Umzug in die Schreinerei

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Michael und Udo arbeiten konzentriert an ihren Filzmäusen und Holzengeln. Foto: Maria Löffler
Michael und Udo arbeiten konzentriert an ihren Filzmäusen und Holzengeln.  Foto: Maria Löffler

Der Wintergarten der Suchthilfeeinrichtung Haus Fischbachtal ist für den Adventsbasar zu klein geworden. Am Samstag hofft man wieder auf viele Besucher und Käufer.

Während sich die riesigen Trommeln drehen, klappern in der Waschküche die Stricknadeln. Jede freie Minute wird in der Suchthilfeeinrichtung Haus Fischbachtal in Tauschendorf genutzt, um pfiffige Artikel für den Adventsbasar am kommenden Samstag zu fertigen. Die werden dann auf einer Fläche von etwa 50 Quadratmetern ausgestellt und verkauft. Erstmals in diesem Jahr findet die Ausstellung nicht mehr im Wintergarten, sondern in der Schreinerei statt.

"Der Wintergarten ist aus allen Nähten geplatzt", meint dazu Gertrud "Rudy" Burger, die Leiterin der Kreativwerkstatt. Sie freut sich über den Erfolg, der jedes Jahr noch ein bisschen größer wird. Woran das genau liegt, kann Burger nur vermuten: "Wir bieten hohe Qualität, haben moderate Preise und schlichte, aber trendige Artikel - und die präsentieren wir auch angemessen."

1000 Produkte im Angebot

Die Zeiten, in denen manch einer zum Kaffeetrinken und Kuchenessen vorbeigekommen sei, dann aus "Mitleid ein paar Sachen gekauft habe", seien vorbei, atmet Burger auf. Mittlerweile könne sich das Haus Fischbachtal über mangelnde Aufträge und Verkaufszahlen nicht beklagen. "Nach dem Basar ist vor dem Basar, wir haben das ganze Jahr über gut zu tun."

Etwa 1000 Produkte werden am Samstag angeboten, davon allein etwa 300 Weihnachtsbäume aus den unterschiedlichsten Materialien. Sie werden neben Engeln, Schneemännern, Rentieren, Sternen, Schafen und vielen anderen Dekoartikeln stehen.

Zu verdanken ist der Adventsmarkt vor allem den Bewohnern, die jedes Jahr sägen, malen, filzen, falten, stricken, sticken und zusammenkleben. Der 51-jährige Udo aus Arzberg ist bereits seit zehn Jahren in der Suchthilfeeinrichtung und eigentlich gelernter Porzellanmaler. Jetzt filzt er im Winter Mäuse, Lamas, Hasen oder Schafe - und im Sommer steht er im Garten. "Ich habe hier meinen Lebensmittelpunkt gefunden und möchte gerne in der Umgebung von Kronach bleiben. Wenn ich so weit bin, hier auszuziehen, dann werde ich mir eine kleine Wohnung suchen."

Der lange Weg zurück

Das sind die Zukunftspläne von einem Mann, den der Alkohol um einen Großteil seines Lebens gebracht hat. Heute erzählt er vor allem jungen Menschen von seiner Suchterfahrung und den desaströsen Folgen.

Der 50-jährige Michael kommt aus dem thüringischen Altenburg und war in seinem ersten Leben Maschinist und Bäcker. Er bemalt gerade Holzengel und verpasst ihnen silber- oder goldfarbene Schimmer. Seit fünf Jahren ist er im Haus Fischbachtal und meint: "Ich bleibe hier so lange, wie es nur geht."

"Und mit dieser Absicht steht er nicht alleine da", wie Rudy Burger versichert. Manchmal brauche jemand wirklich sehr lange, bis er sicher sein könne, draußen nicht mehr rückfällig zu werden. Und bis dahin arbeiten die Bewohner weiterhin an ihrem beeindruckenden Sortiment. Burger sorgt aber immer dafür, dass die Bewohner mit den Aufträgen nicht zu sehr unter Druck gesetzt werden. "Das ist kontraproduktiv, denn Druck erzeugt ja den Wunsch nach einem Ventil. Für viele war das der Alkohol." Vielmehr versucht man hier, den Menschen wieder Selbstvertrauen und vor allem Vertrauen in ihre Umwelt zu geben, damit sie irgendwann wieder auf eigenen Füßen stehen können.