Der stolze Hahn nebenan schaut schon etwas nervös, im Bauernhof nahe am Marktplatz. 80 Musiker aus dem gesamten oberen Werntal sind angetreten, zur Generalprobe: Gegen so eine Klangkulisse ist schwer anzukrähen.


Zum ersten Mal

Am 17. September will die Interkommunale Allianz mitmarschieren, beim großen Festumzug des Münchner Oktoberfests, mit etwa 115 Musikern und 85 Trachtlern, vorbei an Oberbürgermeister und Ministerpräsident, Richtung Theresienwiese. Zum ersten Mal wird dann ein gemeindeübergreifendes, buntes Auswahlorchester aus dem Landkreis vor unzähligen Besuchern defilieren.
Die Idee dazu hatte natürlich Geldersheims Bürgermeister Oliver Brust. Der Vorsitzende des Trachtengaus Unterfranken war schon mehrfach mit heimischen Abordnungen auf der Wiesn unterwegs.
Mit dabei sind Vereine und Musiker aus Pfändhausen, Oerlenbach, Vasbühl, Geldersheim, Schnackenwerth, Egenhausen, Werneck, Rottershausen, Niederwerrn, Hergolshausen, Zeuzleben, Pfersdorf, Waigolshausen und Eßleben. Die Idee, im oberen Werntal auch mal was "Kulturelles" auf die Beine zu stellen, kommt offenbar gut an: Katja Lutz, Vorsitzende des Musikvereins Hergolshausen, hat vor, noch einen eigenen Fanbus Richtung München zu schicken. "Der ist schon fast ausgebucht", sagt Pfister.
Das erste Treffen und eine Abstimmprobe gab es schon, die WhatsApp-Gruppe ist verlinkt. Nun wird live auf dem Marktplatz sortiert: Als erstes soll der erfahrene Trompeter Thomas Will Aufstellung nehmen. Der Dirigent der Niederwerrner Musikanten war 1998 immerhin schon beim Großen Zapfenstreich für Helmut Kohl dabei. Außerdem mehrfach für die Bundesrepublik im (marsch-)musikalischen Auslandseinsatz, vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Baikalsee. Noch ohne Dreispitz und Trachtenjanker setzt sich der Zug in Bewegung. Auf Trommelwirbel und Gleichschritt folgt die Locke: Keine Überprüfung der Frisuren, sondern der lockende Übergang zum klingenden Spiel aller 80 Musiker, über acht Takte hinweg. Zu den erhebenden Rhythmen des Frankenlieds geht es das Unterdorf hinab, Wilfried Brust begleitet mit Lautsprecher-Trolley, als Vorsitzender des Trachtenvereins und Vater des Bürgermeisters.
Das erste Trooping the Colours in Geldersheim schaut schon ganz ordentlich aus. Die Feuerwehr sperrt ab. Die Reihen ziehen geordnet am Untertor vorbei, schwenken um 180 Grad ein und kehren durch den Torbogen zurück. Bevor jäh eine dunkle Gewitterfront aufzieht und das Oktoberfest-Exerzieren mit Regengüssen unterbricht. Die Teilnehmer eilen in eine überdachte Hofeinfahrt.


Ehrensache

Der Umzug wird am Ende aber doch abgekürzt, vor dem gemütlichen Teil bei den Floriansjüngern, wo die Trachten besprochen werden. Pfister macht seinen Schützlingen klar, dass es beim Umzug zur Wiesn keinen Unterschlupf geben wird: Dann geht's um die Ehre Frankens, egal ob's regnet oder stürmt.