"Wir ziehen am selben Strang"
Autor: Redaktion
LKR Coburg, Mittwoch, 15. April 2020
Wie die Lage in der Region Coburg aus Sicht der Führungsgruppe Katastrophenschutz zur Bewältigung der Corona-Pandemie ist. Die in die Gruppe berufenen Mediziner erklären, wie sie sich mit allen Beteiligten abstimmen.
In der Führungsgruppe Katastrophenschutz haben Landrat Sebastian Straubel und Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer Dr. Hans-Joachim Goller als Ärztlichen Leiter und Dr. Karl-Heinz Lindner als Versorgungsarzt bestellt. Im Interview erklären die beiden Mediziner ihre Aufgaben und auch, wie die Region Coburg aus ihrer Sicht im Kampf um die Eindämmung des Coronavirus aufgestellt ist.
Was sind Ihre Aufgaben?
Hans-Joachim Goller: Eine Aufgabe des Ärztlichen Leiters ist es, die Betten und Behandlungskapazitäten zu managen. Hierzu haben mein Stellvertreter Dr. Jens Stüber und ich uns mit den Führungsgruppen Katastrophenschutz (FüGK) in Coburg, Kronach und Lichtenfels, die bereits im Vorfeld wertvolle Vorarbeit geleistet haben, sowie den jeweiligen Versorgungsärzten und den Pandemiebeauftragen in den einzelnen Einrichtungen abgestimmt. In Coburg haben wir normalerweise im Krankenhausplan 24 Intensivbetten zur Verfügung, hinzu kommen noch 42 sogenannte Intermediate-Care-Betten für Patienten, die nicht mehr intensiv behandelt werden müssen, aber dennoch noch nicht auf Normalstation verlegt werden können. Zudem müssen die Patientenströme aller Einrichtungen im Versorgungsbereich übergeordnet gesteuert werden. Das heißt, dass vermeidbare Transporte innerhalb und nach außerhalb des Rettungsdienstbereiches vermieden werden sollten, um so unter anderem die Bindungszeit der Transportmittel zu optimieren. Außerdem sollen Patienten aus den Akutkrankenhäusern zum frühestmöglich geeigneten Zeitpunkt in entsprechende Einrichtungen verlegt werden und auch Regelungen für die Rückverlegung in Alten- und Pflegeheime getroffen werden.Karl-Heinz Lindner: Der Versorgungsarzt hat die Aufgabe, eine ausreichende Versorgung im jeweiligen Zuständigkeitsbereich mit ärztlichen Leistungen
und entsprechender Schutzausrüstung zu planen und zu koordinieren. Weiter gehört zu den Aufgaben auch die Einrichtung von Schwerpunktpraxen für die Untersuchung und Behandlung von Covid-19-Patienten und die Rekrutierung des hierfür erforderlichen Personals. Außerdem die Planung und Vorbereitung aller notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der ärztlichen Grundversorgung im Katastrophenfall und die Unterstützung der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) bei der Verteilung der infektionsfachlich notwendigen Schutzausrüstung an die in den Arztpraxen Beschäftigten sowie die Unterstützung bei der Einrichtung und dem Betrieb von örtlichen Testzentren einschließlich der etwaigen Verpflichtung medizinischen Personals.
Herr Dr. Goller, der Ärztliche Leiter legt Screening-Abläufe fest. Wie sehen diese denn konkret aus?
Hans-Joachim Goller: Besonders beachtet werden die Atemfrequenz, konkret die Anzahl der Atemzüge pro Minute, die Temperatur, die Sauerstoffsättigung und daneben der Blutdruck und der Puls. Zudem wird bei der Befragung der Schwerpunkt auf die aktuellen Kriterien des Robert-Koch-Instituts gelegt. Zum Beispiel darauf, ob der Patient akute Luftnot, Husten, Fieber, Abgeschlagenheit zeigt, den Geruchs- beziehungsweise Geschmackssinn verloren hat und/oder Kontakt zu einer infizierten Person hatte.