Immobilien? Vielerorts unerschwinglich. Aktien? Angesichts schwankender Kurse nichts für schwache Nerven. Gold? Bringt weder Dividenden noch Zinsen. Kann man im Zinstief überhaupt richtig anlegen? Viele Deutsche handeln pragmatisch: Die meisten Ersparnisse landen auf Bankkonten, obwohl es dort bestenfalls noch mickrige Zinsen gibt und immer mehr Geldhäuser bei höheren Summen inzwischen sogar Strafzinsen kassieren. Dennoch: Sparen sei "so wichtig wie eh und je", werben Deutschlands Sparkassen zum jährlichen Weltspartag an diesem Freitag, 30. Oktober, "wenn man es richtig angeht".

Neue Sparkultur

Vor allem Kinder soll der Weltspartag seit 1925 Jahr für Jahr dafür begeistern, Geld zurückzulegen. Mit der Spardose unterm Arm in der Sparkassen-Filiale um die Ecke das "Knax"-Comic und ein Plüschtier abholen, das geht auch im Jahr 2020 vielerorts. Volksbanken landauf, landab locken junge "Sparfüchse" ebenfalls mit Spielzeug-Geschenken. Allein: Geld einfach zur Bank tragen und es auf dem Sparbuch für sich arbeiten lassen, so kinderleicht ist es angesichts des Dauerzinstiefs dann doch nicht mehr. Die Zeit sei reif für eine "neue Spar- und Investitionskultur", schreibt DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel: "Eine Politik, die den nachhaltigen Vermögensaufbau breiter Bevölkerungsschichten fördert, muss freundliche Rahmenbedingungen bieten."

Bürokratie entrümpeln

Anlegerschutz und Bauvorschriften hätten selbstverständlich ihre Berechtigung. "Wenn ausufernde Regulierung aber dazu führt, dass Normal- und vor allem Kleinanlegern wichtige Anlagekategorien praktisch verschlossen bleiben und sich junge Normalverdiener-Familien Wohneigentum nicht mehr leisten können, gilt es überflüssige Bürokratie zu entrümpeln und ein neues Regulierungsgleichgewicht zu finden." In der Praxis kompensieren viele Deutsche den Ausfall von Zinserträgen dadurch, dass sie noch mehr Geld auf die hohe Kante legen. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) geht davon aus, dass die Sparquote im laufenden Jahr auch infolge der Corona-Krise auf den Rekordwert von rund 15 Prozent nach oben schnellen wird. Die privaten Haushalte würden also von 100 Euro verfügbarem Einkommen etwa 15 Euro zurücklegen. Die bislang höchsten Sparquoten in Deutschland wurden Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge 1991 und 1992 mit jeweils 12,9 Prozent gemessen. 2019 waren es 10,9 Prozent. Die Pandemie hat das Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger noch steigen lassen. Einer aktuellen Umfrage des Fondsanbieters Union Investment zufolge ist es einem guten Drittel (35 Prozent) der Menschen bei der Geldanlage am wichtigsten, mindestens den eingezahlten Betrag zurückzubekommen.

Deutsche sind reich wie nie

Ebenfalls ein Drittel (32 Prozent) der Menschen legt demnach Wert darauf, dass Ersparnisse jederzeit verfügbar sind. Im ersten Quartal 2020 sagten dies noch 21 Prozent der Befragten. Diverse Umfragen belegen aber zugleich: Den Börsensturz in den ersten Monaten der Corona-Krise nutzen Anleger auch, um vergleichsweise günstig Aktien zu kaufen. Einer aktuellen Erhebung der Postbank mit gut 1000 Befragten zufolge nahm jeder zehnte Deutsche das Krisentief an den Börsen zum Anlass, ins Wertpapiergeschäft einzusteigen oder ein Investment aufzustocken. Sparfleiß und Erholung der Aktienmärkte - beides zusammen machte die Deutschen in den vergangenen Monaten in Summe so reich wie nie. Nach Bundesbank-Berechnungen stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf den Rekordwert von rund 6630 Milliarden Euro. Regelmäßiges Sparen zahlt sich offensichtlich doch aus. dpa