Wie schnell muss das schnelle Internet sein? Und wo muss es überall verfügbar sein? Übertragungsraten von 500 Megabit pro Sekunde bis in den Gigabit-Bereich - also 1000 (Mbit/s) - per Glasfaserkabel in jedes Haus (Fiber to the home/FTTH) sind derzeit der letzte Schrei. Auch im Landkreis Bamberg. So haben etwa die Gemeinden Pettstadt, Altendorf und Buttenheim sich schon vor drei Jahren gemeinsam ein solches Bürgernetz aufgebaut. Der Markt Heiligenstadt mit seinen 24 Gemeindeteilen ist gerade dabei, in Eigenregie Anschlussmöglichkeiten für jedes Haus zu schaffen.

Einen Überblick über die landkreisweite Abdeckung mit schnellem Internet (über 100 Mbit/s) hat der Fränkische Tag im September anhand von Daten aus dem Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) veröffentlicht. Mit einer Verfügbarkeit in 16 der Haushalte war Heiligenstadt das klare Schlusslicht.

Zufriedenheit in Walsdorf

Walsdorf landete auf dem vorletzten Platz, obwohl die Quote bei immerhin 51 Prozent lag. Aktuelle Ausbaupläne gebe es jedoch keine, verlautete aus der Gemeinde. Und Bürgermeister Mario Wolff (FL) betonte, die Versorgung sei völlig ausreichend. Laut Telekom könnten im Großteil der Gemeinde bis zu 250 Mbit/s gebucht werden, was aber nur von sehr wenigen genutzt werde.

Im Rathaus, wo Beschwerden und Wünsche in Sachen Breitbandversorgung zuerst aufschlagen müssten, bestätigt Geschäftsleiter Markus Schramm, dass offenbar der Bedarf gedeckt ist. Nur zwei Walsdorfer Bürger hätten in den vergangenen Monaten nach schnellerem Internet gefragt, einer davon auf den Artikel im Fränkischen Tag hin. Beide seien mit dem Hinweis auf die Möglichkeit der schnelleren Verbindung durch das sogenannte Super-Vectoring zufrieden gewesen. "Weitere Nachfragen gab es nicht", sagt Schramm. "Das ist für uns ein Zeichen, dass es ausreicht."

"Das heißt nicht, dass wir stehen bleiben, aber das Angebot muss passen", fügt der Walsdorfer Geschäftsleiter hinzu. Das heißt, dass die Gemeinde mit dem Erreichten aus der staatlichen Förderkulisse gefallen ist. Zwar gebe es ein Programm zur Förderung von Glasfaseranschlüssen von Rathäusern und Schulen, und weil in Walsdorf beides auf einem Grundstück liegt, habe man darüber nachgedacht. Doch für die zwei Anschlüsse wäre eine Eigenbeteiligung in sechsstelliger Höhe angefallen.

Stegaurach legt nach

Vergleichbare Voraussetzungen wie Walsdorf hat Stegaurach. Walsdorfs Nachbargemeinde kam aber im Breitbandatlas auf eine 100er-Verfügbarkeit von immerhin 88 Prozent. Der Stegauracher Gemeinderat hat vor einem Jahr trotzdem den Beschluss gefasst, flächendeckend auf Glasfaser umzurüsten. Derzeit sind in Stegaurach 30 bis 50 Mbit/s Standard. Mit Vectoring kann auch hier der "Turbo für die Kupferkabel eingeschaltet werden", sagt Geschäftsleiter Hans-Jürgen Uch. Möglich sind also bis zu fünf Mal höhere Übertragungsraten. Für den Hausgebrauch ausreichend. Der Bedarf für schnelle Anschlüsse halte sich in Grenzen. "Wir haben in Stegaurach kein Großgewerbe, das regelmäßig mit so großen Datenmengen arbeitet", meint Uch. "Von den 7000 Einwohnern zeigen etwa 20 bis 30 ein sehr starkes Interesse."

Dass die Nachfrage nach dem letzen Ausbauschritt nachgelassen hat, bestätigt auch Stegaurachs Bürgermeister Thilo Wagner (FW-FL). Er sieht den erreichten Stand aber nur als "Zwischenschritt". "Die Gemeinde hat aber den Anspruch, eine zukunftsfähige Internetanbindung zu schaffen." Deshalb sei man in das Förderprogramm zum FTTH-Ausbau eingestiegen. Stegaurach will das in Eigenregie machen, muss aber noch einen Betreiber finden. Uch und Wagner sehen etwa Architekten und Heizungsbauer, die öfter mit umfangreichen Plänen arbeiten, als Interessenten. Wagner verweist zudem auf die wachsende Verbreitung von Homeoffice.

Schule zuerst

Laut Uch bekommt die Grund- und Mittelschule Altenburgblick vorab schon einen Anschluss aus dem Schul- und Rathausprogramm. Dafür verlege Stadtnetz Bamberg von Wildensorg aus eine Leitung, Im Zuge dessen wolle man zumindest zu jedem Grundstück entlang der Strecke ein Leerrohr verlegen, um einen späteren Hausanschluss möglich zu machen. Solche Rohre wurden auch schon im Rahmen der Dorferneuerung in Kreuzschuh verlegt, bei neuen Baugebieten und größeren Straßensanierungen werde ebenfalls diese Anschlussmöglichkeit geschaffen. So sei bei der "Apfelallee" in Debring ebenfalls eine Zusammenarbeit mit Stadtnetz vereinbart worden. Daraufhin habe die Telekom von sich aus das Gleiche angekündigt. "Wer dort ein Haus baut, könnte die Auswahl zwischen zwei Glasfasernetzen haben", sagt Uch. "Schon möglich, dass da mancher neidisch wird, wenn die einen zwei und andere noch gar keine Leitung vor dem Haus haben."

Heiligenstadt vor dem Ziel

In Heiligenstadt sind derweil nach dem Testlauf mit Anschlüssen in Siegritz, Leidingshof und Veilbronn das Glasfasernetz in diesen drei Ortschaften bereits in Betrieb. In mehreren anderen, etwa in Herzogenreuth, ist es fertiggestellt oder kurz vor der Fertigstellung, wie aus dem amtlichen Mitteilungsblatt vom Dezember hervorgeht. Für das kommende Jahr ist ein straffes Bauprogramm angekündigt. "Wenn der Zeitplan so eingehalten wird, sind wird dann September oder Oktober 2021 mit unserem Breitbandausbau für unseren Markt Heiligenstadt fertig", heißt es dazu.