17 Jahre lang hatte sich die Gemeinde Mainleus um das Marktrecht bemüht, vor gut 20 Jahren ging der langgehegte Wunsch dann in Erfüllung. Werner Krauß und die Mainleuser Geschichts- und Heimatfreunde erinnern in diesem Artikel an diesen feierlichen Moment.

Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert wurde Orten das Marktrecht verliehen, die städtisch geprägt, aber nicht so groß waren. Voraussetzung waren regelmäßige Märkte, an denen Händler ihre Waren an einem bestimmten Platz feilboten, verkauften oder tauschten.

Das Marktrecht wurde durch den König, Bischof oder einen Fürsten verliehen. Von diesem mittelalterlichen Privileg sind bis heute Ausdrücke wie "Markttreiben", "Marktschreier" oder "Die Katze im Sack kaufen" erhalten geblieben.

Solche Märkte lassen sich für Mainleus historisch nicht belegen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass im Volksmund der heutige Konrad-Popp-Platz früher als Marktplatz bezeichnet wurde.

Die Voraussetzungen

Wie konnte die Gemeinde Mainleus dann zum Markt werden? Nach der Bayerischen Gemeindeordnung können Gemeinden Markt oder Stadt heißen, wenn sie diese Bezeichnung nach bisherigem Recht führen oder wenn ihnen diese Bezeichnung durch das Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration neu verliehen wird. Die Bezeichnung Stadt oder Markt darf nur an Gemeinden verliehen werden, die nach Einwohnerzahl, Siedlungsform und wirtschaftlichen Verhältnissen der Bezeichnung entsprechen.

Die Möglichkeit der "Neuverleihung" ist eine bayerische Besonderheit, um die uns manches Gemeindeoberhaupt in anderen Bundesländern beneidet. Bereits im Jahr 1983, anlässlich der 650-Jahr-Feier der Gemeinde Mainleus, beantragte der damalige Bürgermeister Heinz Hugel beim Innenministerium, Mainleus das Stadt- beziehungsweise Marktrecht zu verleihen. Dies wurde abgelehnt.

Dass die Bezeichnung "Stadt" bereits von der Definition her ausscheiden würde, war absehbar. Aber auch die Kriterien für den "Markt" waren in weiten Teilen noch nicht erfüllt. Hierauf wies das Ministerium auch in den folgenden Jahren mehrfach hin. Nach vielen Jahren der sichtbaren Aufwärtsentwicklung hin zum zentralen Ort des westlichen Landkreises konnte sich das Ministerium einer Neubewertung des gemeindlichen Wunsches letztlich aber nicht mehr verschließen.

Am 8. Mai 2000 kam das lange erwartete und erlösende Schreiben des Innenministeriums. Danach wurde der Gemeinde Mainleus mit Wirkung vom 16. September 2000 die Bezeichnung Markt verliehen. Aus Freude und Dankbarkeit schlug der seinerzeitige Bürgermeister Werner Grampp dem Gemeinderat vor, Innenminister Günther Beckstein mit dem Eintrag in das Goldenen Buch der Gemeinde zu ehren und am 16. und 17. September 2000 einen Markt in Mainleus zu halten.

Die Festlichkeiten

Die Festlichkeiten begannen bereits am Freitag, 15. Septemberm, mit einer Bilderausstellung. Am Samstag folgten ein ökumenischer Gottesdienst, der Eintrag von Beckstein ins Goldene Buch und der Festakt zur Markterhebung.

Die Höhepunkte für die Bevölkerung waren der Festumzug durch Mainleus mit über 40 Vereinen, rund 900 Teilnehmern und Tausenden von Besuchern sowie der abendliche Bürgerball in der Sommerhalle. Auch der bunte Festmarkt am Samstag und Sonntag im Zentrum von Mainleus erwies sich als Besuchermagnet.

Selbst der Innenminister und spätere bayerische Ministerpräsident war vom Festgeschehen begeistert. Ihm war zuvor angetragen worden, am 16. September 2000 das Oktoberfest in München zu eröffnen. Beckstein zog jedoch den Festakt zur Markterhebung in Mainleus vor und äußerte sich dazu: "Das war ohne Zweifel richtig, denn so eine Bürgerbeteiligung bei einer Markterhebung habe ich noch nie gesehen. Das ist heute das wichtigste kommunalpolitische Ereignis in ganz Bayern."

Die Festrede

Die Erhebung war eine Auszeichnung mit symbolischen Wert. Ob Gemeinde oder Markt, der Unterschied hört sich zunächst nicht sonderlich spektakulär an, weil es den einzelnen Bürger nicht unmittelbar berührt. Die Verleihung der Bezeichnung "Markt" ist ein herausragender Meilenstein in der Geschichte von Mainleus. Beckstein führte dazu in seinem Grußwort aus: "Die Verleihung des Prädikats ,Markt' ist die sichtbare Anerkennung für die Leistungen der Gemeinde Mainleus, die sich zu einem Gemeinwesen von besonderer Vitalität und Attraktivität entwickelt hat. Die heutige Struktur dieser kommunalen Einheit ist das Ergebnis der Gebietsreform. Nur wenige Gemeinden in Bayern wurden dadurch so geprägt wie Mainleus, an das sich zwischen 1972 und 1978 19 Gemeinden und Gemeindeteile anschlossen. Mainleus hat mit der einfühlsamen Integration der Bürgerinnen und Bürger dieser früheren Gemeinden eine herausragende Leistung vollbracht. Es hat sich bald ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl entwickelt, was sich auch im bürgerlichen und sozialen Engagement, zum Beispiel bei der Betreuung von Aus- und Übersiedlern und von Kosovo-Flüchtlingen, ausdrückt. Mit diesem bürgerlichen Engagement und den wirtschaftlichen Grundlagen ist es der Gemeinde Mainleus gelungen, anstehende Probleme zu bewältigen und ihre Chancen in vorbildlicher Weise zu nutzen. Die Zugehörigkeit zu den bayerischen Märkten hebt Mainleus aus den übrigen kreisangehörigen Gemeinden heraus."

Der bischöfliche Oberhirte des Kirchenkreises Bayreuth, Wilfried Beyhl, brachte es auf den Punkt. Er verglich die Markterhebung mit Dingen für die man sich nichts kaufen kann, die aber doch mehr Wert sind als Geld.