Janine und Joshua freuen sich auf ihre Taufe. Sie finden es besonders schön, Christ zu sein. "Weil ich dann ein Teil von Gott bin", sagt der neunjährige Joshua, als er sein Taufkleid, ein Gewand ähnlich dem der Messdiener, anprobiert.
Bevor sich am Sonntag nach Lichtmess die Kommunionkinder im Gottesdienst vorstellen, werden die beiden Grundschüler getauft, um sich dann mit den anderen Kommunikanten in eine Reihe stellen zu können.
Dass die beiden nicht als Babys getauft wurden, hat einen bestimmten Grund. "Die Kinder sollten selbst entscheiden", sagt Joshuas Mutter Katrin und erhält nickend Zustimmung von Mandy, Janines Mutter.


Nicht gerne gesehen

Die beiden Frauen sind konfessionslos. Sie sind in der DDR aufgewachsen. Getauft wurden dort die wenigsten, folglich gehörten die meisten offiziell keiner Kirche an. "Verboten war es nicht. Es wurde aber nicht gerne gesehen", erklärt Katrin.
Als bekennender Christ sei man von den Schulaktivitäten ausgeschlossen gewesen. Statt Kommunion, Firmung oder Konfirmation habe man Jugendweihe gefeiert.
Im katholischen Kindergarten kam Joshua wieder mit dem katholischen Glauben in Berührung. Für die beiden Kinder war es dann selbstverständlich, in der Grundschule einen Antrag auf Teilnahme am katholischen Religionsunterricht zu stellen.
In der zweiten Klasse aber begannen die Mitschüler schon eifrig über die anstehende Erstkommunion zu reden. Doch um den Glauben zu bekräftigen und das Taufversprechen zu erneuern, mussten sie erst getauft sein. Erst bei der Taufvorbereitung durch Pfarrer Andreas Hornung lernten sich Janine und Joshua kennen. Parallel dazu besuchten sie den Kommunionunterricht bei Karina Weiß, der Gemeindereferentin.
Bei ihrer Generalprobe zur Taufe erzählen sie das. Getauft wird vor der Weihnachtskrippe, die noch bis zum heutigen Lichtmesstag aufgestellt ist, dem "Aufleuchten von Weihnachten", wie Pfarrer Hornung es nennt. Denn Jesus sei 40 Tage nach seiner Geburt von Josef und Maria in den Tempel getragen worden. Jüdische Frauen galten nach der Geburt eines Sohnes als unrein und mussten ein Reinigungsopfer bringen. Maria brachte Turteltauben.


Geschenk an die Welt

"Im Tempelgang wird Jesus der Welt geschenkt", erklärt Pfarrer Hornung. Und darin besteht auch der Brückenschlag zur Taufe und zur Kommunion. "Wer die Kommunion empfängt, wird Jesus in die Hände gelegt", beschreibt der Geistliche. Mit der Taufe schlössen alle Christen den Bund mit Gott. "Das Licht ist ein Segenssymbol, das an Jesus erinnert, von dem Heil kommt", sagt Hornung. Beim Blasisussegen würden zwei gekreuzte Kerzen vor das Gesicht gehalten.
Die Kerzen, die im Laufe des Jahres in der Kirche verwendet werden, aber auch die Kommunionkerzen und Janines und Joshuas Taufkerzen, werden an Mariä Lichtmess gesegnet.