Fragt man heute die jüngeren Coburger, welches denn Coburgs erstes Kaufhaus gewesen sein mag, bekommt man vermutlich zur Antwort "das Kaufhaus Mohren" oder "der Kaufhof". Ältere erinnern sich vermutlich noch an "den Brandt" in der Spitalgasse, wo es von der Spezialschraube über Küchenutensilien bis hin zu Spielzeug und Sportartikeln praktisch alles gab. Coburgs erstes Kaufhaus war allerdings keines der drei. Der Kaufhof und das Kaufhaus Mohren (später Weka) wurden in den Siebzigern eröffnet, Brandt 1948. Dass das Jugendstilgebäude in der Spitalgasse 19 schon lange vor der Übernahme durch die Firma Brandt ein Kaufhaus war und davor ein Hotel, ist nur noch wenigen bekannt.

Um die Geschichte des Hauses zu erzählen, das heute mitten im Herzen der Fußgängerzone liegt und die Deutsche Bank und die Telekom beherbergt, muss man weit ausholen. Zum ersten Mal erwähnt wurde es vor über 500 Jahren, wie in den Hausbüchern von Ernst Cyriaci zu lesen ist. Ab 1570 beherbergte das Gebäude den Gasthof "Zum Weißen Schwan", eine von Coburgs besten Adressen.

1858 kaufte Adam Leuthäuser aus Hildburghausen den Gasthof, baute umfangreich um und eröffnete zwei Jahre später wieder unter dem Namen Hotel Leuthäuser. Zu den illustren Übernachtungsgästen des Hauses gehörten Goethe, Otto von Bismarck, Franz Liszt, Johann Strauss und Kaiser Pedro II. von Brasilien.

In einer Annonce im "Fremdenführer von Coburg nebst Umgebung" wird das Hotel 1888 für seine Nähe zum Herzoglichen Palais und zum Hoftheater gepriesen. Es sei "bekannt durch seine gediegene Einrichtung und gute Küche, unterhält ein grosses Lager von in- und ausländischen Weinen, Cognac und resp. Champagner".

Fritz Müller, der das Hotel 1883 übernahm, ließ - als einer der ersten in Coburg - elektrisches Licht einbauen. Die wachsende Konkurrenz und sein hohes Alter zwangen Fritz Müller 1903 jedoch zur Schließung des Hotels.

Der neue Pächter, die Firma M. Conitzer & Söhne, schlug geschäftlich eine völlig andere Richtung ein und verkaufte dort fortan Textilien aller Art. 1882 hatte Moses Conitzer seinen Konzern in Marienwerder (Westpreußen) gegründet. Das Coburger Geschäft, das Conitzers Neffen Max Frank und Adolf Friedländer führten, bildete insofern eine Ausnahme, als alle übrigen Filialen des Konzerns in Ost- und Norddeutschland angesiedelt waren. Die Firma Conitzer kaufte schließlich das Haus Spitalgasse 19, ließ es abreißen und einen Neubau errichten. Der bekannte Coburger Architekt Max Böhme orientierte sich dabei am Jugendstil des Kaufhauses Tietz am Berliner Alexanderplatz.

Am 8. März 1910 erschien in den Coburger Zeitungen eine ganzseitige Annonce der Firma M. Conitzer & Söhne, die die Eröffnung des "größten und modernsten Geschäftshauses im weitesten Umkreise" ankündigte und zwar "heute Dienstag nachmittag präzise 5 Uhr". Und was es auf den vier Etagen des neuen Konsumtempels nicht alles gab: Kleiderstoffe, Kurzwaren, Tapisserie, Konfektion, Hüte, Büros, Kinderwagen, Kleinmöbel, fertige Betten und und und. Damit sich die Kunden zurechtfanden, wurden Führungen durch den Neubau angeboten.

Die Coburger Kundschaft liebte das neue Kaufhaus, nicht zuletzt wegen seiner spektakulären Architektur mit den monumentalen Treppen, umlaufenden Galerien und dem Fahrstuhl im Lichthof. Neu war auch, dass es keinen Kaufzwang gab, Preise ausgezeichnet waren und man bar bezahlen konnte. Es wurden Modenschauen veranstaltet und zur Adventszeit unter anderem mit einem beleuchteten Christbaum über dem Eingang dekoriert.

Im Nationalsozialismus wurden Max Frank und Adolf Friedländer 1935 enteignet. Friedländer wanderte aus, Frank starb 1938 in Coburg. Nach dem Krieg erhielten deren Erben das Haus zurück und verkauften es 1948 an die aus Ostpreußen stammende Firma Brandt. Deren Besitzer richteten wieder ein Kaufhaus ein. 1982 musste Brandt schließen und verkaufte das Gebäude ein Jahr später an die Deutsche Bank. Heute teilt sich das Geldinstitut das Haus mit der Telekom.