Die Scheidung von seiner Ehefrau hat ein 38-jähriger Mann aus dem Landkreis wohl nur schwer verkraftet. Im Jahr 2013 zog der Selbstständige aus dem gemeinsamen Wohnhaus aus. Seitdem ging es bergab. Geschäftsunterlagen gingen verloren, so dass das Finanzamt den Gewinn, den sein Unternehmen abwarf, schätzte und von dem Unternehmer 27 000 Euro an Einkommenssteuer verlangte. Sein Schuldenberg wuchs auf bis zu 140 000 Euro.
Eine Rechnung seines Steuerberaters über 3691 Euro zahlte er nicht. Da er auf Mahnschreiben nicht reagierte und der Gerichtsvollzieher den säumigen Schuldner nicht ausfindig machen konnte, zeigte das Steuerbüro den mittlerweile Ex-Mandanten wegen Betrugs an. In der Folge erhielt der Selbstständige einen Strafbefehl über 80 Tagessätze zu 35 Euro (2800 Euro), gegen den er Widerspruch einlegte, so dass er sich am Freitag in einem Strafprozess vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten musste.
Dort sagte sein Verteidiger Alexander Wessel, dass der Angeklagte seit dem Jahr 2003 Kunde des geschädigten Steuerbüros sei und die Rechnungen immer bezahlt habe. Der Angeklagte selbst gab an, dass die Post an seine Firmenadresse geliefert werde und er sie einmal wöchentlich abhole. Auch telefonisch sei er immer erreichbar gewesen. Außerdem kenne er den Gerichtsvollzieher, der nur ein paar Häuser weiter wohne. Das Finanzamt habe ihm das Bankkonto gesperrt. Er sei mittellos gewesen und von seinen Eltern finanziert worden. Mittlerweile habe er dem geschädigten Steuerbüro 500 Euro überwiesen. Bis zu 15 Gläubiger hätten zeitweise auf ihr Geld gewartet.
Ein Mitarbeiter des Steuerbüros sagte im Zeugenstand aus, dass der Angeklagte seit Jahren finanziell klamm sei. Schon die Eltern habe man jahrzehntelang betreut. Der Angeklagte habe teilweise erst nach einem halben Jahr die Rechnungen bezahlt. Da er nun nicht mehr gezahlt habe, habe man die Geschäftsbeziehung beendet.
Verteidiger Wessel verwies darauf, dass sein Mandant seinerseits Forderungen gegenüber Kunden habe, die mit der Zahlung in Rückstand sind. "Er zahlt, wenn er kann", versicherte der Anwalt und bat um eine Einstellung des Verfahrens, dem sowohl der Staatsanwalt als auch die Richterin Ilona Conver zustimmten.
Als Auflage muss der 38-Jährige die offene Rechnung des Steuerbüros begleichen und 500 Euro an die Staatskasse berappen. Erfreulicherweise geht es mit dem Unternehmer wieder bergauf, wie zu erfahren war. Den Schuldenberg habe er von 140 000 Euro auf 50 000 Euro reduziert und die Auftragslage für dieses Jahr sei gut, sagte er auf der Anklagebank.