Druckartikel: Wer steuert die schweren Laster?

Wer steuert die schweren Laster?


Autor: Sonja Adam

Kulmbach, Montag, 09. Mai 2022

Beruf Die Verkehrsakademie in Kulmbach macht Werbung für Berufe in der Transport- und Logistikbranche.
Ramona Raimund fährt mit dem Betonmischer auf Baustellen und steht in der Männerdomäne ihre Frau, erzählt sie beim Transport- und Logistiktag. Sie hat vor zwei Jahren die beschleunigte Grundausbildung gemacht, kümmert sich aber auch um die Verwaltung im heimischen Betrieb.


Im Hof der Verkehrsakademie herrschte am Samstag reges Treiben: Transport- und Logstikunternehmen präsentierten ihren Fuhrpark, der große Lastkraftwagen genauso umfasste wie Spezialmaschinen für Wald und für den Bau oder Omnibusse. "Unsere Intention ist es, die Unternehmer mit der Agentur für Arbeit und Jobsuchenden zusammenzubringen, um für Berufe rund um Transport und Logistik zu werben", erklärte Michael Möschel, Geschäftsführer der Verkehrsakademie Kulmbach.

Zum zweiten Mal initiierte er das Treffen für Unternehmer und Interessenten in der Verkehrsakademie. Aktuell fehlen in Deutschland bis zu 120.000 Lkw-Fahrer. Während früher der Beruf für Freiheit, Männlichkeit und die Chance, immer unterwegs zu sein und ferne Länder kennenzulernen, stand, legen heute viele Arbeitnehmer gesteigerten Wert auf Sozialkontakte, auf ein geregeltes Familienleben. Ständig wechselnde Arbeitszeiten, Zeitdruck und Stress haben zudem ein Negativ-Image aufgebaut. Dem gelte es nun entgegenzuwirken, so Möschel.

Aufnahmefähiger Bereich

"Der gesamte Bereich Lager und Logistik ist noch aufnahmefähig", erklärte Birgit Obermaier von der Agentur für Arbeit. Aktuell herrsche insgesamt in Bayreuth-Kulmbach Vollbeschäftigung.

Das bedeutet: Die Firmen müssen um die Aufmerksamkeit buhlen und müssen potenzielle Arbeitnehmer ansprechen und begeistern. "In diesem Bereich haben auch Quereinsteiger und Kräfte, die angelernt werden müssen, eine gute Chance", erklärte Obermaier und verwies auf das Programm "Work first".

Damit können Flüchtlinge mit geringen Sprachkenntnissen einsteigen und erst einmal im Arbeitsleben Fuß fassen. Dann haben sie die Möglichkeit, über das Qualifizierungschancengesetz auf der Karriereleiter nach oben zu steigen.

Flüchtlinge schauten sich um

Unter den Menschen aus der Ukraine hatte sich die Messe herumgesprochen. Mehr als ein Dutzend Ukrainer ließen sich beraten. Max Kappel und Svitlana Wöß übersetzten und zeigten Möglichkeiten für Qualifizierungen auf.

Dmytro Bereza ist erst zwei Tage vor der Messe mit seiner Mutter und Schwiegermutter aus Kiew gekommen. In der ersten Nacht war er in einem Hotel untergebracht, die zweite Nacht verbrachte er im Ankerzentrum in Bamberg. Dmytro Bereza hat in der Ukraine als Fernfahrer gearbeitet. Er hat den benötigten Führerschein und würde gerne in Deutschland Fuß fassen, macht er klar und wollte nicht lange warten. Die Chancen für ihn stehen gut, machten ihm viele Mut. "Die Fahrer müssen Grundkenntnisse in Deutsch haben oder sich auf Englisch verständigen können. Und sie müssen einen festen Wohnsitz in Deutschland haben", sagt Unternehmer Gerhard Souza Murrmann. Dass Dmytro Bereza den nötigen Führerschein und die Erfahrung besitzt, würde ihm helfen, sofort tätig werden zu können.

Doch nicht nur Männer aus der Ukraine interessieren sich für die Branche, auch Frauen können bereits Erfahrungen vorweisen und als Omnibusfahrerin oder auch als Lkw-Fahrerin tätig werden. Ramona Raimund (24) hat nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium mit 22 Jahren den Lkw-Führerschein gemacht. Sie fährt im heimischen Betrieb Betonmischer. "Ich habe die verkürzte Grundqualifikation gemacht", erklärt sie - ein guter Weg, um schnell zur Prüfung zu kommen und mit der IHK-Prüfung abzuschließen. Sie hat bislang in der Männerbranche keine negativen Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: Nach kleinen Frotzeleien helfen die männlichen Kollegen auf der Baustelle manchmal beim Säubern der Betonrutsche, erzählt die 24-jährige Frau mit einem Lachen.