Wanderer tragen keine Schuh'
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Bad Staffelstein, Dienstag, 06. Sept. 2016
Statt mit Stöcken und in Wanderstiefeln sind die Wanderer, die am Wochenende ins Staffelsteiner Land kommen, auf Reifen unterwegs.
Dass sich in der Region rund um den Staffelberg Wanderer treffen, ist nichts Ungewöhnliches. Die, die dort aber am Donnerstag eintreffen und übers Wochenende im Staffelsteiner Land unterwegs sein werden, schon.
Diese Wanderer sind nämlich nicht mit dreckigen Wanderschuhen auf den Beinen, sondern herausgeputzt auf zwei oder gar vier Rädern.
Von Donnerstag bis Sonntag treffen sich die Fahrer der sogenannten Wanderer Automobile und Motorräder in Schwabthal und unternehmen von dort aus verschiedene Ausfahrten.
Wanderer - Was sind das überhaupt für Fahrzeuge? "Wanderer ist die älteste, aber mittlerweile fast unbekannte sächsische Auto- und Motorrad- Marke aus Chemnitz. 1932 entstand aus dem Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer die Auto Union", erklärt Ulrich Möhlmann vom Wanderer Automobil- und Motorradclub, der sich eben am Wochenende hier trifft.
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Die Wurzeln von Wanderer gehen bis in das Jahr 1885 zurück, wie sich auf Wikipedia nachlesen lässt. In diesem Jahr gründeten Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf Jaenicke in Chemnitz die Gesellschaft "Chemnitzer Velociped-Depôt Winklhofer & Jaenicke". Verkauft und repariert wurden Fahrräder. Wenig später fertigten die beiden bereits einige Hochräder selbst.
Um 1900 war Wanderer zu einem bedeutenden Unternehmen auf dem Fahrradmarkt geworden und hielt verschiedene Patente, unter anderem für die erste deutsche Zweigang-Nabenschaltung. Weil die damals auf dem Markt verfügbaren Fräsmaschinen nicht die Genauigkeitsanforderungen Winklhofers und Jaenickes erfüllten, begannen die beiden auch mit der Serienproduktion von Fräsmaschinen.
Motorräder wurden von 1903 bis 1929 und sogenannte Motorfahrräder auch danach bis in die 50er Jahre gebaut.
1905 entstand der erste Auto-Prototyp "Wanderermobil", 1913 wurde die Automobil-Serienproduktion aufgenommen. "Wir hatten einen ganz niedlichen, kleinen Wagen im Auge, kleiner als alle bisher gebauten Wagen, niedrig im Anschaffungspreis, sparsam im Benzin-, Gummi- und Ölverbrauch, anspruchslos im Platzbedarf, aber großen Wagen gleich an Schnelligkeit und im Nehmen von Steigungen", schrieb Winklhofer später.
In Anlehnung an die im selben Jahr in Berlin uraufgeführte Operette "Puppchen" von Jean Gilbert wurde das zierliche Auto (1,5 Meter breit, 3 Meter lang) nach einer Aufführung in Chemnitz vom Volksmund Puppchen genannt.
Geteilte Windschutzscheibe
Wanderer war in den 30er Jahren ein ernsthafter Konkurrent zu Mercedes. Vom erfolgreichsten Modell Wanderer W24 wurden von 1937 bis 1940 rund 22 500 Exemplare hergestellt.
Eine Besonderheit mehrerer Wanderer-Modelle war in der damaligen Zeit eine geteilte Windschutzscheibe.Nach dem Krieg wurde die Produktion aber nicht wieder aufgenommen. Aus dem ursprünglichen Markenverbund der Auto Union ist die heutige, zum VW Konzern gehörige Audi AG entstanden.
"Unser Club wurde erst 2010 gegründet, hat trotz des Alters der Marke aber aktuell über 130 Mitglieder, und in unserem Register sind noch knapp 500 Automobile registriert", erklärt Möhlmann.
67 Fahrzeuge, 60 Automobile der Baujahre 1926 bis 1942 und sieben Motorräder der Baujahre 1920 bis 1940 kommen am Donnerstag auf dem Parkplatz des Hotels "Zum Löwen" in Schwabthal an.
Am Freitag und Samstag stehen dann Ausflugsfahrten durch die Fränkische Schweiz, das Obere Maintal und Coburger Land an, wo man die noblen Karossen sicher einige Male bestaunen kann. ci