Ein Dreh am Mühlrad der Geschichte
Autor: Klemens Albert
Gemeinfeld, Sonntag, 29. Juli 2018
Die Kuchenmühle bei Gemeinfeld war Schauplatz einer bemerkenswerten Premiere. Alten Mühlen und ihrem neuen Leben gilt eine vielschichtige Standortbestimmung.
Eine alte Mühle sollte weniger unter dem Blickwinkel der Getreideverarbeitung zu Mehl gesehen werden, sondern vielmehr als Rahmen für ein Kulturprogramm dienen. Am Samstag konnten dies viele Besucher in der Kuchenmühle nahe Gemeinfeld (Markt Burgpreppach) erleben. Auch sonst dient diese Mühle öfters für die Gestaltung von privaten Festen oder Firmenfeiern. Die Idee für den Kulturtag hatte Karin Meyer-Jungclaussen aus Rentweinsdorf eingebracht, die Umsetzung leistete das Ehepaar Uwe Stühler und Heike Kachur mit, das diese Mühle vor fünf Jahren gekauft hatte.
Mit veränderter Funktion
Von den 34 Mühlen entlang der Baunach, der Weisach und der Nassach befinden sich nach Auskunft von Uwe Stühler nur noch wenige tatsächlich in Betrieb, und wenn, dann nicht mehr zum hauptsächlichen Lebenserwerb. Die meisten sind mittlerweile umfunktioniert. Einige Mühlenbesitzer präsentierten sich bzw. ihre historischen Mühlen so auch in ihrer neuen Funktion.So stellte Cornelia Müller von der Mühle in Pfaffendorf ihr Goldschmiedeatelier vor. Die Hetschingsmühle Ebern beherbergt jetzt die Schreinerei Remshard. Sabine Remshard stellte unter anderem ein Mühlespiel vor, hatte sie sich doch Gedanken gemacht, woher der Name dieses Spiels gekommen sein könnte. Schon die römischen Legionäre hatten, wie sie berichtete, mit jeweils drei Steinen auf einer runden Radmühle gespielt, einer Urform des heutigen Mühlespiels. Ob dies der tatsächliche Zusammenhang zwischen den Namen ist, wollte sie nicht endgültig behaupten, aber "ich sag des so, weil ich das so denk'."
Klassik als Höhepunkt
Das Kulturprogramm beinhaltete als Höhepunkt ein Konzert "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert. Eric Fergusson (Bariton) sang, begleitet von dem Pianisten Helmut Schmitt, in den authentischen Räumen die Geschichte von der tragischen Liebe eines Müllerburschen. Zuvor hatte der Bamberger Märchenerzähler Erik Berkencamp Mühlenmärchen erzählt. Kurt Markert stellte in einem Vortrag geschichtliche Hintergründe der Mühlen in der Region dar. Daneben konnten Kinder Windräder basteln, mit Steinen Mehl mahlen oder Fladenbrot backen.Breiten Raum nahm ein Konzert des Ensembles "Intermusikalisch" ein. Mit traditionellen Liedern und Musik um das Thema Mühle, garniert mit kessen Geschichtchen, begeisterte das Quartett um Karin Meyer-Jungclaussen sein Publikum in dem "Super-Ambiente". Die Geschichte der Mühlen, unterhaltsam und manchmal überraschend. Mühlenidylle, Mühlenmärchen, die meist nicht wohlwollend dargestellte Rolle des Müllers, die der Liebe nicht abgeneigte Müllerin, alles kam in den Liedern zur Sprache.
Der Schlussstein des Mühlengebäudes (kleines Bild) weist die Jahreszahl 1827 auf. Viel mehr ist über die Geschichte der Kuchenmühle nicht zu erfahren. Das Ehepaar Stühler/Kachur hat in den letzten fünf Jahren wieder Leben in die alten Gemäuer gebracht.
Wie Stühler verrät, erfährt er dabei als großes Plus Unterstützung durch die Gemeinde Burgpreppach und örtliche Vereine. Dies erscheint ihm auch notwendig, denn seitens oberer Behörden werden ihm, wie vielen anderen Mühlenbesitzern auch, Probleme bereitet, seien es unsinnige wasserrechtliche oder Umweltauflagen. "Wir passen auf die Natur auf" betont er. Auf den dazugehörigen fünf Hektar hält er Waldschafe, eine sehr alte Rasse.