So schlägt Corona in der Region zu
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Bamberg, Mittwoch, 04. März 2020
Noch sind offiziell keine Menschen in Stadt und Landkreis Bamberg infiziert - und doch wirkt sich das Virus schon massiv aus.
Die Quarantäne hält an. Für die sieben Personen aus dem Landkreis Bamberg, die unter Verdacht einer Corona-Infektion stehen, gibt es noch keine Klarheit. Der Zeitplan, heute die Untersuchungs-Ergebnisse zu präsentieren, konnte nicht gehalten werden. "Das Labor kann die Abstriche der sich in Quarantäne befindlichen Familie wegen Überlastung erst morgen auswerten", teilte am Mittwochnachmittag das Landratsamt mit. Aber auch wenn das Virus noch nicht endgültig in der Region angekommen ist, so wirft es bereits viele Fragen auf und führt zu handfesten Tatsachen. 1. Wirkt sich das Virus auf die lokale Wirtschaft aus? "Seit vergangenem Dienstag haben wir massiv Stornierungen von Reisegruppen, Einzelpersonen, Messegästen aber auch Firmen", berichtet Udo Ziegler, Geschäftsführer des Bamberger Welcome-Hotels. Insgesamt verlöre er damit einen Umsatz von mindestens 100 000 Euro. "Nächste Woche wäre eine Tagung gewesen mit 70 bis 80 Leuten. Die wurde jetzt abgesagt. Da gibt es keine Chance, das mit Freizeitgästen zu kompensieren, erst Recht nicht in der Nebensaison", sagt er. Mit diesen Problemen hätten alle Hotels zu kämpfen, selbst wenn sie nicht in Gebieten mit Infizierten seien.
Wie groß die wirtschaftlichen Einbußen in der Region insgesamt seien, könne man noch nicht einschätzen, sagt Peter Belina von der IHK Oberfranken-Bayreuth. Anfang kommender Woche werde es allerdings das Ergebnis einer ersten Blitzumfrage bei Unternehmen geben.
2. Fallen Veranstaltungen aufgrund von Corona aus? In Bamberg selbst fallen bisher keine Großveranstaltungen aus, auch die Gesundheitsmesse am Wochenende finde statt, sagt Horst Feulner von Bamberg congress + events. "Wir richten uns bei der Gefahrenbeurteilung von Veranstaltungen nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. So ist eine große, internationale Messe, wie die ITB in Berlin, die abgesagt wurde, natürlich mehr gefährdet, als ein Klavierkonzert, wo nur 100 Besucher aus Bamberg kommen", sagt er. Zur Vorbereitung habe er aber schon mit den großen Tourneeveranstaltern geklärt, ob eine solche Veranstaltung im Notfall verschoben werden könne.
3. Ist der Busverkehr durch Corona beeinträchtigt? "Im Moment gibt es keinen Verdachtsfall in der Stadt Bamberg, daher gibt es keinen Grund, die Dienstleistungen einzuschränken", sagt Stadtwerke-Pressesprecher Jan Giersberg. Busfahrer wurden nochmal angewiesen, Hygieneregeln zu befolgen. Für Notfälle wie großflächige Stromausfälle oder einen Corona-Ausbruch gebe es einen internen Krisenstab, damit die Stadtwerke "besonnen und strukturiert reagieren" können. Laut Giersberg sei im Krisenfall die sichere Bereitstellung von Strom, Wasser und Gas, sowie die Sicherung des Telekommunikationsnetzes die Reihenfolge der Prioritäten.
4. Wie geht die Kirche mit der Lage um? Bei körperlichem Kontakt wie beim Händeschütteln zum Friedensgruß bitten sowohl die Deutsche Bischofskonferenz als auch der Bamberger Dekan um Zurückhaltung, ein Verbot gebe es allerdings nicht. "Beim Kunigundentag am Wochenende haben wir zum Beispiel auf den Friedensgruß durch Händeschütteln verzichtet", sagt Harry Luck, Pressesprecher des Erzbistums. Außerdem seien sie von der Mundkommunion zur Handkommunion übergegangen. Dabei legt der Priester die Hostie nicht direkt auf die Zunge, sondern in die Hand.
Auch das Abendmahl in der evangelischen Kirche wurde aufgrund des Virus angepasst. Statt wie üblich aus dem Krug zu trinken, tauchen die Gläubigen die Hostie ein. Das ist auch sonst bei erkrankten Gottesdienstbesuchern üblich. Außerdem verzichten sie darauf, einander die Hand zu geben. Das ist aber nicht immer ganz einfach, wie Dekan Hans-Martin Lechner berichtet: "Einige Leute strecken die Hand aus und sagen ,Ich mache mir keine Sorgen.' Man muss aber natürlich auch sich selbst und andere schützen." 5. Wie werden ältere Menschen geschützt, die besonders gefährdet sind? "Wir haben mehr Desinfektionsmittelspender und Hinweisschildern zur Hygiene angefügt. Außerdem haben wir Mundschutzmasken bestellt und bitten Verwandte, die zum Beispiel erkältet sind, uns vorerst nicht zu besuchen", erklärt Lena Reichel von der Seniorenresidenz Curanum Franz-Ludwig in Bamberg. Panik unter den Bewohnern gebe es nicht, allerdings habe sie den Eindruck "dass die fitteren Bewohner aus dem betreuten Wohnen jetzt seltener zur Pflegestation runterkommen." 6. Was rät die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml aus Bamberg? Allgemein empfiehlt sie: Man sollte Hygieneregeln befolgen und vermeiden, sich häufig an Augen, Nase oder Mund zu fassen. Laut Huml rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zudem immer, einen Lebensmittelvorrat für zehn Tage zu haben - unabhängig von der aktuellen Lage. Ihr persönliches Einkaufsverhalten habe sie allerdings nicht geändert.
"Der Schutz der Bevölkerung in Bayern hat oberste Priorität. Deshalb können auch einschneidende Maßnahmen vorgenommen werden, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen", schreibt sie auf Nachfrage. Allerdings: "Bevor über die Abriegelung einer Stadt entschieden wird, sollte zunächst auf andere Lösungsmöglichkeiten gesetzt werden."