Auch wenn es in letzter Zeit ruhig war - die Ansiedlung des Online-Riesen Amazon im Pommersfeldener Gewerbegebiet Limbach bewegt noch immer die Gemüter. Obwohl als demokratischstes aller Mittel im April ein Bürgerentscheid stattgefunden hatte, scheint die bevorstehende Ansiedlung Gräben aufgerissen zu haben.

In der Sitzung am Donnerstag lag der Bauantrag für den Neubau des Logistikzentrums vor, der zahlreiche Zuhörer in die Schulturnhalle lockte. Mit den Gegenstimmen von Roland Seubert und Alexander Stirnweiß, den Räten aus dem Ortsteil Limbach, wurde zu dem Baugesuch das Einvernehmen erteilt. Der Bauantrag, der eine Reihe von Ordnern füllt, entspricht nach Angabe der Verwaltung in allem den Festsetzungen des Bebauungsplans sowie den Vorgaben hinsichtlich der Grünordnung.

Gegen Ende der Sitzung wurde deutlich, dass die Wunden noch lange nicht verheilt sind. Es gab Zwischenrufe aus dem Zuhörerraum und Beifallsbekundungen zu den Ausführungen von Roland Seubert, einem der Limbacher Initiatoren des Bürgerbegehrens. Schließlich sah sich Bürgermeister Gerd Dallner veranlasst, eine Ermahnung an die Zuhörer auszusprechen.

Neutralität gefordert

Dabei hatte Dallner mehrmals darum gebeten, in der Sitzung "keine politische Diskussion über das Für und Wider des Projekts" zu entfachen. Wohl wissend um die Brisanz des Vorhabens, hatte er Amazon-Regionaldirektor Karsten Frost sowie Christian Tretiak, Projektleiter des Investors und Bauträgers P3 Logistic Parks, zur Sitzung eingeladen. Da die im Frühjahr anberaumte Infoveranstaltung corona-bedingt ausgefallen war, sollten sie das Projekt der Öffentlichkeit vorstellen. Eine hervorragende Idee von Bürgermeister Dallner: Wurde damit doch deutlich, dass auch hinter dem Giganten Amazon "echte" Menschen stehen. Auch dem Bauherrn und Amazon sei es wichtig, sich in der Gemeinde zu zeigen.

Er lege großen Wert auf Transparenz, betonte Dallner. "Wir wollen, dass jeder informiert ist." Obwohl es eigentlich "um einen nüchternen baurechtlichen Beschluss" gehe, wolle er diesen nicht einfach durchwinken. In der Diskussion der vergangenen Monate sei "dem einen oder anderen schon mal der Ton verrutscht oder der Kamm geschwollen", weil er mit dem Projekt nicht einverstanden war.

Eine Klarstellung für einiges, "was kolportiert wurde", hielt Dallner dennoch für nötig. Mit einer detaillierten Auflistung des zeitlichen Ablaufs widerlegte er Gerüchte, die in der Gemeinde die Runde machten: dass alles beschlossene Sache, die Pläne seit langem fertig und das Grundstück längst verkauft sei. Tatsächlich sei der Kaufvertrag für das Gewerbegrundstück zwei Tage vor der Sitzung unterzeichnet worden. "Wir kommen, um zu bleiben", betonte Christian Tretiak, Projektleiter des Bauträgers P3 Logistic Parks, eines "europäischen Unternehmens", das in Luxemburg firmiert. Der Mietvertrag mit dem Betreiber Amazon laufe auf zehn Jahre mit der Möglichkeit der Verlängerung, so Tretiak. Das Bauprojekt werde klimaneutral und nach neuesten Standards nachhaltig ausgeführt.

Die Wünsche der Gemeinde, insbesondere die Begrünung und der optische Schutz zum Ortsteil Limbach - seien in die Planung eingeflossen. Der Bauantrag sieht eine Halle samt Verwaltungstrakt auf einer Grundfläche von 5700 Quadratmetern vor. Ferner sind ein dreigeschossiges Parkhaus mit begrünter Fassade für Kleintransporter und eine große Zahl an Pkw- und Transporterstellplätzen geplant.

Arbeitsplätze und Gewerbesteuer

Amazon-Regionaldirektor Karsten Frost stellte detailliert die Arbeitsabläufe im Verteilzentrum vor. Nach seinen Worten werden in Limbach rund 100 Arbeitsplätze neu geschaffen. Gearbeitet werde an sechs Tagen in der Woche. Mitarbeiter in der Logistik, denen ein Stundenlohn von mindestens 11,91 Euro bezahlt werde, müssten keine spezielle Ausbildung mitbringen. Hinzu kämen 25 Positionen im Personalwesen und IT-Bereich mit entsprechender Ausbildung. Wie Frost versicherte, werde eine GmbH gegründet, so dass die Gewerbesteuer am Ort bleibe.

Die Pakete würden nachts angeliefert und über die Autobahn A 3 und die B 505 in die Region verteilt. Mit der Ansiedlung sieht Frost einen Mehrwert für die Gemeinde einhergehend. Das Unternehmen sei bereit, Organisationen und Vereine der Region zu unterstützen: "Wir wollen nicht kurz Geld machen, sondern lange hier bleiben."

Im September 2021 soll das Verteilzentrum in Betrieb gehen. Bürgermeister Dallner ist sich bewusst, dass das Projekt nicht von allen Pommersfeldenern begrüßt wird. Dankbar zeigte er sich für die "Denkanstöße", die im Rahmen des Bürgerbegehrens eingebracht wurden. Roland Seubert kritisierte dennoch "ein Ungleichgewicht und zweierlei Maß" im Umgang mit den Firmenmanagern und der Bürgerinitiative. Während die beiden Manager in der Sitzung zu Wort kommen konnten, sei der Bürgerinitiative (offensichtlich bei der Abwägung der Stellungnahmen) verwehrt worden, ihre Standpunkte vorzubringen.