Ein absoluter Neuling war Christian Ruppert nicht, als er vor einem Jahr zum Pressecker Bürgermeister gewählt wurde: Der CSU-Mann hatte da immerhin schon einige Jahre Erfahrung als Gemeinderat und als dritter Bürgermeister seiner Heimatgemeinde gesammelt. Er wusste von Anfang an, wo es hakt in Presseck - aber auch, mit welchen Pfunden sich wuchern lässt, um die Gemeinde voranzubringen.

Wie empfinden Sie Ihr erstes Amtsjahr? Was ist Ihrer Ansicht nach gut gelaufen, wo hätten Sie persönlich sich mehr erwartet?

Mein erstes Amtsjahr als Bürgermeister ging wahnsinnig schnell vorüber und war natürlich wie bei meinen Kollegen geprägt von der Corona-Pandemie. Trotzdem konnten wir in der Gemeinde viele Projekte anstoßen, durchziehen und auf den Weg bringen. Es wurde zum Beispiel ein Erweiterungsbau für zwei neue Stellplätze des Feuerwehrhauses in Wartenfels durchgeführt.

Wir haben uns für die große Dorferneuerung in Wartenfels beworben und sind in das Programm aufgenommen worden. Hier wird es ab 2023 mit den Planungen losgehen.

Wir haben unsere Feuerwehren auf den aktuellen Funkstandard gebracht. Es wurden neue Funkgeräte, auch für die kleinen Wehren, beschafft. Des Weiteren wurde für eine kleine Wehr ein neuer Tragkraftspritzenanhänger mit aktueller Normbeladung angeschafft. Wir haben im Gemeindegebiet die Straßenbeleuchtung auf LED-Brennstellen umgerüstet, um so der Nachhaltigkeit und der Einsparung von Energie gerecht zu werden. Außerdem konnten wir einige Straßenabschnitte im Gemeindegebiet oberflächensanieren.

Durch die Einführung unseres Wochenmarktes am Mittwochvormittag konnten wir die Nahversorgung unserer Bürger verbessern. Ich bin mir sicher, dass dieses Angebot auch nach der Pandemie regen Zuspruch erhalten wird und dass wir das Angebot noch erweitern können.

Durch unsere Aktion "Presseck hilft" (Einkaufsservice in der Pandemie), sind wir in der Gemeinde enger zusammengerückt, und ich konnte eine große Hilfsbereitschaft feststellen. Zusammen haben wir uns geholfen und versucht, die gesellschaftlichen Folgen der Pandemie zu lindern.

Leider sind und waren viele Geburtstagsbesuche, Hochzeiten, kirchliche und gesellschaftliche Feiern nicht möglich. Auch die ortsansässigen Vereine leiden sehr unter der Pandemie. Auch eine feierliche Verabschiedung meines Vorgängers Siegfried Beyer und verdienter Gemeinderätinnen und Gemeinderäte war nicht möglich. Dieser Umstand ist wirklich sehr bedauerlich und macht mich traurig, aber zum Glück ist Licht am Ende des Tunnels. Gemeinsam werden wir mit Rücksicht und Verstand auch noch die nächsten Monate schaffen und im Anschluss alles nachfeiern.

In einer Podiumsdiskussion in Reichenbach vor der Wahl hatten Sie betont, mehr Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Hat es dazu in den letzten Monaten irgendwelche Initiativen oder sogar Erfolge gegeben?

Wir konnten durch den Abriss der alten Schuhfabrik in Presseck freie vollerschlossene Gewerbeflächen gewinnen ohne dabei weitere Flächen zu versiegeln. Außerdem konnten wir die Industrieruine altes Webotex-Gebäude (ehemals Getränke Müller) erwerben und ein weiteres freies Gewerbegrundstück auf dem zahlreicher Unrat gelagert war. In diesem Jahr soll der Abriss erfolgen und so hätten wir mitten in Presseck ungefähr 5300 Quadratmeter vollerschlossene Gewerbefläche. Hier gilt es, diese sinnvoll zu vermarkten und einer neuen Nutzung zuzuführen. So können neue Arbeitsplätze vor Ort entstehen.

Ein wesentliches Anliegen war Ihnen seinerzeit die Erhaltung der Trinkwasserversorgung. Welche Maßnahmen sind hier am dringendsten? Was haben Sie im letzten Jahr unternommen - insbesondere im Blick auf die Sanierung der Hauptleitung?

Die Trinkwasserversorgung wurde angegangen. Wir haben im letzten Jahr angefangen, die 60 Jahre alten Leitungen, vorrangig die Hauptleitungen, zu sanieren, das heißt, auf einer neuen Trasse zu verlegen. Hier sind wir schon gut vorangekommen. Es gibt sehr viele Baubesprechungen und Vor-Ort-Termine. Diese sind aber sehr wichtig, da so gute Ideen und Einsparungen erarbeitet werden.

