Maximilian Glas

Sonnefeld/Frohnlach  — Es sind gerade einmal 3,7 Kilometer, die das Willi-Schillig-Stadion, Heimat des VfL Frohnlach, und die Max-Schultz-Sportanlage, Spielstätte des TSV Sonnefeld, trennen. Und es scheint, als könnten sich die bisherigen Landesliga-Konkurrenten künftig noch viel näher kommen.
Ein Blick auf die Tagesordnung der kommenden Jahreshauptversammlungen der beiden Vereine (TSV Sonnefeld am 11. Februar, VfL Frohnlach am 23. Februar) bringt jedenfalls Interessantes zum Vorschein. Bei den Sonnefeldern heißt es unter Punkt 10 "Anfrage des VfL Frohnlach zu einer Fusion mit dem TSV Sonnefeld", bei den Frohnlachern unter Punkt 9 "Geplante Fusion mit dem TSV Sonnefeld".
Dass beide Vereine Interesse an einer derartigen Zusammenarbeit haben, bestätigten die beiden Klubvorsitzenden Dieter Reißenweber (TSV Sonnefeld) und Ulrich Kossack (VfL Frohnlach) am Freitagmittag auf Tageblatt-Nachfrage.


Interesse von beiden Seiten

Im Oktober hatten die Frohnlacher ihren Vorschlag beim TSV vorgetragen. Die ersten Gespräche mit den Sonnefelder Verantwortlichen verliefen positiv. "Wir haben uns zusammengesetzt und wollten vorfühlen, inwieweit ,Zuneigung' da ist. Und wie es ausschaut, ist Interesse da", sagt Ulrich Kossack, 1. Vorsitzender des VfL Frohnlach.
Auch sein Pendant auf Sonnefelder Seite, Dieter Reißenweber, der sich lange Zeit eine solche Fusion nur schwer vorstellen konnte, und seine Vorstandskollegen sehen mittlerweile großes Potenzial einer Zusammenlegung der beiden Vereine: "Unsere Vorstandschaft ist nicht mehr abgeneigt. Die Fusion dieser zwei großen Vereine wäre eine große Sache für die Region. Aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht hätte das für uns Vorteile."
Reißenweber verweist aber gleichzeitig auch darauf, dass noch lange nichts entschieden oder spruchreif sei: "Wir werden das mit unseren Mitgliedern besprechen und diskutieren, und sehen dann nach der Hauptversammlung weiter."


"Hochblüte ist vorbei"

Es wird jedenfalls spannend, wie die Mitglieder der bisher rivalisierenden Teams auf den Vorschlag der Vereinsverantwortlichen reagieren. Denn nur bei einem positiven Stimmungsbild der Mitglieder beider Klubs würde es ab Ende Februar zu "Sondierungsgesprächen", wie es Kossack bezeichnet, kommen, bei denen die Rahmenbedingungen einer möglichen Fusion abgesteckt werden sollen.
Für die Frohnlacher, die als Tabellenletzter der Landesliga Nordost um den Klassenerhalt zittern müssen, scheint eine Zusammenarbeit mit einem anderen Verein unabdingbar, um langfristig den Spielbetrieb zu sichern. Eine angestrebte Fusion mit dem Kreisligisten SC Sylvia Ebersdorf scheiterte zuletzt. Die Sylvia-Verantwortlichen zeigten sich zwar nicht komplett abgeneigt, haben die Frohnlacher aber vorerst vertröstet. Nun liegt die Hoffnung auf eine Zusammenarbeit mit dem TSV Sonnefeld. "Die Hochblüte des VfL Frohnlach, also die großen Zeiten, als wir der federführende Verein in Oberfranken waren, sind halt leider vorbei", sagt Ulrich Kossack. "Wir müssen andere Wege beschreiten und sind auch für alle Wege offen."
Kossack betont zwar, dass der Spielbetrieb der ersten Frohnlacher Mannschaft auch ohne Fusion für die Saison 2018/19 gesichert sei, aber er ist sich auch bewusst, dass es personell auf allen Ebenen eng wird. "In einer kleinen Ortschaft wie Frohnlach mit 1500 Einwohnern wird es immer schwieriger, Funktionärsposten zu besetzen", so Kossack. Und auch die Größe des Spielerkaders bewegt sich in dieser Spielzeit am absoluten Minimum, Verletzungen oder Sperren von Stammspielern brachten Trainer Oliver Müller in der Vorrunde mehrmals in die Bredouille. Aus den eigenen Reihen gibt es zu wenige Talente, die es in die Landesliga schaffen könnten, und große Sprünge auf dem Transfermarkt sind seit dem Tod des Ehrenpräsidenten Willi Schillig vor knapp fünf Jahren ohnehin nicht mehr drin.


Beide Klubs sollen Nutzen haben

Ob die Fusion der beiden Landesligisten bald in Angriff genommen wird, liegt auch in Frohnlach an der Zustimmung der Mitglieder. "Würde es ans Eingemachte gehen, ist es wichtig, dass eine solche Fusion ein Geben und Nehmen ist", sagt Kossack. "Es bringt nichts, wenn nur ein Verein einen Nutzen aus einer solchen Fusion zieht." Als Frohnlacher "Pfund" sieht Kossack bei einer möglichen Zusammenlegung der Klubs unter anderem das Willi-Schillig-Stadion und die umliegende Infrastruktur.
Sollten sich beide Vereine auf eine Fusion einigen, scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass diese schon zur Saison 2018/19 in Kraft tritt. Denn bereits bis Mitte Mai müssten alle bürokratischen Hürden überwunden sein und die entsprechenden Unterlagen der "neuen" Mannschaft beim Bayerischen Fußball-Verband liegen.