Theres verfolgt Viehhof-Projekt
Autor: Martin Schweiger
Obertheres, Dienstag, 18. Februar 2020
Der Gemeinderat informierte sich über das Konzept "Ambulant betreute Wohngemeinschaft für Senioren" der Caritas.
Martin Schweiger Die künftige Nutzung des rund 6000 Quadratmeter großen Areals des Viehhofs in Obertheres war am Montagabend eines der Hauptthemen in der Gemeinderatssitzung im Feuerwehrhaus. Der Gemeinderat Theres will das Projekt weiter verfolgen.
Anke Schäflein, die Kreis-Geschäftsführerin der Caritas, stellte das Konzept "Ambulant betreute Wohngemeinschaft für Senioren" (abWG) vor, das bereits seit 2011 in der Wohngemeinschaft Sankt Martha in Knetzgau umgesetzt wird und auch auf dem Viehhof-Gelände realisiert werden könnte. Bei der abWG handelt es sich um die neueste Generation des Altenhilfebaus. Es besteht aus kleinen Einheiten mit maximal zwölf Plätzen je abWG. Dabei dürfen maximal zwei WGs an einem Standort sein. Die WGs sind wohnortnah, so dass die gewohnte Wohnumgebung und soziale Kontakte erhalten bleiben.
Ein Fokus liegt auf der Alltagsnähe: Es gibt keine zentralen Versorgungseinheiten, sondern es wird in der WG gekocht, die Wäsche gewaschen und Gartenarbeit erledigt. Die Bewohner sind Mieter ohne den Status eines Heimbewohners. Neben einem Mietvertrag werden ein Betreuungsvertrag und ein Pflegevertrag abgeschlossen - unabhängig voneinander. Der Pflegeanbieter muss laut bayerischem Pflege- und Wohnqualitätsgesetz frei wählbar sein. Allerdings kann und sollte die Entscheidung für einen gemeinsamen Pflegeanbieter mehrheitlich gefällt werden. Der Anbieter von Pflege und Betreuung kann gekündigt und gewechselt werden.
Angehörige wirken mit
Das zentrale Element einer abWG ist das Angehörigengremium, das über alle Vorgänge in der Wohngemeinschaft entscheidet. Der Pflegeanbieter und der Vermieter haben nur beratende Funktion und können nicht entscheiden.
Als gutes Beispiel führte Anke Schäflein die Wohngemeinschaft Sankt Martha in Knetzgau an, in der jeder Nutzer ein eigenes Zimmer mit Bad hat. Für Ehepaare kann auch ein gemeinschaftliches Zimmer eingerichtet werden. Die Einrichtung in Knetzgau mit zwölf Plätzen kostete rund eine Million Euro. Gemeinsam genutzt werden Küche, Ess- und Wohnzimmer, Pflegebad, Hauswirtschafts-, Versorgungs- und Lagerräume. Der Niedrigenergiebau ist nachhaltig mit Blockheizkraftwerk, Photovoltaikanlage und Lüftungsanlage ausgestattet. Die Mietpreise bewegen sich durch den Eigenmitteleinsatz der Caritas und das Einbringen von Grundstück und Erschließung durch die Gemeinde im Bereich der laut Sozialamt "genehmigungsfähigen" Miete.
Die Vorteile einer abWG sind laut Anke Schäflein neben einer maximalen Versorgungssicherheit und der ständigen externen Kontrolle durch Landratsamt und Medizinischen Dienst die leichtere Orientierung durch die kleine Gruppe von maximal zwölf Personen und die Alltagsnähe. Ein weiterer Pluspunkt ist die maximale Selbstbestimmung vom Einkauf des Mineralwassers über die Möblierung bis zur Pflege. Angehörige können sich einbringen - jedoch nicht 24 Stunden am Tag. Die gewohnte Wohnumgebung bleibt erhalten und somit eine Einbindung in die Heimatgemeinde möglich.