Es ist fast wie ein Weihnachtsgeschenk für die Bürger: Die Raiffeisenbank nimmt im Januar wieder den Schalterbetrieb in Steppach auf. Bereits im März wurden die Kundenschalter coronabedingt geschlossen. Im Juli wurde der Schalterbetrieb dann offiziell eingestellt. Seither fanden in Steppach nur noch Beratungstermine statt.

Die Schließung habe natürlich einen großen Verlust für die Nahversorgung der Gemeinde Pommersfelden bedeutet, bedauerte Bürgermeister Gerd Dallner (FWGS). Insbesondere für ältere Mitbürger, die nicht am Online-Banking teilnehmen. Um Schaltergeschäfte abzuwickeln, mussten sie die Geschäftsstelle in Mühlhausen aufsuchen.

Schon bald nach der Schließung nahm Dallner daher Gespräche mit den Vorständen der Genossenschaftsbank, Stefan Gebhardt und Harald Wehner, auf. "Wenn man miteinander redet, entstehen Lösungen", sagt Dallner. Dazu hätten auch die jahrzehntelangen guten Verbindungen zwischen der Gemeinde und der Bank beigetragen. Eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung sei gefunden worden.

Gemeinde ist jetzt Hausherr

Die Gemeinde Pommersfelden habe das Gebäude von der Raiffeisenbank erwerben können. Mit dem Kauf verknüpft wurde, dass die Bank ab Januar den Servicebetrieb in Steppach an mindestens zwei Tagen pro Woche wieder aufnimmt. Die Vereinbarung gelte für die nächsten fünf Jahre. Damit sei die Nahversorgung vorerst sichergestellt. Gleichzeitig sei die Gemeinde für ihre künftige Entwicklung sehr flexibel.

Nach der gelungenen Dorferneuerung in Steppach wäre ein Gebäudeleerstand für Dallner ein absolutes "No go" gewesen. Das "ehemalige Amtshaus", wie das Gebäude offiziell heißt, zähle zu den schönsten im alten Ortskern. Im Jahr 1753 errichtet, war es einst Gefängnis, später Forsthaus der Schönborn'schen Domänenverwaltung. Zeitweise hatte die Molkereiverwaltung darin ihre Räume. Seit 1964 diente es der Raiffeisenbank als Zweigstelle.

Beratungstermine in der Geschäftsstelle können weiterhin jeweils von Montag bis Freitag vereinbart werden. Natürlich stünden auch die SB-Geräte wie bisher zur Verfügung. Die Bank werde einen kleinen Teil des Erdgeschosses nutzen und dafür Miete zahlen. Der übrige Teil des Hauses könne für den Eigenbedarf der Gemeinde genutzt werden. Für den Fall, dass eine andere Verwendung oder ein anderes Konzept für das Haus gefunden wird, würde die Bank das Objekt auch schon früher vollständig zur Verfügung stellen. Das könnte im Rahmen der Städtebauförderung geschehen, in die Pommersfelden jetzt mit den drei großen Ortsteilen eingestiegen ist, meint der neue Hausherr.

Viele Banken haben in jüngerer Zeit den Schalterbetrieb in ihren Filialen eingestellt. Schuld daran seien die Niedrigzinspolitik und die ausufernde Regulatorik im Bankensektor. Die Pandemie habe die Lage noch weiter verstärkt, so die beiden Raiffeisen-Vorstände.