von unserem Mitarbeiter 
Karl-Heinz Hofmann

Kronach — Im Bau-, Stadt entwicklungs- und Wirtschaftsausschuss gab es am Donnerstag zu mehreren Bauprojekten lange Diskussionen. Was darf sein? Was darf nicht sein? Die bisher gefahrene großzügige Bauauslegung den Bauherren gegenüber lässt sich absolut nicht in jedem Falle durchsetzen. Dies mussten Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) und die Ausschussmitglieder wieder einmal schmerzlich zur Kenntnis nehmen, hätten sie doch alle gerne wieder einen Bauwilligen aus einem anderen Ort des Frankenwaldes den Zuzug in die Kreisstadt durch Genehmigung eines Neubaus eines Wohnhauses ermöglicht.

Uneinigkeit über Baujahr

Es war ein Antrag auf Vorbescheid für den Neubau eines Einfamilienwohnhauses mit Garage, in der Glosberger Straße, vom Gundelsdorfer Kreisel aus kommend in Richtung Glosberg. An dieser Stelle besteht bereits ein Wohnhaus, informierte Stadtplaner Daniel Gerber. Das Bauvorhaben liege im Außenbereich und ist nicht privilegiert. Es widerspricht auch den Darstellungen des Flächennutzungsplanes. Gerber verlas auch ein Schreiben einer Architektin, wonach das bestehende Gebäude nicht mehr renovierungsfähig sei und daher abgerissen werden sollte. Der Stadtplaner stellte dabei in Frage, dass dieses Gebäude im Jahr 1914 errichtet worden sein soll, wie es in dem Schreiben heißt, seiner Meinung nach stamme die Bausubstanz allenfalls aus den 60er/70er Jahren und wenn es so wäre, sollte man auch renovieren können. Dies sagte Gerber den Ausschussmitgliedern deshalb, weil man bisher in solchen Fällen immer Kompromisslösungen gefunden habe.

Gegen einen Abriss

In diesem Falle wäre ein diskussionsfähiger Kompromiss und auch ein großes Entgegenkommen, wenn an gleicher Stelle des bisherigen Gebäudes ein Ersatzbau genehmigt wird. So lautete letztlich auch der Beschluss dahingehend, dass man den Antrag auf Vorbescheid mit einem ersatzlosen Abriss des Gebäudes und einem Neubau an bisher unbebauter Stelle nicht zustimmt.
In Ergänzung dazu wurde als Kompromiss angefügt, es kann eventuell nur an gleicher Stelle die Genehmigung eines Ersatzbaus in Aussicht gestellt werden, dann mit der Auflage, die Begrünung zu erhalten. Diesem Beschluss folgte einstimmige Zustimmung. Winfried Lebok (CSU) als Neumitglied im Ausschuss machte deutlich, dass man Tür und Tor öffnen würde, dass zukünftig jeder so bauen könne, wie er wolle, würde man dem Vorbescheid zustimmen, daher signalisierte er Zustimmung nur, wenn ein Gebäude an gleicher Stelle wie jetzt entstehe. Hans-Georg Simon (FW) und Sven Schuster (SPD) hatten sich im Vorfeld für eine Zustimmung zum Vorbescheid ausgesprochen, denn was ist, wenn das Gebäude weiter leer steht, es wird zu einem Schandfleck direkt an der Zufahrt zum Wallfahrtsort, daher sahen sie es positiv, wenn sich etwas tut. Wolfgang Hümmer (CSU) warnte dagegen davor, es sich so leicht zu machen. Ein Ersatzbau könne nur an gleicher Stelle erfolgen, sonst würden alle geltenden Bestimmungen missachtet und Tür und Tor für weitere ungeregelte Baumaßnahmen geöffnet. Hans Simon (SPD) meinte, der Bauwerber müsse sich bewegen, sie würden einen Kompromiss vorschlagen, wobei er sich dem von Winfried Lebok eingebrachten Kompromiss anschließen könne. Dieser Kompromiss war auch im Sinne von Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW), der sich dankbar für die Vorschläge aus dem Gremium zeigte.

Großzügigere Auslegung

Dass man durchaus großzügig in den Auslegungen sein kann, zeigte ein Bauantrag auf Neubau eines Einfamilienhauses mit Carport in Gehülz. Auch dieses Vorhaben liege im Außenbereich. Weil sich allerdings schon Gebäude in der Nähe befinden, könne man hier, laut Gerber, etwas großzügiger verfahren. Das gemeindliche Einvernehmen wurde trotz Bedenken gegen die Dachform einstimmig erteilt. Ein bereits ohne Antrag erstellter Anbau an ein Anwesen in Breitenloh empörte die Räte. Und dies noch besonders, weil die Außenfassade nicht in das Ortsbild und auch nicht zum bestehenden Gebäude passe, erklärte Daniel Gerber. Winfried Lebok nannte eine Zulassung des vorliegenden Antrags untragbar. Tino Vetter (FW) sprach gar von einer Dreistigkeit des Bauherrn. Das Einvernehmen wurde mit 5:4 Stimmen nicht erteilt.