Druckartikel: Quacksalber und Scharlatane

Quacksalber und Scharlatane


Autor: Christian Licha

Zeil am Main, Montag, 09. März 2020

In früheren Zeiten trieben sich auf den Märkten in Zeil allerlei skurrile Gestalten herum. Beim Oculi-Markt am Sonntag, 15. März, dürfte es gesitteter als im Mittelalter zugehen.
So sah es früher bei einem Markttag in Zeil aus: Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus waren die Stände aufgereiht.  Foto: Ludwig Leisentritt


Viele Besucher werden am Sonntag, 15. März, zum Zeiler Oculi-Markt erwartet. In der gesamten Innenstadt, die Hauptstraße entlang bis zur Oberen Torstraße sowie auf dem Marktplatz werden die Markthändler den ganzen Tag ihre Waren feilbieten. Zusätzlich sind am Nachmittag einige Zeiler Geschäfte, unter anderem das Marken-Outlet, geöffnet.

Wie es in vergangenen Zeiten bei den Märkten in Zeil zuging, beschreibt der Stadthistoriker Ludwig Leisentritt: Auf den früheren Märkten waren stets auch Quacksalber, Pillendreher und Zahnbrecher vertreten. Auch ein Arzt ist überliefert, der seine Kunst und seine Medizin anbot. Die Marktschreier im Mittelalter waren vor allem die medizinischen Scharlatane, welche die außerordentliche Wirksamkeit ihrer Mittel lautstark anpriesen. Dass man dabei bedenkenlos übertrieb, war in früheren Zeiten ganz normal.

Schließlich bot noch 1864 der angesehene Zeiler Kaufmann Johann-Primus Pöllath per Inserat im "Haßfurter Intelligenz-Blatt" neu erfundene pflanzliche Zahnpillen an, die "den Schmerz an cariösen Zähnen meistens augenblicklich, zuverlässig aber in wenigen Minuten - gewöhnlich für immer - stillen."

Was heute überall billig zu haben ist, war in den früheren Jahrhunderten oft ein begehrtes und teures Produkt: Die Salzkärrner waren auf dem Zeiler Markt stets umlagert. Sie bezogen das kostbare Salz aus der Heilbronner Gegend. Im vorigen Jahrhundert war Salz zwischen dem sächsischen Altershausen und dem bayerischen Sechsthal ein begehrtes Schmuggelgut.

Die Gier nach Sensationen

Die Menschen wollten jedoch auf einem Markt nicht nur kaufen und verkaufen. Wie heute auch war man darauf aus, den Unterhaltungstrieb und die Sensationslust zu stillen.

Nach den Stadtrechnungen gastierten in Zeil im vorigen Jahrhundert unter anderem Marionetten- und Harfenspieler, Sänger und Spielleute, Musik- und Schauspielergesellschaften, Drehorgelspieler, Bärentreiber, Seiltänzer und Schnellläufer. Die Sensationslust wurde zum Beispiel dadurch befriedigt, dass, wie in Haßfurt nachweisbar, Tiere und Menschen mit zwei Köpfen zur Besichtigung ausgestellt wurden.

An den Markttagen hing am Rathaus die obligatorische Marktfahne. Bis zu ihrer Einholung galten für den Markt ganz besondere Sicherheitsbestimmungen. Im Harnisch und mit ihrer Wehr patrouillierten einige vom Rat beauftragte Bürger, unterstützt vom Marktmeister und dem Ratsdiener, um den sogenannten Marktfrieden zu sichern. Bei so vielen Menschen, die sich aus der ganzen Umgebung in Zeil aufhielten und üblicherweise auch zechten, kam es immer wieder zu blutrünstigem Streit und Raufereien. Ausschreitungen, die den Marktfrieden verletzten, wurden besonders hart bestraft.