Gemütlich auf einem Hocker sitzen und zum bierseligen Gassenhauer "Kneipenhocker" gemächlich den Bass spielen - so kennt man Norbert Rösch.
Der Musiker der heimischen Gruppe "Saitenwynd" kann auch andere Saiten aufziehen: Bereits lange vor seiner Zeit bei der Liedermachergruppe "Saitenwynd", deren Mitglieder aus den Landkreisen Lichtenfels und Kulmbach stammen, hatte der 65-Jährige, der im vergangenen Jahr sein 50. Bühnenjubiläum feierte, ein musikalisches Kind auf die Welt gebracht. Ein rockig-fetziges obendrein, das auf den Namen "Vampires" getauft worden war: Mit ihrem knackigen und anspruchsvollen Rocksound hatte sich die Gruppe in den 60er- und 70er-Jahren in so manchen Gehörgängen festgebissen, darunter auch dem von TV-Entertainer Thomas Gottschalk.
Während sich Letzterer mit seiner Autobiographie "Herbstblond" im vergangenen Jahr auf Leserreise durch Deutschland befunden hatte, macht Ersterer seit vergangenem Jahr wieder die heimischen Bühnen unsicher. Zusammen mit dem Burgkunstadter Bluesrockurgestein Jürgen "Berches" Bergmann, dem belgischen Meistergitarristen Jan van Springel und dem Schlagzeuger Gunnar Olson, der zwischen Oldenburg und Volkach beruflich und privat hin- und herpendelt, hat er die Gruppe "BC 69" ins Leben gerufen. Diese gab bereits mehrere vielumjubelte Konzerte in Franken. Am Samstag, 5. März, sind die die vier altgedienten Recken ab 20 Uhr in der Burgkunstadter Kleinkunstkneipe "Rösla" zu sehen und zu hören.
"Es ist eine Rückkehr zu meinen musikalischen Wurzeln. Nach langen Jahren der Abstinenz kann ich endlich wieder fetzigen Hard- und Bluesrock zum Besten geben. Dabei spiele ich viel druckvoller als bei der Gruppe ,Saitenwynd‘", sagt der Musiker. Auch für Jürgen Bergmann ist die Zeit der Enthaltsamkeit und des Rock-'n'-Roll-Fastens vorbei. "Es ist so geil. Ich hätte nie gedacht, dass ich wieder einmal auf einer Bühne stehe", sprudelt es vor lauter Freude aus dem 51-Jährigen heraus.
Das musikalische Eisen, dass Jürgen Bergmann einst vor über einem Jahrzehnt auf einem wundersamen Ausflug für den Burgkunstadter Musicalkomponisten Udo Langer geschmiedet hatte, es ist noch immer heiß. Seine rauchige Stimme bebt, die Rhythmen, die Schlagzeuger Gunnar Olson und Bassist Norbert Rösch erzeugen, pulsieren bei den Konzerten druckvoll, während Jan van Springels Saiten glühen.


Der "Killer"aus Belgien

Jan van Springel ("Mein Beruf in der EDV-Branche hat mich nach Franken geführt, wo ich der Liebe wegen geblieben bin") ist nicht irgendwer. Mit der Hardrockband "Killer" feierte der Belgier aus Antwerpen, der heute im unterfränkischen Riedbach lebt, von 1988 bis 1992 internationale Erfolge. "Erfolg ist zwar relativ. Aber man kann schon sagen, dass ,Killer‘ damals die erfolgreichste Hardrockband in Belgien war."
Norbert Rösch, der im August 1965 mit den "Vampires" im Kulmbacher Vereinshaus seinen ersten viel umjubelten Auftritt gegeben hatte, ist das wandelnde Anekdotenlexikon unter den vier Akteuren. Der Rentner schwärmt von den guten alten Zeiten, als Thomas Gottschalk die Band vor ihren Auftritten angesagt hatte. "Wir hatten mit Rainer Beck aus Kulmbach denselben Manager. Er war es auch gewesen, der Gottschalk zu einem Sprecherwettbewerb beim Bayerischen Rundfunk anmeldete. Der Rest ist Geschichte, was unseren ,Tommy der Nation‘ anbetrifft."
Einen denkwürdigen Auftritt hatte die Formation Anfang der 70er-Jahre in der Nähe von Bad Kissingen mit Peter Maffay, der damals noch Schlagermusik gemacht hatte. "Da er kein Playback dabei hatte, mussten wir kurzfristig als Begleitgruppe einspringen. Das war uns als harte Rockband gar nicht so recht. Da wir nicht alle Maffay-Weisen draufhatten, machten wir aus der Not eine Tugend und spielten mit ihm Bluessongs", erinnert sich Rösch.
Über seine musikalischen Mitstreiter von "BC 69" lernte Rösch auch einen Bandkollegen aus seligen "Vampires"-Zeiten wieder kennen: Dieter Klier. Den Kulmbacher hatte es vor Jahrzehnten nach Unterfranken verschlagen, von wo aus er eine Popmusikerkarriere startete. "Er schrieb Songs für erfolgreiche Künstler wie Sally Oldfield oder Wolfgang Petry und heimste mit der Kapelle ,Relax‘, bei der er Keyboard spielte, eine goldene Schallplatte für den unverwüstlichen Evergreen ,Weil i di mog‘ ein", kramt Rösch aus seinem Gedächtnis hervor.
Die vier reiferen Herren spielen die Musik, mit der sie aufwuchsen und der sie auch ihren Bandnamen verdanken. "Das Woodstock-Jahr 1969 war mit Interpreten und Gruppen wie Jimi Hendrix oder den ,Rolling Stones‘ ein guter Jahrgang. Wir lieben diese kernige und kraftvolle Musik", spricht Bergmann allen aus der Seele.