Auf Bayerns Straßen und in den Gärten des Freistaats herrscht dieser Tage Hochbetrieb. Der Igelnachwuchs streift umher und ist auf der Suche nach Futter. Daher ist jetzt die perfekte Zeit, den beliebten Tieren im heimischen Garten zu helfen und ihnen ausreichend Unterschlupf und Nahrung zu bieten.

"Mit igelfreundlichen Gärten unterstützt man die Tiere und sie müssen sich nicht auf die gefährliche Wanderung über Straßen begeben. Trotzdem sollten Autofahrer gerade jetzt etwas vorsichtiger sein", empfiehlt LBV-Igelexpertin Annika Lange. Außerdem gibt sie hilfreiche Tipps zum Umgang mit Igelkindern und warnt vor übertriebener Sorgfalt für scheinbar hilflose Stacheltiere.

Da die meisten Igelkinder im August und September geboren werden und ihre ersten Ausflüge im Alter von knapp vier Wochen unternehmen, herrscht dieser Tage Hochbetrieb in Gärten, Parks und Wäldern. Igel sind nachtaktiv und verirren sich oft auch auf Straßen, über die sie relativ unbedarft laufen. Deshalb sollten Autofahrer gerade ab der Abend- bis zur Morgendämmerung besonders aufmerksam und vorausschauend fahren. Rollt sich ein Igel dennoch vor das Auto, rät Annika Lange: "Vorsichtig bremsen, ohne die nachfolgenden Autos zu gefährden, nicht das Lenkrad verreißen und den Igel möglichst zwischen die Reifen nehmen. Denn die meisten Autos haben ausreichend Bodenfreiheit."

Aktuell erreichen den LBV vermehrt Anrufe, was zu tun sei, wenn man scheinbar verlassene Igelbabys umherlaufen sieht. "Wenn ein Nest ohne Muttertier gefunden wird, besteht erstmal kein Grund zur Sorge. Igelmütter müssen auch auf Nahrungssuche gehen und verlassen das Nest schon mal für ein paar Stunden", so Lange. "Deshalb sollte man abwarten und aus der Ferne beobachten, ob die Jungen wirklich so verlassen sind, wie es auf den ersten Blick scheint."

Gefahr durch Gartenarbeit

Oft werden Igelkinder eingesammelt oder das Nest wird zum Beispiel durch Gartenarbeiten gestört. "Im schlimmsten Fall verlässt die Mutter dann das gestörte Nest und kommt nicht wieder" so die Expertin weiter.

Doch wie erkannt man Igel, die wirklich Hilfe benötigen? "Tatsächlich hilfsbedürftige Igelkinder haben geschlossene Augen und Ohren, sind oft nicht oder nur spärlich behaart, fiepen laut und befinden sich außerhalb des Nestes", erklärt Annika Lange. "Igel egal welchen Alters, die verletzt sind, apathisch wirken, viele Parasiten haben oder auch röcheln, husten, torkeln und sich nicht einrollen, sind ebenfalls hilfsbedürftig." Nur in solchen Situationen sei Eile geboten, denn die verwaisten Igelsäuglinge könnten dann ohne menschliche Hilfe nicht mehr überleben. Der Gang zum Tierarzt oder fachkundige Hilfe sei unumgänglich. Wer sich nicht sicher ist, was in so einer Situation zu tun ist, findet Rat unter www.lbv.de/igel-gefunden.

Dennoch können Naturfreunde den niedlichen und nützlichen Gartenbewohnern, die gerne Schneckeneier oder Schnecken fressen, helfen. Indem sie eine Tränke und zeitweise eine Futterstelle aufstellen, unterstützen sie die Igel bei der Nahrungssuche. Meist kommen die Tiere abends regelmäßig zu den bekannten Stellen. Für den Futterteller eignet sich beispielsweise ein Gemisch aus Katzenfutter, Igeltrockenfutter und ungewürztem Rührei. "Igel sind Fleischfresser. Auf keinen Fall sollten Speisereste oder Obst gefüttert werden. Auch Milch vertragen sie nicht und können sogar daran sterben", warnt die Igel-Expertin.

Um Krankheiten zu vermeiden, müssen Futterreste täglich entfernt und das Wasser erneuert werden. Doch auch vor Regen und ungebetenen Gäste wie Katzen sollte die Stelle geschützt werden. red