Saat und Ernte
Autor: Redaktion
LKR Coburg, Freitag, 29. Sept. 2017
Eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel ist das Gleichnis vom Sämann. Jesus erzählt, wie ein Sämann mit vollen Händen den Samen verstreut - ein sehr anachronistisches Bild heutzutage - ganz gle...
Eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel ist das Gleichnis vom Sämann.
Jesus erzählt, wie ein Sämann mit vollen Händen den Samen verstreut - ein sehr anachronistisches Bild heutzutage - ganz gleich, wohin er trifft: auf die trockene Erde, auf die Steine, zwischen Dornen und Disteln, den Vögeln zum Fraß, einfach so.
Und wie zu erwarten, zeigen sich im Laufe der Zeit die Folgen dieses Tuns. Manches keimt gar nicht, anderes nur kurz, Disteln und Dornen lassen nichts emporkommen, die Vögel fressen ihr Teil und doch wächst auf dem guten Boden die Saat zu ertragreichen Ähren heran.
An dieses Gleichnis muss ich denken, wenn ich die Unkenrufe höre: Das Christentum wird sich bald verflüchtigt haben. Wer braucht so was noch heutzutage, Religion ist nur Anlass zum Streit.
Ich behaupte mal, und sehe das in vielen Religionen, "Gott" sät Glaube, Liebe Hoffnung. Wir sind der Boden, worauf dieser Same fällt. Was machen wir daraus?
Etliche nehmen ihn gar nicht zur Kenntnis. Das Leben ist hart und fordernd und ist nur mit ausgefahrenen Ellenbogen zu bewältigen. "Mit rücksichtslosem Krafteinsatz schaffe ich das schon."
Kinder, junge Menschen nehmen ihn zunächst auf. Gott erscheint als der gute Vater, der alles zum Besten kehrt. Ihn kann man um gute Noten und glückliche Tage bitten. Dann gewinnt anderes die Oberhand: der Konkurrenzkampf, die Berufswahl, die Zukunftswünsche - da bleibt der Kinderglaube auf der Strecke.