Wenn Pflege eine Berufung ist
Autor: Theresa Schiffl
Höchstadt a. d. Aisch, Dienstag, 09. April 2019
"Mir gefällt mein Beruf." Diesen Satz aus dem Mund einer Pflegekraft zu hören, klingt für viele ungewöhnlich. Ein Tag mit der Pflegehelferin Carmen D'Aniello im Vitanas Seniorenzentrum St. Anna zeigt auch die schönen Seiten des Berufs.
Theresa schiffl In der Pflege will kaum jemand arbeiten. Auch Azubis machen oft einen großen Bogen um den Ausbildungsberuf Altenpfleger. Stress, zu wenig Geld, Schicht- und Nachtdienst, geringe gesellschaftliche Anerkennung: Das sind nur ein paar Gründe, die viele abschrecken. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen wie Carmen D'Aniello, die hier ihre wahre Berufung finden.
Ein Tag mit ihr im Vitanas Seniorencentrum St. Anna in Höchstadt zeigt, warum sie ihren Beruf so gerne macht. Carmen D'Aniello ist gerade mit einer Bewohnerin im Bad. Die kleine Waschwanne, Waschlappen und Handtücher hat sie schon vorbereitet. Sie macht den Waschlappen nass und sagt zu der Seniorin: "Einmal mit der Hand in den Waschlappen schlüpfen und dann können Sie sich auch schon ihr Gesicht waschen." Diese sieht sie mit müdem Blick an und beginnt langsam ihre Hände zu waschen. "Haben Sie nicht gut geschlafen?", fragt die Pflegehelferin weiter.
Als Antwort bekommt sie ein Brummen und ein kleines Nicken der älteren Dame. Soweit es geht, lässt sie die Bewohnerin sich selbst reinigen und hilft, wenn es notwendig ist.
Ungefähr fünf Bewohner wäscht D'Aniello während ihrer Schicht. Das ist vom Pflegeschüssel und den Pflegegraden abhängig, durch die sich die Anzahl an Pflegekräften auf der Station ergibt. Dafür haben die Pfleger jedoch bis um zwölf Uhr Zeit, da es auch einige Langschläfer gibt.
Die Kollegen helfen sich auch untereinander. Sabrina Sillner fragt: "Kannst du mir kurz helfen? Herrn K. geht es heute nicht so gut, da möchte ich ihn nicht alleine waschen." Ein paar Minuten später stehen die beiden Pflegerinnen bei dem Senior am Bett. "Herr K.? Wir wollen sie jetzt etwas frisch machen. Sie müssen aber keine Angst haben", sagt Sillner beruhigend und streichelt ihm über die Wange. Um die Bewohner während des Waschvorgangs nicht zu erschrecken, erklären die Pflegekräfte immer, was als nächstes kommt. Behutsam beginnen die Pflegerinnen, den Oberkörper des noch sehr schläfrigen Mannes zu waschen. Er scheint heute etwas Schmerzen zu haben. Immer wieder müssen sie ihre Arbeit unterbrechen, da der Bewohner verkrampft. Im Anschluss hilft Sabrina Sillner ihrer Kollegin noch mit weiteren Bewohnern. Die Pflegekräfte unterstützen sich gegenseitig und machen auch immer wieder einen Spaß.
Beruf ist mehr als Körperpflege
Auch an die unappetitlicheren Momente gewöhne man sich schnell und diese machen den Beruf nicht aus, sagt Carmen D'Aniello, während sie die Waschschale für die nächste Bewohnerin vorbereitet. "Ich bin seit zweieinhalb Jahren hier und möchte die Zeit auf gar keinen Fall missen", sagt sie während sie der Seniorin ihr Nachthemd auszieht. Die junge Frau kommt ursprünglich aus der Gastronomie. "Mir gefällt mein Beruf so sehr, dass ich jetzt sogar die Weiterbildung zur Fachkraft mache", erzählt die dreifache Mutter mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie kann sich keinen anderen Beruf vorstellen.