Das eigentliche Sorgenkind sind die Henneberg-Kliniken in Hildburghausen: Dort wurde im Frühjahr schon die Geburtenstation geschlossen, weil sich kein leitender Arzt mehr dafür fand. Nun stehen nach Medienberichten in Thüringen weitere Abteilungsschließungen im Raum: Die Rede ist von der Gynäkologie, der Intensivstation, dem Krankenhaus und der Sterilisation.

Bestätigt sind diese Berichte noch nicht: Die Geschäftsführung des Klinikkonzerns Regiomed, zu dem die Henneberg-Kliniken gehören, will am heutigen Mittwochnachmittag dazu Stellung nehmen. Klar scheint aber zu sein, wie die Berichte in die Öffentlichkeit kamen: Vergangene Woche fand eine Informationsveranstaltung für die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags Hildburghausen statt. Am 9. Juni soll der Kreistag zu einer nichtöffentlichen Sondersitzung wegen der Situation der Henneberg-Kliniken zusammenkommen.

Die unklare Situation in Hildburghausen hat nun die Beigeordneten des Landkreises Sonneberg auf den Plan gerufen. In einem offenen Brief wenden sich Jürgen Köpper und Christian Tanzmeier (beide CDU) an den Hauptgeschäftsführer von Regiomed, Alexander Schmidtke: "Zunächst fordern wir von Ihnen, dass die Kliniken in Sonneberg und Neuhaus am Rennweg gestärkt werden müssen." Köpper und Tanzmeier betrachten die Änderungen, die für Hildburghausen im Gespräch sind, offenbar als gegeben und betonen, dass sie für die Sonneberger Häuser so etwas "nicht mittragen" würden. "Im Gegenteil, es ist notwendig, dass neue und zukunftsfeste Bereiche in unseren Kliniken etabliert werden. Eine Zentralisation zugunsten anderer Klinikstandorte ist nicht fair in einem gemeinsamen Verbund aus vier Gesellschaftern."

Hier schwingt offenbar die Angst mit, dass vor allem das Klinikum Coburg davon profitieren könnte, wenn in den kleineren Häusern des Regiomed-Verbundes Abteilungen oder Stationen geschlossen werden. Den werdenden Eltern in Hildburghausen bietet Regiomed zum Beispiel ein "Storchen-Taxi" nach Coburg an. Das Klinikum Coburg ist das größte des Regiomed-Verbunds. Gesellschafter von Regiomed sind die vier Landkreise Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen sowie die Stadt Coburg. Sie haben ihre Krankenhaus-Gesellschaften in den Konzern eingebracht. Bei der Gründung 2008 hatten noch die damaligen Geschäftsführer der ursprünglichen Krankenhausgesellschaften das Sagen. Inzwischen gibt es nur noch Klinikdirektoren, und die Geschäftsführung von Regiomed ist in Coburg angesiedelt. Sitz des Unternehmens ist jedoch seit der Gründung Sonneberg.

Zu Regiomed gehören auch etliche Seniorenheime, vor allem in Südthüringen. Köpper und Tanzmeier fordern nicht nur ein Zukunftskonzept für das relativ kleine Krankenhaus in Neuhaus, sondern auch die Fertigstellung des Seniorenzentrums "Am Kronacher Teich" in Oerlsdorf. "Wenn die Medinos Immobilien- GmbH nicht in der Lage ist, das das das Projekt vollendet wird, dann müssen andere Wege gesucht werden - und zwar schnell." "Medinos" ist die Sonneberger Tochter von Regiomed. sb