etwas. Haßfurt hat Hinweise in verschiedenen Sprachen aufgestellt, damit jeder weiß, wie er sich verhalten muss. Und damit sich keiner mit der Ausrede herauswinden kann, er habe es nicht gewusst oder die Hinweise nicht verstanden.
Einige deutsche Jugendliche haben einmal im Haßfurter Freizeitbad versucht, den Flüchtlingen ihr ungebührliches Verhalten in die Schuhe zu schieben. Sie gaben sich laut Zösch als Migranten aus.
Aber es stellte sich schnell heraus, "dass es unsere Experten sind", die offenbar früher schon aufgefallen waren. Peter Groscurth und Klaus Schmitt
Kommentar
Standpunkt Zwei Seiten, zwei Wahrheiten
Der Pressekodex ist in seiner Aussage eindeutig: "Niemand darf wegen... seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden." Es gibt aber Ausnahmen. Der Pressekodex betont nämlich weiter: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.
Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."
Wenn Medien über das Fehlverhalten von Flüchtlingen in Bädern berichten, können sie es eigentlich nur falsch machen. Sie schüren Vorurteile, wird ihnen von der einen Seite vorgeworfen. Lassen sie eine solche Berichterstattung weg, setzen sie sich dem Vorwurf aus, dass sie die Augen verschließen vor einer eventuellen Problematik. Klaus Schmitt