Wieder Turbulenzen im Tierheim
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Bamberg, Freitag, 07. Oktober 2016
"Die Geldverschwendung muss gestoppt werden!" Das war im Februar das Motto des neuen Vorstands des Tierschutzvereins um den Vorsitzenden Robert Pfuhlmann. S...
"Die Geldverschwendung muss gestoppt werden!" Das war im Februar das Motto des neuen Vorstands des Tierschutzvereins um den Vorsitzenden Robert Pfuhlmann. Sieben Monate später entzweite gerade das Finanzproblem das Präsidium: Weil sich die Vorstände nicht einig werden konnten, ob man weiteres Personal entlassen sollte, trat Pfuhlmann zurück.
Zunächst, so schildert er, sei alles in bester Ordnung gewesen: "Zwar war uns allen klar gewesen, dass wir über kurz oder lang die Finanzsituation des Tierheimes in Angriff nehmen müssen, aber dennoch wollten wir uns zunächst einen Überblick verschaffen und erst einmal den Alltag regeln."
Erst wurde repariert
Daher blieben die Bilanzen außen vor. Man brachte das Tierheim optisch auf Vordermann und führte in Eigenregie Reparaturarbeiten und Verschönerungen im und am Gebäude durch.
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Auch wollte man sich einen Überblick über die Hauptamtlichen verschaffen: Wer welche Aufgaben erledigt und wie engagiert jeder sei."An Stellschrauben zu Einsparungen haben wir jedoch noch nicht gedreht. Wir haben lediglich die Tierheimleiterin entlassen und deren Stelle ehrenamtlich besetzt. Sprich, ich habe die Heimleitung übernommen und jeden Tag sechs bis sieben Stunden lang in meiner Freizeit den Betrieb geleitet", so Pfuhlmann.
Ehrenamtliche zurück
Erfreulich sei nach Amtsübernahme gewesen - so der stellvertretende Vorsitzende Peter König in einem weiteren Gespräch mit der Lokalredaktion -, dass viele Ehrenamtliche nach der Absetzung des alten Vorstands den Weg ins Tierheim zurückfanden. Und sie übernahmen Rasenmähen oder Hausmeisterdienste unentgeltlich - da hatte der alte Vorstand viel Geld für Handwerker ausgegeben.
Ein erstes großes Erwachen gab es laut Pfuhlmann im Sommer, nachdem die Finanzlage des Tierheimes aufgearbeitet worden war. "Als wir die Bilanzen sahen, staunten wir nicht schlecht. Statt im Geld zu schwimmen, wie uns allen immer suggeriert worden war, fanden wir nur 720 000 Euro inklusive der Goldmünzen vor", erläuterte er. Hinzu komme, dass der Tierschutzverein im Jahr durch Mitgliedsbeiträge und Tiervermittlungen sowie Kleinspenden rund 250 000 Euro sicher einnehme. Dem gegenüber stünden aber jährliche Ausgaben in Höhe von 450 000 Euro. Dies bedeute ein Minus von 200 000 Euro im Jahr.
Der größte Brocken der Unkosten sind laut Pfuhlmann die Personalkosten. "Da der alte Vorstand um Liebhard Löffler immer mehr Mitarbeiter einstellte, stiegen die Ausgaben für Löhne von 135 000 Euro im Jahr 2011 auf 248 000 im Jahr 2015." Ausgleichen hätte der alte Vorstand Löffler die jährlichen Defizite nur können, weil er Glück hatte, in den letzten Jahren hohe Spenden durch Erbschaften erhalten zu haben.
"Wir können aber nicht langfristig darauf bauen, dass wir jedes Jahr derart hohe Spenden bekommen. Vielmehr wären wir, wenn wir keine drastischen Änderungen an der Ausgabenseite vornehmen, spätestens in drei Jahren Pleite", betonte Pfuhlmann. So war man sich im Vorstand einig, Hauptamtliche zu entlassen. "Nicht in Frage gestellt wurde die Entlassung der Tierärztin, durch die man jährlich weit über 40 000 Euro einspart. Ferner sollte eine geringfügig beschäftige Bürokraft gekündigt werden", so Pfuhlmann. Strittig war sein Vorschlag, zwei Mitarbeiterinnen, die im Katzenbereich wirkten, zu kündigen. Dies wollten die anderen Vorstände nicht mittragen.
Es folgte ein emotionaler Disput, der darin endete, dass Robert Pfuhlmann sein Amt niederlegte und seine Schlüssel fürs Tierheim abgab. "Ich habe gerne meine Arbeit gemacht und der Schritt zum Rücktritt ist mir nicht leicht gefallen. Ich würde auch wieder erneut kandidieren, aber nur mit einer anderen Mannschaft", resümiert er.
Dies würde aber bedeuten, dass der Vorstand zurücktreten müsste, was er laut Peter König nicht tun wird: "Die restlichen vier Vorstandsmitglieder haben beschlossen, in ihren Ämtern zu bleiben. Die Aufgaben werden vorübergehend neu verteilt, ehe dann in der nächsten Mitgliederversammlung ein neuer erster Vorsitzender gewählt wird", sagte König.
Sitzung steht eh an
Eine außerordentliche Mitgliederversammlung werde es nicht geben, da satzungsgemäß ein neuer Vorsitzender in den nächsten sechs Monaten gewählt werden muss. In dieser Sitzung will man die Finanzen transparent machen. Wer leitet aktuell das Tierheim? "Es läuft alles ganz normal seinen Gang, und es gibt keine Lücke. Zumal zwei stellvertretende Heimleiter den Ablauf ohne Probleme fortführen", betonte Peter König.
Ein Ehrenamtlicher, der nicht namentlich genannt werden will, sieht es anders: "Das Tierheim ist führerlos, die Zustände chaotisch. Keiner fühlt sich so richtig zuständig. Nur durch das enorme Engagement einiger Hauptamtlicher und Ehrenamtlicher müssen die Tiere nicht darunter leiden."