Viele Menschen hätten zuletzt gerne den Weihnachtsmarkt besucht, doch die Stände waren geschlossen. Was war der Grund?
Michael Memmel Vor einem rot-weißen Absperrband stand Elke Hofmann unverhofft am Sonntagnachmittag. Eigentlich wollte die Frau aus Breitengüßbach den bereits am 22. November eröffneten Bamberger Weihnachtsmarkt am Maxplatz besuchen - bei passendem Wetter "Geld ausgeben und Geschenke kaufen" - doch zur Budenstadt gab es keinen Zutritt. Sie war irritiert und rätselte mit "gefühlt halb Bamberg" und vielen weiteren Besuchern aus nah und fern vor dem verschlossenen Maxplatz: Gibt es ein technisches Problem oder gar einen terroristischen Hintergrund für die Maßnahme?
Stadtsprecher Steffen Schützwohl klärt auf, dass der Weihnachtsmarkt in Bamberg traditionellerweise donnerstags eröffnet werde. "Da der erste Advent in diesem Jahr sehr spät ist, am 2. Dezember, hätte ein Beginn am 29. November bedeutet, dass der Markt nur etwas mehr als drei Wochen dauert." Daher habe das Rathaus entschieden, eine Woche früher zu beginnen, um einen etwa vierwöchigen Weihnachtsmarkt anbieten zu können. Die gesetzlichen Vorgaben würden aber eine Schließung des Marktes an Stillen Tagen wie dem Totensonntag erforderlich machen. Das bedeute laut Schützwohl, "dass Marktveranstaltungen jeglicher Art an diesem Tag in Bayern nicht zulässig sind, da sie nicht dem ernsten Charakter eines Stillen Tages entsprechen". Ausnahmen von dieser Regel seien grundsätzlich nicht möglich.
Wo ist die Logik?
Darüber sei auch informiert worden - vorab in der Zeitung (siehe Seite 14 im FT vom 24. November) und auch vor Ort an den Buden. Einen dieser Hinweise hat auch Elke Hofmann dank des Fingerzeigs eines weiteren Besuchers schließlich entdeckt. Gelindert hat es ihren Frust allerdings nicht, zumal sie bei Gesprächen in umliegenden Kaffees immer das Gleiche gehört habe: "Jetzt sind wir extra hierher gefahren, da und dort ist heute aber der Weihnachtsmarkt offen, hast Du etwas gelesen?" Tatsächlich habe "wirklich niemand" von der Schließung am Totensonntag gewusst. Die Logik des Veranstalters kann die Breitengüßbacherin auch nicht nachvollziehen: "Erst wird der Weihnachtsmarkt mehr als eine Woche vor dem ersten Advent eröffnet, entgegen jeder Tradition, und dann bleibt er am Totensonntag geschlossen?"
Lange Einkaufsnacht steht an
An den kommenden vier Adventssonntagen wird der Markt nun geöffnet sein - von 11 bis 20 Uhr. Montag bis Samstag locken die Stände sogar schon ab 9.30 Uhr mit ihren Angeboten. Letzter Markttag wird der 23. Dezember sein. Und dafür, dass am Totensonntag dicht war, gibt es am 1. Dezember sogar einen Ausgleich. Während der Langen Einkaufsnacht am Samstag kann auch auf dem Weihnachtsmarkt bis Mitternacht eingekauft werden. Bei so umfangreichen Öffnungszeiten will auch Elke Hofmann nicht nachtragend sein und dem Bamberger Budenzauber nochmal eine Chance geben. "Da werde ich schon noch mein Geld los", sagt sie augenzwinkernd.