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"Steppensommer" des Jahres 1947 erinnert an Trockenperiode 2018/19


Autor: Redaktion

Zultenberg, Sonntag, 20. Oktober 2019

Franken, unser Wald, leidet noch unter der Trockenperiode. So dürften der jetzigen Generation diese anhaltenden Dürrejahre 2018/19 bis in ihr späteres Leben hinein in Erinnerung bleiben. Besonders har...
Die Trockenheit auf dem Jura war in den Jahren 2018/19 besonders stark ausgeprägt. Foto: Otto Arnold


Franken, unser Wald, leidet noch unter der Trockenperiode. So dürften der jetzigen Generation diese anhaltenden Dürrejahre 2018/19 bis in ihr späteres Leben hinein in Erinnerung bleiben.

Besonders hart betroffen war der Landschaftsbereich zwischen Kasendorf und Weismain, der - mehr oder weniger bewachsen - der Sonne intensiv ausgesetzt war. Aus Gründen der natürlichen Gegebenheiten, des kargen Jura-Bodens und der fehlenden Gewässer, war der Regen seit der letzten Septemberwoche bei den Bürgern und der ausgetrockneten Natur mehr als willkommen.

Unter den Tücken des Klimas blicken heute deshalb auch viele der älteren Bürger aus den Juradörfern zurück auf die katastrophale Dürre ihrer Kindheit im Jahre 1947. In den Dörfern der Nachkriegszeit herrschten noch die Familienstrukturen kleinbäuerlicher Landwirtschaft in althergebrachtem Stil. Es gab noch keine Notversorgung für Tiere über Landesgrenzen hinweg.

Ernährung aus der Landwirtschaft

Man ernährte sich überwiegend aus der eigenen Landwirtschaft, hatte fast keine oder wenig maschinelle Hilfe, geschweige denn Dünger oder Mittel gegen landwirtschaftliche Schädlinge.

Es fehlte an Zugmaschinen, die für Wassertransporte zu Mensch und Tier hätten eingesetzt werden können. Denn nur spärlich floss das Wasser aus den alten, maroden Leitungen, falls für manche Orte im Jura überhaupt, welche bestanden hatten.

Man schrieb damals in Deutschland von einem Steppensommer, denn von Anfang bis Mitte September fiel kein einziger Tropfen Regen.

Das katastrophale Hitzejahr 1947 forderte einen großen Zoll, denn viele der Landwirte verloren durch die Trockenheit aus Futtermangel den Großteil ihres Rinderbestandes, weil er nicht mehr zu ernähren war und die Tiere geschlachtet werden mussten.

Meist kinderreich, fast in jedem Haus war eine Flüchtlingsfamilie untergebracht, waren die Landwirte auf eine reine Eigenversorgung eingestellt - und die Herstellung von Milch, Butter und Käse sowie das wöchentlichen Brotbacken gehörten damals zum Alltagsgeschehen eines jeden Land-Haushalts.

So war auch der heute durch die Trockenheit gefährdete, teils sterbende Wald im Jura damals mit der wichtigste Futterlieferant der kleinbäuerlichen Betriebe. Denn dort wuchs noch Bodengras im Schatten der Kiefernwälder, welches täglich abgehütet wurde und somit auch den restlichen Kuhbestand mit zum Überleben verhalf. Auch die Einstreu für den Stall, als Stroh-Ersatz für den Winter, entnahm man dem Waldboden. Darüber hinaus war auch das begehrte Blattgrün der Laubbäume bei den abgemagerten, teils kraftlosen Tieren mehr als begehrt. So waren die Hütejungen meist machtlos dabei, denn die Tiere brachen aus, wenn sie das Grünwerk entdeckten. Es war die Aufgabe für die Kinder des Dorfes ab dem sechsten, siebten Schuljahr nach der Schulzeit die Hüteaufsicht der Kühe zu übernehmen.

Durch die gleichzeitige damalige Kartoffelkäferplage wurde ihnen auch das Einsammeln der schädlichen Käfer und Larven angetragen, welche sich des Blattgrünes bemächtigten. Der Befall war teilweise so stark, dass man dazu auch Schulklassen mit heranzog.

Rekord 1947 bei 38,2 Grad

So bewältigten die Generationen die Hitzeperiode von damals. Der Hitzerekord in Deutschland lag 1947 bei 38,2 Grad. So macht die Steigerung 2019 auf 42,6 Grad sicher viele mehr als nachdenklich.