von unserem Mitarbeiter Gerd Schaar

Hammelburg — Mit einer szenischen Lesung aus den Tagebüchern des in den Jahren 1933 bis 1945 verfolgten Juden Victor Klemperer haben die Laienschauspieler von Spectaculum die Zuhörer im Pfarrzentrum für rund zwei Stunden in eine sehr nachdenkliche Stimmung versetzt. Die Laienspielgruppe führte den Zuschauern mit wechselnden Tagebuchzitaten vor Augen, wie es Klemperer während dessen Verfolgung im Nazi-Regime erging.
Klemperers Leben war im Laufe der Jahre von Angst, Not und Resignation geprägt. Nicht mit einem gewaltigen Keulenschlag, sondern mit der Politik der kleinen Nadelstiche fing laut Klemperers Tagebuch die antisemitische Hetze an.
Es traf einen Menschen, der sich zutiefst als deutsch empfand. Der Hochschulprofessor Klemperer war ein Jude mit Sonderstatus. Doch nützte es ihm weder, dass er eine arische Frau heiratete, noch dass er zum Protestantismus übertrat. Seine Verfolgung fing gleich zu Beginn der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 an und gipfelte in der Pogromnacht am 9. November 1938.

Schikanen und Verfolgung

Klemperer dokumentierte seine Situation in den Tagebüchern, die etwa 1500 Seiten umfassen. "Nach Ostern 1935 hatte ich keine Studenten mehr, ich durfte nicht mehr in die Universitätsbibliothek und mein Gehalt wurde nur noch bis zum Juli bezahlt", schrieb Klemperer. Sein Haus musste er verlassen. Weg waren eines Tages die ärztliche Approbation, das Telefon, der Führerschein und mit dem Auto auch noch das letzte Stück Bewegungsfreiheit. "Jedes Tier ist freier", kommentierte Klemperer. Längst war seine Schreibmaschine konfisziert, und Klemperer schrieb seine Tagebücher mit der Hand.
"Es geht allen schlecht. Den Juden aber geht es noch viel schlechter", stellte Klemperer in den 1940er Jahren fest. Die Akteure auf der Bühne hefteten sich gelbe Judensterne an die Brust und sangen das makabere Lied "Zehn kleine Meckerlein". Zum Einsatz kamen auch Passagen gewaltiger Wagnermusik, die wie Prügel wirkte. Zum Ausreisen aus Deutschland war es für Klemperer mittlerweile zu spät. Es ist ein Wunder, dass er überlebte.