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Wirtschaft in dünner Höhenluft


Autor: Redaktion

, Montag, 22. Oktober 2018

Der Aufschwung der Unternehmen in Mittelfranken setzt sich fort, berichtet die IHK über die aktuelle konjunkturelle Lage. Fachkräfte sind gesucht wie nie. Firmen melden weiterhin eine hohe Auftragslage.
Seit Jahren schon boomt zum Beispiel die Bauwirtschaft, wie auf unserem Archivbild von 2017 aus Herzogenaurach: Laut IHK werden die Aufträge an die Firmen weiter zunehmen.  Foto: Bernhard Panzer (Archiv)


Die mittelfränkische Wirtschaft befindet sich weiterhin im Höhenflug, allerdings verliert das Wachstum im Herbst an Dynamik. Das geht aus einer Pressemitteilung der Industrie-und Handelskammer Nürnberg hervor.

Nach dem Rekordhoch zu Jahresbeginn und der leichten Eintrübung im Frühjahr erreicht der mittelfränkische IHK-Konjunkturklimaindex mit 129,9 Punkten wieder annähernd das Frühjahrsniveau, heißt es in der Mitteilung aus dem Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung. Die Geschäftslage erreicht fast wieder den Höchststand vom Jahresbeginn. Zugleich ist aber der große Optimismus bei den Geschäftserwartungen einer realistischeren, gesunden Zuversicht gewichen.

Die mittelfränkischen Unternehmen melden demnach mehrheitlich eine hervorragende Auftragslage und eine sehr hohe Kapazitätsauslastung, berichtet die IHK. Nun richtet sich ihr Augenmerk zunehmend auf die Begleiterscheinungen eines langjährigen Aufschwungs, die eine Fortsetzung mit unvermindertem Schwung gefährden können. Steigende Vorleistungspreise und Arbeitskosten, vor allem aber die zunehmend belastenden Engpässe auf der Suche nach Fachpersonal werden als Risiken für eine weiter dynamisch wachsende Inlandsnachfrage gesehen.

"Mit Blick auf die Standortqualität fordern wir deshalb von der Wirtschaftspolitik vermehrte Anstrengungen bei der Fachkräftesicherung, außerdem eine verbesserte digitale Infrastruktur und einen Abbau bürokratischer Lasten", stellt IHK-Präsident Dirk von Vopelius fest.

Nahe am Rekordergebnis

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 befindet sich die mittelfränkische Wirtschaft in einem lang anhaltenden Aufschwung. Die befragten Unternehmen zeigen sich mit ihrer aktuellen Geschäftslage überwiegend hoch zufrieden: Derzeit bezeichnen 58 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als gut, über 35 Prozent sind zufrieden. "Die fast kontinuierlich gestiegene Zufriedenheit spiegelt die alljährlichen Auftragszuwächse und die höhere Kapazitätsauslastung wider", schreibt Udo Raab in der IHK-Pressemitteilung.

Man gehe von einer anhaltenden Dynamik aus, da die Nachfrage sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland weiterhin rege ist. Die Mehrheit der Befragten rechnet mit einer unverändert guten Geschäftslage. 22 Prozent der mittelfränkischen Betriebe erwarten sogar weiter verbesserte Geschäfte in den kommenden Monaten, während elf Prozent mit einer Eintrübung rechnen.

In den erreichten konjunkturellen Höhen wird nun aber die Luft dünner: Die Unternehmen äußern Sorgen wegen erster Überhitzungserscheinungen (zum Beispiel steigende Preise und Arbeitskosten, Engpässe bei Lieferungen) und wegen der zunehmend schwierigen Suche nach Fachkräften. Dies trägt zu der im Herbst üblicherweise nachlassenden Dynamik bei.

Weil die Auftragseingänge und die Auslastung der Betriebe hoch sind, stehen laut der IHK-Mitteilung Investitionsentscheidungen an, um Kapazitäten zu erweitern oder Ersatzbeschaffungen vorzunehmen. Das freundliche Investitionsklima in Mittelfranken werde deshalb anhalten, wenn auch mit nachlassender Dynamik: Mehr als 80 Prozent der Betriebe in Mittelfranken planen mit unveränderten oder sogar erhöhten Investitionsbudgets, neun Prozent wollen sie senken und sieben Prozent der Befragten auf Investitionen verzichten.

Fachkräfte knapp wie nie

Über alle Branchen hinweg planen 22 Prozent der mittelfränkischen Betriebe mit zusätzlichem Personal, gerade einmal neun Prozent wollen Stellen streichen. Der regionale Arbeitsmarkt sei weitgehend leer gefegt: "Die Unternehmen suchen vorwiegend Arbeitskräfte mit abgeschlossener dualer Berufsausbildung oder Fachwirte und Meister, finden aber keine oder zu wenige passend qualifizierte Bewerber", schreibt die Kammer. Der Fachkräftemangel bleibe also das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung, so 69 Prozent der befragten Unternehmer.

Ausblick

Die guten Werte bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sowie bei den Planungen für Investitionen und Beschäftigung belegen laut IHK, dass sich die mittelfränkische Wirtschaft im Herbst 2018 nach wie vor im konjunkturellen Hoch befinde. Das Wachstum verliere aber an Dynamik, typische konjunkturelle Begleiterscheinungen eines langen Aufschwunges rücken zunehmend ins Bewusstsein.

So sehen bei der Frage nach Risiken für die weitere Wirtschaftsentwicklung 69 Prozent der Befragten die Engpässe bei den Fachkräften als ernstes Problem. Auch die Sorgen um steigende Energie- und Rohstoffpreise sind im Jahresverlauf gewachsen. Am deutlichsten spiegelt sich die Eintrübung der Geschäftserwartungen in den gestiegenen Sorgen um die Inlandsnachfrage: Hier wuchs der Anteil der Nennungen seit dem Frühjahr um acht Punkte auf aktuell 39 Prozent. red