Wir handeln ja für unsere Bürger, welche eine gute Arbeit erwarten dürfen, dies sollte man nicht vergessen. Wir versuchen so kostengünstig wie möglich zu arbeiten, da wir letztendlich mit dem Geld der Verbraucher arbeiten. Dies wollen wir so gering wie möglich halten. Auch versuchen wir die Kosten durch Rohrbrüche drastisch zu reduzieren, indem wir mit unserem Bauhof seit 2021 die Erdarbeiten und Ähnliches übernehmen. Es handelt sich bei diesem Projekt um eine Großbaustelle, die uns die nächsten Jahre beschäftigen wird.

Natürlich müssen wir hier am Ball bleiben um in die nächste Förderung reinzukommen und weiter investieren. Wir haben ein sehr langes Leitungsnetz, - etwa 80 Kilometer. Hier ist noch erheblicher Nachhol- beziehungsweise Sanierungsbedarf.

Auch der Tourismus war im Wahlkampf ein Thema: Mountainbike-Trails, kostenlose Wohnmobil-Stellplätze - war die Gemeinde in Corona-Zeiten überhaupt handlungsfähig?

In Richtung Tourismus haben wir auch schon einige Weichen gestellt. Der Markt Presseck wird als erste Gemeinde im Landkreis einen Trekkingplatz bekommen. Hier wurde schon der Platz mit den Bayerischen Staatsforsten festgelegt und wir sind in der Vertragsphase. Dieser Platz ergänzt die bereits vorhandenen im Bereich des Frankenwaldes. Er bereichert die Gemeinde und führt viele Naturliebhaber in unseren schönen Frankenwald und in unsere Gemeinde. Der Markt hat sich digital neu aufgestellt, wir haben eine neue, sehr ansprechende Internetseite. Außerdem haben wir einen zeitgemäßen Slogan für unsere Gemeinde geschaffen, der sich durch alle Bereiche ziehen soll: "Herrliche Aussichten". Diesen findet man auf unserer Internetseite schon wieder, als nächstes wird er auf neuen Ortseingangstafeln zu sehen sein. Er soll prägend in der Erinnerung unserer Besucher bleiben, die dann hoffentlich gerne wieder kommen.

Insgesamt soll die Attraktivität der Gemeinde gesteigert werden. Hierzu ist ein interkommunales Projekt kurz vor dem Abschluss. Mit den Nachbargemeinden Marktrodach und Wallenfels wird ein Projekt gestartet, das für die Bürger, ob groß oder klein, und auch für Touristen sehr ansprechend sein wird. Es wird durch Leader-Mittel gefördert, also EU-Mittel. Ein Highlight wird der neue Knock-Turm sein, ein Wahrzeichen des Oberlandes. Dieser soll 40 Meter hoch werden und einen atemberaubenden Blick über den Frankenwald bieten. Hier haben wir die erste Bauvoranfrage gestellt. Danach ist allerdings noch viel Planungsarbeit nötig. Dieses Projekt ist für unsere Gemeinde eine große Herausforderung, aber auch eine Chance. Wenn wir wollen, dass in 20 Jahren im ländlichen Kulmbacher Oberland nicht die Lichter ausgehen, brauchen wir jetzt Mut, Entschlossenheit und innovative Ideen!

Der Tourismus spielt in Presseck eine wichtige Rolle. Wie groß ist der Schaden durch den von Corona verursachten Stillstand? Was kann die Gemeinde tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Corona-Pandemie ist besonders für unsere Gasthäuser, Wirte und Vermieter von Ferienzimmern und -wohnungen sehr bedauerlich. Besonders der Gastronomiebereich ist schwer getroffen, was mir im Herzen schmerzt. Aber man hat ja zurzeit eine gewisse Hoffnung. Gerade in unserer Gegend, wo sehr viele Wanderer unterwegs sind, ist es umso bedauerlicher, dass man nicht einmal einkehren kann um die gute Küche und das erfrischende Bier unserer Heimat zu genießen. Ich versuche alles, was in meinem Aufgabenbereich liegt, für die Branche zu unternehmen.

Sie waren ja im letzten Jahr bei Ihrem Amtsantritt kein Neuling im politischen Geschäft - aber doch neu als Gemeinde-Oberhaupt. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit im Gemeinderat?

Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Es gab zwar einige Wechsel im Gremium, aber die kollegiale, konstruktive und offene Zusammenarbeit ist auch im neuen Gremium gegeben. Man diskutiert öfters, vertritt verschiedene Meinungen, was auch sein muss, aber man sieht immer die Gemeinde und ihre Bürger als Ziel und versucht, alles einvernehmlich im gemeinsamen Handeln zu regeln. Hierfür bin ich sehr dankbar. Ich bin auch sehr dankbar, mit Ludwig Ruml einen loyalen, zuverlässigen stellvertretenden Bürgermeister zu haben.

Die Fragen stellte Katrin Geyer