Eine gelungene Überraschung war am Sonntag bei der Jahresversammlung des Feuerwehrvereins in Ebern die Ernennung von Hermann Müller zum Ehrenmitglied. Über drei Jahrzehnte, von 1990 bis 2020, hat Hermann Müller den Feuerwehrverein geprägt. Vorsitzender Anton Gerstenkorn sagte in seiner Laudatio über Müller: "Für mich war der Feuerwehrverein der Hermann."

In Müllers Amtszeit fielen Meilensteine wie der Anbau an das Gerätehaus und die ersten Umbauten im Schulungsraum. Unter Hermann Müller begann die Feuerwehr verstärkt, an verschiedenen Stadtmeisterschaften teilzunehmen und die beliebten Faschingswagen zu bauen. "An deine Pappmaché-Figuren kommt niemand ran", lobte Gerstenkorn.

Mit 14 Jahren, im Jahr 1974, war Hermann Müller in die Feuerwehr eingetreten. 1990 übernahm er das Amt des Zweiten Vorsitzenden, bevor er nur eine Wahlperiode später Erster Vorsitzender wurde. Dieses Amt hatte er über 18 Jahre und drei Wahlperioden inne, bevor er es vor sechs Jahren an Anton Gerstenkorn übergab. Um den Generationenwechsel etwas abzumildern, übernahm er noch für weitere sechs Jahre die Aufgabe des Kassiers, das er bei der diesjährigen Wahl niederlegte.

Für seine vielen Verdienste um den Feuerwehrverein beschloss deshalb die Versammlung auf Antrag von Anton Gerstenkorn, Hermann Müller zum Ehrenmitglied zu ernennen. Der war von der Ehrung angetan und überrascht. Damit hatte der Geehrte nicht gerechnet, wie er sagte.

Es gab noch eine Ehrung: Für seine 60 Jahre Mitgliedschaft im Verein wurde Konrad Vetter ausgezeichnet.

Berichte und Neuwahl

Neben den üblichen Berichten über ein ereignisreiches Jahr 2019 standen bei der Versammlung Neuwahlen an. Vorsitzender ist weiterhin Anton Gerstenkorn. Sein bisheriger Stellvertreter Philip Ruhhammer wechselte auf den Posten des Aktivenvertreters (Stellvertreter: Timo Hohnhausen, Silke Schwarz); für ihn übernahm Joachim Wiesmann die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden. Für den scheidenden Kassier Hermann Müller übernahm Simon Gerstenkorn. Auch Markus Zimmer, der bisher Schriftführer war, wechselte sein Amt: Er ist jetzt Sprecher der Passiven (Stellvertreter Achim Dietz). Den Posten des Schriftführers hat dafür nun Winfried Geuß. Kassenprüfer sind Stefan Wolfschmitt und Hannes Rennebohm. Mit der Wahl hat sich der Vorstand nochmals deutlich verjüngt.

Dennoch hat auch die Feuerwehr Nachwuchsprobleme. "Die Jugendfeuerwehr beginnt mit zwölf Jahren; da sind die Jugendlichen aber schon in vielen anderen Vereinen und Hobbys gebunden, das macht es für uns wahnsinnig schwer", konstatierte Kommandant David Pfeufer. Deshalb haben die Kommandanten und die Vereinsführung beschlossen, eine Kinderfeuerwehr ins Leben zu rufen. Die Gründungsversammlung soll am 4. April stattfinden. Geplant sind monatliche Treffen der Kinder mit den Betreuern. "Wir werden viel basteln und Aktionen machen und wir werden die Kinder mit den Feuerwehrautos nach Hause fahren", versprach Sprecherin Julia Appel.

Um gut starten zu können, genehmigte die Versammlung der Kinderfeuerwehr ein Budget von 2000 Euro für erste Anschaffungen wie Kindersitze, Westen und Mützen als "Uniformen" für die Kinder, Bastelmaterial und was sonst noch benötigt wird. Das Team um Julia Appel und Luisa Ullrich freut sich schon jetzt auf viele Kinder ab sechs Jahren.

Aus der Meisterschule

Kommandant David Pfeufer berichtete der Versammlung, dass aktuell drei Schüler aus der Schreinermeisterschule zu den Aktiven der Wehr gestoßen sind. "Klar, sie werden keine 20 Jahre dabei sein, aber sie sind jetzt da und sie sind unter der Woche abkömmlich", wie David Pfeufer schilderte.

Auch ihre Öffentlichkeitsarbeit will die Feuerwehr verstärken. Sie hat als ersten Schritt die Homepage neu aufgebaut.

Die Berichte nahm auch das Stadtoberhaupt Jürgen Hennemann (SPD) erfreut entgegen. Dank der Wehr in Unterpreppach, die im Stadtgebiet Vorreiter in Sachen Kinderfeuerwehr sei, habe der Stadtrat für alle Wehren den Weg für Kinderfeuerwehren frei gemacht, sagte er. Wie viele folgen werden, werde sich zeigen, so der Bürgermeister, aber er bewertete es als einen guten, wichtigen und richtigen Schritt.

Konzepte und Vorschläge

Durch den Einbruch der Gewerbesteuer im vergangenen Jahr konnten manche Projekte nicht wie geplant angegangen werden. So verzögert sich laut Hennemann die Rückgabe der Werkstatt an die Feuerwehr, die aktuell noch vom Bauhof genutzt wird. "Aber wir machen uns trotzdem Gedanken und erarbeiten ein Konzept für die Unterstellhalle, die schon seit längerem im Gespräch ist", versprach der Bürgermeister.

Hier brachte David Pfeufer die Gründung einer Bürger-AG ins Spiel, die ohnehin angedacht sei. Jürgen Hennemann nahm den Vorschlag auf und versicherte, er nehme ihn mit in die entsprechenden Diskussionen.