Druckartikel: Stumm und staunend zum Berg

Stumm und staunend zum Berg


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Bad Staffelstein, Freitag, 19. August 2016

100 Teilnehmer genossen die einzigartige Atmosphäre bei der Mondscheinwanderung auf den Staffelberg.
Dieses Foto auf dem Staffelberg, aufgenommen kurz vor dem Entzünden der Kerzen für die kurze Andacht, verdeutlicht die Beliebtheit der Mondscheinwanderung. Foto: Mario Deller


Dass darauf kein Mann lebt, der allabendlich das Licht anknipst, weiß jedes Kind. Und doch hat der kleine Bruder der Sonne bis heute etwas Mysteriöses, Geheimnisvolles, ja geradezu Majestätisches an sich - gerade, wenn er alle vier Wochen in voller Schönheit zu bewundern ist. Ganz intensiv erlebten diesen Zauber rund 100 Teilnehmer bei der Mondscheinwanderung auf den Staffelberg.
"Schön, dass Sie so zahlreich gekommen sind", wurden diese am Parkplatz bei Romansthal herzlich von Pfarrerin Regina Geyer-Eck begrüßt, die als Urlaubsvertretung für das Pfarrersehepaar Bautz zusammen mit Martin Fritz die Veranstaltung leitete. Zum vierten und letzten Mal in diesem Jahr lud die Kur- und Urlauberseelsorge Bad Staffelstein im Rahmen ihres ökumenischen Jahresprogramms "Die Seele fliegen lassen" hierzu ein. 1#googleAds#100x100


"... so traulich und so hold"

Warme Temperaturen, ein zumindest teilweise wolkenfreier Himmel und die Aussicht auf wunderschöne Eindrücke und ein Gemeinschaftserlebnis - da verwundert es nicht, dass der Mondscheinwanderung eine so prächtige Resonanz beschienen war. "Wie ist die Welt so stille, und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold", besangen die Teilnehmer, darunter auch Urlauber und einige Kinder zum Auftakt mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" den Erdtrabanten.
Dann machte man sich auf den Weg hinauf zum Staffelberg. Eine Weggabelung bot sich als Zwischenstation an, weil von hier aus der Mond besonders schön zu sehen war. Die Kinder waren verzückt, junge Pärchen hielten sich an den Händen und die Älteren erinnerten sich vielleicht, wie sie anno 1969 vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher saßen und die Übertragung der historischen Mondlandung verfolgten. "Befreien Sie sich einmal von Alltagsgedanken und spüren sie einfach das Hier und Jetzt", lud Pfarrerin Geyer-Eck die Wanderer ein. Und in der Tat hatte man das Gefühl, die Sorgen und Nöte, die so manchen während des lichten Tages gefangennehmen, waren an diesem Abend ein wenig vergessen. In Worte kaum zu fassen ist das jeden in der Gruppe umarmende Herzensgefühl, als man schließlich oben auf dem Staffelberg-Plateau angekommen gemeinsam die Kerzen anzündete.
Nach einer Andacht nahe der Adelgundiskapelle zogen die Wanderer hinauf zum Gipfelkreuz - ein wunderschöner Anblick, dieses wandelnde Lichtermeer aus Kerzen. Hier reichten sich alle die Hände, verbunden mit dem gerade in diesen Tagen so innigen Wunsch nach Frieden in der Welt. "Wer Sorgen hat, möge neuen Mut gewinnen", fand Pfarrerin Geyer-Eck tröstliche Worte für all jene, die derzeit nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
Und natürlich genossen die Mondschein-Wanderer den zu dieser spätabendlichen Stunde einzigartigen Blick auf Bad Staffelstein und das Obermaintal - alles das war schon den Aufstieg wert gewesen, so der einhellige Tenor in der Gruppe. Was auch immer den Einzelnen tagsüber quälte oder ihm Bauchschmerzen bereitete, in diesen Minuten schien all das Negative, Belastende wirklich so weit weg wie die Erde vom Mond. Diese Atmosphäre "wärmte" die Wanderer auch noch auf dem Rückweg bergab.


Autoradio blieb aus

So mancher dürfte das Autoradio bei der Fahrt nach Hause ausgelassen haben, um dieses Gefühl "nachzuspüren". An diesem vom evangelischen Posaunenchor Bad Staffelstein-Herreth musikalisch umrahmten Abend spürten die Teilnehmer ganz intensiv, was Mahatma Gandhi meinte, als er einmal sagte: "Wenn ich die Schönheit des Mondes bewundere, weitet sich meine Seele in der Ehrfurcht vor dem Schöpfer."