Das erste Opfer des Zwei-Personen-Stücks "Der Mörder - schon wieder der Gärtner?" ist ein Maulwurf, gemeuchelt durch die Hand eben jenes Gärtners. Dabei sind es doch die Hände des Gärtners, die für Eintracht und Harmonie im Garten zuständig sind. "Und wenn wir Rosen pflanzen, pflanzen wir zugleich Liebe" - eine Erkenntnis, die Gärtner Felix (Jan Burdinski) zwar seiner Freundin Adele (Ingrit Gabriel) kundtut, die diese aber nicht so recht glauben will.
Seit altersher spielte der Garten bei den Bänkelsängern eine große Rolle, als Ort der Liebe und bisweilen auch als ein Ort makabrer Späße. Doch wie entsteht so ein Stück, das die Besucher des Brückentheaters im Kurpark in Bad Staffelstein rund zwei Stunden in exquisiter und vergnüglicher Weise unterhielt?
Zwar spielt Jan Burdinski den Gärtner Felix, ist aber selbst erst im vergangenen Jahr zum Gärtner geworden. Ältere Bürger hatten ihm von einem Kussweg erzählt, den es im Hollfeld gegeben haben soll. Für viele war das der Ort, an dem sie ihren ersten Kuss erhielten.


Vegetation musste weg vom Weg

"Das ist ja unglaublich", dachte sich Burdinski damals. Also hat der Intendant des Fränkischen Theatersommers sich beim zuständigen Liegenschaftsamt kundig gemacht und erfahren, dass es den Weg tatsächlich gibt, dass der Pfad aber völlig verwildert war. So hat sich Burdinski gemeinsam mit anderen Bürgern daran gemacht, den Weg zugänglich zu machen und wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Unkraut wurde entfernt, Bäume und Sträucher geschnitten und weitere Freilegungsarbeiten erledigt. Es entstand ein verschwiegener Treffpunkt für Verliebte. Heute gibt es dort unter anderem ein Poetenbänkchen, einen Briefkasten für Liebesbriefe und ein Morgensonnenplätzchen.
Der Kussweg war also mit ein Motiv für das Stück, das in Bad Staffelstein aufgeführt wurde, ein weiteres Motiv war die Landesgartenschau in Bayreuth.
Der Inhalt des Stücks besteht aus einer Collage von verschiedenen Liedern und Texten rund um das Thema Mord und Garten von bekannten Autoren wie Wilhelm Busch, Frank Wedekind, Heinrich Heine, Otto Reutter oder Luise Hensel. Hinzu kommen Ideen, die Burdinski und seine Partnerin Ingrit Gabriel selbst erarbeitet haben - beispielsweise die Geschichte mit den Nacktschnecken.


Der Tod im Biersee

"Der schönste Tod für eine fränkische Nacktschnecke ist, in einem Meer von Bier zu ertrinken", heißt es im Stück. Ein Satz, der für Erheiterung beim Publikum sorgte und bei männlichen Theaterbesuchern teilweise sogar auf Zustimmung traf. "Das scheint landestypisch zu sein", stellt Gärtnerfreundin Adele (Ingrit Gabriel) fest. Für einen Franken sei der Gedanke, durch einen Biersee schwimmend ins Nirwana einzugehen, offenbar nichts Erschreckendes.
Nein, der Mörder ist nicht immer der Gärtner. Auch Friseure bringen zuweilen den Tod. Zumindest dann, wenn sie in Gedanken an ihre Liebste einen Kunden rasieren. "Da fällt ein Kopf herunter, da sprudelt ein Brünnlein rot. So geht's, wenn Barbiere lieben! Der alte Herr war tot", lautet die letzte Strophe des Gedichts "Der zerstreute Barbier".
Und nicht jeder Gärtner scheint dem prallen Leben zugetan. "Als Friedhofsgärtner sorgt der Mann dafür, dass alle die Radieschen von unten anschauen dürfen", ist von Adele zu erfahren.


Möhren und eine Moritat

Dennoch versorgt der Gärtner die Küche mit allerlei Gemüse, wie Spargel, Gurken, Sellerie, Möhren und Zwiebeln. Nicht nur, dass sich Letztgenanntes wunderbar entblättern lässt - die Zwiebel spielte auch in der Moritat um den Ritter Prunz von Prunzelschütz eine Rolle. Die Bildtafeln, mit denen diese Geschichte im Brückentheater illustriert wurde, schuf der Maler Jörg Götzfried.