Es klopft und hämmert wieder inmitten herrlicher Natur in Dobersgrund. Weitab des lärmenden Straßenverkehrs, wo man nur Vogelgesang und das Plätschern des Paulus-Baches hört, greifen seit Montag insgesamt neun kreative Männer und Frauen zu Meißel, Fäustel und Hammer, um damit ihre Sandsteine auf dem stabilen Arbeitspodest zu bearbeiten. Die Sandsteinwerkstatt geht über zwei Wochen. Einige bleiben auch nur eine Woche dabei. Unter professioneller Anleitung von Tobias Schreiber schaffen sie Reliefs, Ornamente oder Figürliches.

"Kronach steht symbolisch für Tradition und Innovation", bekundete Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann bei der offiziellen Eröffnung der Kurse am Montagmittag. Der neue Veranstaltungsort in Dobersgrund sei eigentlich aus der Not heraus geboren, da der angestammte Platz auf der Festung Rosenberg aufgrund der Baustelle nicht genutzt werden konnte. Nun scheint sich der wunderbare Ort zur Dauerlösung zu etablieren.

Sandstein sei einst für die Lucas-Cranach-Stadt und für den gesamten Frankenwald ein sehr wichtiger Rohstoff gewesen, den man in Steinbrüchen abgebaut und damit in hohem Maße Handel betrieben habe. Die Sandsteinwerkstatt passe daher hervorragend zu Kronach.

Es begann mit Heinrich Schreiber

Zu verdanken habe man diese dem akademischen Bildhauer und Kronachs Ehrenbürger Heinrich Schreiber, der sie gegründet und über 20 Jahre geleitet hatte: "Sandstein war sein Material", stellte Hofmann heraus. Ihm gebühre großer Dank ebenso wie seinem Sohn Tobias Schreiber, der die Kurse nach dessen Tod im Jahre 2016 fortführe und nun bereits im dritten Jahr in Folge sein Atelier in Dobersgrund dafür zur Verfügung stelle. Erfreulicherweise führe das Angebot auch immer wieder auswärtige Gäste nach Kronach. So gab es auch heuer drei Teilnehmer aus Berlin und auch Frank Kraus aus Klosterlangheim, der bereits in der Vergangenheit schon rund fünf Mal teilnahm, ist wieder mit dabei.

Von einer ganz besonderen Kursstaffel sprach Kerstin Löw, Leiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs der Stadt Kronach. Dies gelte zum einen für die Begleitumstände - sprich der aktuellen Situation - aber besonders auch für das heuer zu feiernde silberne Jubiläum. Sie freue sich sehr, dass dieser feste Bestandteil im Kronacher Jahresprogramm an diesem "unheimlich schönen Ort" auch in diesem Jahr - idealerweise im Freien - stattfinden könne, nachdem man alle anderen Veranstaltungen habe absagen müssen. Allen Teilnehmern wünschte sie viele kreative sowie kulinarische Erlebnisse. Kreativ-Sein sei eine gut Möglichkeit, mit seinem Leben umzugehen, und eine gute Sprache, um sich auszudrücken.

"Wir haben Spaß, gutes Essen und gutes Wetter. Der Rest wird sich zeigen", meinte Tobias Schreiber. Zum 25-jährigen Bestehen werde es heuer eine zusätzliche Jubiläumswoche vom 27. bis 31. Juli geben. Allen Teilnehmern der Sommerkurse wünschte er, das von ihnen angestrebte Motiv praktisch umsetzen zu können.

Die überwiegende Anzahl der Steinkünstler hat dabei schon sehr konkrete Vorstellungen: Entstehen sollen unter anderem eine Sonnenblume, ein Frauentorso, eine Stele mit einem Pferd oder ein liegender Löwe.

Antje Mann aus Berlin möchte beispielsweise die von ihr im letzten Jahr begonnene liegende Katze zu Ende bringen, wobei sie noch etwas skeptisch ist. "Ich habe Bedenken, dass mir der Stein in der Mitte auseinanderbricht", beäugt sie ihn kritisch. In der zweiten Woche möchte sie etwas Abstraktes schaffen in der Stilrichtung Henry Moore.

Die Dienstälteste

Lore Walker ist bereits zum 17. Mal dabei und damit bisher in diesem Jahr die Dienstälteste. Wie meist auch schon in der Vergangenheit wird ihre Skulptur wieder ein Geschenk für gute Freunde. "Es soll ein Geburtstagsgeschenk werden, allerdings erst in drei Jahren", verrät sie. Als Motiv hat sie sich eine "Dicke" ähnlich wie auf dem LGS-Gelände vorgenommen, natürlich etwas kleiner.

Dicht auf den Fersen mit 16 Teilnahmen ist ihr Brigitte Bühler aus Unterrodach, die eine Frauenskulptur schaffen möchte. "Arbeit mit Sandstein macht so viel Spaß. Es gibt nichts Schöneres. Ich komme davon nicht los", strahlt sie.

Urlaubsgefühle beim Bildhauen

Eine Muttergottes möchte Frank Kraus aus Klosterlangheim schaffen. "Das ist ein Wunsch meiner Frau", erzählt er und verweist auf sein aus Ton gestaltetes Modell. Seinen Sandstein hat er von zu Hause selbst mitgebracht. Für ihn ist die Teilnahme die pure Entschleunigung, einfach nur unter freiem Himmel den Stein bearbeiten, nichts anderes tun und an nichts anderes denken. "Zu Hause arbeite ich nicht daran. Ich brauche hierfür einfach Ruhe. Dieser Kurs ist für mich mehr Urlaub als wenn ich eine Woche nach Mallorca fahre", schwärmt er.

Der Zusammenhalt, das Gesellige, das Ambiente, die sehr gute Betreuung und Anleitung, wie natürlich auch die Fachkompetenz von Tobias Schreiber - das ist es, was bei den kreativen Frauen und Männern, ob Anfänger oder Fortgeschrittener, besonders gut ankommt. Oder wie es Antje Mann auf den Punkt bringt: "Ein guter Meister, ein guter Stein und ein guter Ort. Der Rest wird unter Anleitung."