"Planungssicherheit" für die Therme sei das Ziel, hatte der Bad Rodacher Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) im Coburger Stadtrat vorgetragen. Die Stadt Bad Rodach wolle die Gewissheit haben, dass auch in den Jahren 2021 bis einschließlich 2023 jährlich 150 000 Euro Thermenzuschuss überwiesen werden. Zu einem solchen Zuschuss hatte sich die Stadt Coburg 2015 verpflichtet, zahlbar sechs Jahre lang, mit einem Kündigungsrecht sechs Monate vor Vertragsende 2020. Sonst verlängert sich der Vertrag automatisch um drei Jahre.

Letztmöglicher Kündigungstermin wäre also der 30. Juni 2020. Aber dann ist schon ein neuer Stadtrat im Amt. Sollen die jetzt noch amtierenden Ratsmitglieder ihren Nachfolgern die Möglichkeit nehmen, zu entscheiden, wie es mit der Unterstützung für die Therme Natur weitergeht? Das war die Frage, die der Stadtrat am Donnerstag fast eine Stunde lang mit höchster Leidenschaft diskutierte. Das Geld war Nebensache.

Es gab auch niemanden, der die sofortige Kündigung des Vertrags forderte. Das stand allerdings auch nicht zur Debatte. Der Stadtrat entscheidet jeweils nur, ob er der Beschlussempfehlung des zuständigen Senats folgt. Im Verwaltungssenat war eine Verlängerung des laufenden Vertrages um weitere sechs Jahre abgelehnt worden. Also würde weiterhin gelten, dass der Vertrag sich automatisch um drei Jahre verlängert, wenn er nicht gekündigt wird. Das wollte der Verwaltungssenat aber auch nicht, und er lehnte den Beschlusstext "Die Stadt Coburg kündigt den Vertrag nicht" ab.

Damit wurde es im Stadtrat richtig kompliziert. Bis es überhaupt zum Verlesen des Beschlussvorschlags kam, hatte der Stadtrat bei Stimmengleichheit schon abgelehnt, das Thema zu vertagen. Der Kompromissvorschlag von Tobias Ehrlicher, den Vertrag nur um ein Jahr zu verlängern, um dem neuen Stadtrat Zeit zu geben, sich mit der Materie zu befassen, scheiterte ebenfalls bei Stimmengleichheit.

Dann war es der Beschlusstext als solcher, der Kopfzerbrechen bereitete. Nicht nur, weil diejenigen, die für eine Vertragsverlängerung waren, mit "Nein" hätten stimmen müssen, weil ja der Beschluss des Verwaltungssenats abgelehnt werden musste. Sondern auch, weil unklar war, was "Die Stadt kündigt den Vertrag nicht" bedeuten soll: Kündigt sie den Vertrag nur jetzt nicht? Oder kann sie ihn dann niemals mehr kündigen?

Erneut stand der Vorschlag im Raum, die Abstimmung zu vertagen, als Tobias Ehrlicher das Wort ergriff und namens der Stadt Bad Rodach den Antrag auf Vertragsverlängerung zurückzog. "Wir würden uns aber freuen, wenn wir bis 30. Juni nichts von der Stadt bezüglich dieses Themas hören", sagte er unter kräftigem Beifall. Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) konnte nur noch seufzen: "Eine Sternstunde war das jetzt nicht."