Altes Schloss Gereuth in neuer Hand
Autor: Eckehard Kiesewetter und Ralf Kestel
, Sonntag, 22. August 2010
Aus Stroh Gold zu spinnen, ist eine Vorstellung aus dem Reich der Märchen. Von einem Schloss und einem Adeligen handeln auch aktuelle Neuigkeiten aus dem Untermerzbacher Gemeindeteil Gereuth. Dort versuchen Geschäftsleute, allen voran ein veritabler Graf aus Norddeutschland, die Reste des alten Schlosses zu vergolden.
Beamte der unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Haßberge haben dem Treiben zumindest vorübergehend einen Riegel vorgeschoben und sämtliche Arbeiten einstellen lassen.
Die Balken im Dach des "Alten Schlosses" , das eher einer Scheune gleicht, biegen sich unter der Last des Alters. Daran hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nichts gerändert. Dabei hatte ein vermeintlicher Adelsspross namens Heiko Graf von Roit dem Schloss im Mai vergangenen Jahres eine blendende Zukunft verheißen. Als neuer Schlossbesitzer hatte er versprochen, die Sanierung des in seinem Kern fast 500 Jahre alten Gemäuers voranzutreiben.
Das Geld dazu komme, so hatte der Graf angekündigt, vom Adelsverband, einem Zusammenschluss von Trägern adliger Namen (nach dem Namensrecht und nicht nach der blaublütigen Linie), dem Graf von Roit vorsteht. Dazu sollten vor allem auch erkleckliche Summen von bis zu 5000 Schloss-Anteilseignern kommen. Tatsächlich hat der Chef der "Graf von Roit Liegenschafts- und Verwaltungs-GmbH" ein Jahr lang versucht, seine fragwürdige Geschäftsidee im Itzgrund zu Gold zu machen. Er handelt mit einem Adelstitel und verkauft Schlossanteile (ein fünftausendstel Schloss für 199 Euro, die Hälfte davon für halb so viel) und versprach, Anteile von den Erlösen in die Sanierung zu investieren.
Eine unbekannte Anzahl von Anteilseignern erwarb neben ihrer Schlossbesitzer-Urkunde einen Schlüssel zum Schloss (und damit Zugang zu so genannten "VIP-Räumen") und das Recht, die Schlossadresse als eigene Briefanschrift zu nutzen.