Wohin man auch blickte, bei der Jungweinprobe in der Zeiler Vinothek des Weinbauvereinsvorsitzenden Roger Nüßlein sah man nur zufriedene Gesichter. "Mit über 85 Prozent Prädikatsanteil ist das ein toller Jahrgang, der Winzern und Weinliebhabern viel Freude macht" schwärmte Stefan Kraus.

Die Art und Weise, wie der Weinexperte die Jungweine aus Sand, Oberschwappach und Zeil begutachtete, glich einer Liebeserklärung. Wie er das zu einem Drittel gefüllte Glas leicht schräg hielt, schwenkte, tief einatmete und mit seiner Nase die darin schlummernden Aromen erschnupperte, war eine Augenweide. Nach einem kleinen Schluck fällte er das Urteil, das durchwegs positiv ausfiel.

Weine bauen sich von selbst aus


"Nach zwei eher schwierigen Jahren sind in diesem Jahr die Weine so fruchtig, dass sie sich fast von selber ausbauen", analysierte der Kenner. In einem Bacchus schmeckte er ein Bukett, das an Holunder und Johannisbeeren erinnert. Zusammenfassend meinte Stefan Kraus: "Der Winzer muss heuer nur wenig eingreifen, um die Weine noch weicher, fülliger und harmonischer zu gestalten - im Prinzip müssen wir den diesjährigen Rebensaft nur streicheln."

Das Gespräch mit Winzern bestätigte diese Einschätzung. So sprach der 25-jährige Maximilian Martin (Weingut Martin, Ziegelanger) von einem "Riesenjahrgang mit Super-Qualität". Der studierte Weinbautechniker vermarktet seine edlen Tropfen in Eigenregie. Neben dem Direktverkauf vor Ort nehmen die Verkäufe über seinen Internetshop kontinuierlich zu, berichtete der junge Mann.

Großen Schaden konnte im Abt-Degen-Weintal nicht einmal der lokale Hagelschlag am 28. September anrichten. Um Fäulnisbakterien bei den angeschlagenen Trauben keine Chance zu geben, wurde in einer Hauruck-Aktion in wenigen Tagen in Ziegelanger und Steinbach die Lese durchgeführt.

Entspannte und gelöste Miene auch bei Ulrike Austel, die im Königsberger Ortsteil Unfinden eine Heckenwirtschaft betreibt. In ihrem Familienbetrieb packen die 70-jährige Mutter, der 22-jährige Sohn Florian und bei Bedarf der Ehemann mit an. Wie seit jeher treffen sich in ihrer Stube Einheimische und Auswärtige zum gemütlichen Feierabend, wo man unkompliziert miteinander über Gott und die Welt plaudert. Klasse geht vor Masse, so Austels Grundsatz.

Mit den Weinbau-Vorsitzenden Rudi Russ aus Sand und Roger Nüßlein aus Zeil moderierte CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel die Veranstaltung in lockerer Atmosphäre. Neben Winzern hatten sich etliche Bürgermeister, Kreisräte, der stellvertretende Landrat Bernhard Ruß (SPD) sowie die Europaabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) eingefunden.

In ihrem Vortrag erzählte die Politikerin von den Problemen und Schwierigkeiten, aber auch von den Fortschritten und Erfolgen in ihrem Kampf für die Interessen der deutschen und fränkischen Weinbauern. Dabei wurde überdeutlich: Um etwas zu erreichen, ist gerade in der Europapolitik ein "langer Atem" nötig. Durchaus nachvollziehbar, gilt es doch, qualifizierte Mehrheiten bei den 27 Mitgliedsstaaten zu finden. Zufrieden schilderte die Abgeordnete, dass es wie bisher eine Investitionsförderung für den Einzelfall gebe und keine Zuschüsse nach dem Gießkannenprinzip.

Das Pflanzrechte-System, das den Anbau gesetzlich regelt, ist zwar auf nationaler Ebene bis 2018 gesichert, aber auf längere Sicht droht die Liberalisierung. Um das zu verhindern, kämpft die designierte Bundestagsabgeordnete für eine dauerhafte Lösung. Auch der exklusive Bocksbeutelschutz für Frankens Winzer sei gewährleistet, versicherte die Juristin. Die charakteristische Flasche bleibe als Marken- und Erkennungszeichen für die hervorragende Güte und Qualität des Frankenweins erhalten.