Sigrun Hannemann Gelbe Blumenkästen in Röttenbach? Das hat es so noch nicht gegeben. Das Rätsel um die sternförmig angeordneten Kästen mit dem blauen Europa-Zeichen in Form des Archetyp "Aufrichten", die seit drei Wochen vor dem Rathaus stehen, hat sich nun gelöst. Am Dienstagnachmittag wurden die ersten zwei der Kästen aus dem Kunstprojekt des Künstlerpaares Peter Kalb und Gisela Bartulec an den Katholischen Kindergarten St. Mauritius an der Hauptstraße übergeben.

Der örtliche Bauhof brachte die beiden schweren, mit torffreier Erde bepflanzten Kästen, motorisiert bis vor das Kindergartentor. Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) ist hier kein seltener Gast und wurde schon von weitem freudig von den Kindern begrüßt. "Beedabei - wir sind dabei. Röttenbach ist nun auch dabei", ruft Wahl der Kindergärtnerin zu.

Idee kam vom Verein

Die Idee, Blumenkästen insektenfreundlich zu bepflanzen und in die drei Kindergärten und die Grundschule der Gemeinde zu bringen, hatte der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Röttenbach im August. Den Kontakt zu den beiden Künstlern gab es schon seit einem Jahr und ihr großes Engagement, im Kleinen etwas Großes anzustoßen und dazu beitragen zu können, die Artenvielfalt zu erhöhen, wirkte motivierend. "Wir möchten, dass unsere Blumenkästen das Bienenretten in ganz Europa sichtbar machen. Die Bepflanzung dürfen die lokalen Gärtnereien oder der Gartenbauverein selber aussuchen, aber insektenfreundlich muss es unbedingt sein," erklärte Peter Kalb.

Dabei stehe aber nicht die Honigbiene im Vordergrund. Vielmehr ist sie ein wichtiges Glied in der Kette aller von schlechten Umweltbedingungen bedrohten Insekten wie Käfer, Schmetterlinge und Wildbienen. "Dass man alles im großen Zusammenhang der Natur sehen muss und nicht ein einzelnes Tier alleine fördern darf, ist selbstverständlich für uns", betonte Gisela Bartulec.

Zuerst war ein Sponsor für das Projekt zu finden. Ludwig Wahl war sofort von der Idee des Vereins zu begeistern und bestellte gleich noch sechs zusätzliche Kästen, die für Bienenflugverkehr auf den Rathaus-Fensterbrettern sorgen sollen und einen bunten Blick auf Röttenbachs neue Mitte bieten werden. "Das "Beedabei"-Projekt fügt sich wunderbar in unseren für nächstes Jahr geplanten Bienenlehrpfad mit Bienen-Pavillion und Grünem Klassenzimmer ein. Damit können wir gerade unseren jüngsten Röttenbachern die Insektenwelt näher bringen."

Anita Langer vom Obst- und Gartenbauverein überreichte zusätzlich zu den Kästen zwei Plakate mit Zeichnungen von heimischen Schmetterlingen und den am häufigsten vorkommenden Wildbienen.

Aus den gelben Kästen leuchten verführerisch kleine rote Monatserdbeeren und Schnittlauch kann auch noch geerntet werden. Zuerst probiert die Kindergärtnerin Katharina Geinzer allerdings den duftenden Zitronenthymian und reibt ihn zwischen den Fingern. Die Kästen laden nicht nur zum Naschen ein, sie sind auch ein Duft- und Fühlerlebnis.

Das üppig weiß blühende Bergbohnenkraut und die Schneeheide (Erica carnea) locken jetzt im Herbst noch zahlreiche Bienen an. Die Kästen sind nachhaltig mehrjährig bepflanzt und ein paar versteckte Blumenzwiebeln sorgen im Frühjahr für erste insektenfreundliche Überraschungen.