Wenn vor Weihnachten Bäume gefällt werden, dann sind das besonders oft Tannen und Fichten. Im Steigerwald sind es auch Buchen. Nicht als Weihnachtsbäume, sondern als Nutzholz. Ob das auch im nördlichen Steigerwald geschehen soll, darüber wird seit mehr als 13 Jahren zwischen Befürwortern und Gegnern eines Nationalparks gestritten. Teils mit harten Bandagen.

Jüngstes Beispiel: Am Dienstag meldete sich ein forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer, der im Auftrag der Bayerischen Staatsforsten zuvor im Wald bei Ebrach tätig war, bei der FT-Lokalredaktion. Sein Forwarder (ein Raupenschlepper zum Holzrücken) sei am Montag zum wiederholten Mal beschädigt worden. Diesmal "von Umweltaktivisten beschmiert", schrieb Christian Binder aus Burgwindheim. Er habe wegen der Sachbeschädigung Anzeige bei der Polizei erstattet. Schon mehrmals seien ihm durch Beschädigungen hohe Kosten entstanden.

Kurz zuvor waren im Internet Bilder aufgetaucht, die Aktivisten der Gruppe "Steigi bleibt" vor und auf eben jener Zugmaschine zeigen. Sie halten Plakate in den Händen, von den Graffitis "Rette die Buchen" und "Steigi bleibt" ist nichts zu sehen. Gepostet wurden solche Fotos auf Instagram und Facebook auch von der Bundestagsabgeordneten Lisa Badum (Grüne). Unter anderem ist sie selbst auf einer der Raupenketten des Fahrzeugs zu sehen. Das Foto ist ganz links im Screenshot zu sehen. Nachdem der FT eine schriftliche Anfrage an die Abgeordnete richtete, wurde es wieder aus dem Netz genommen. Telefonisch wollte Badum am Mittwoch keine Erklärung abgeben. In einem persönlichen Anschreiben zu einer Pressemitteilung schreibt sie dann: "Die von Ihnen beschriebenen Vorfälle habe ich nicht beobachtet und kann daher keine Stellung dazu nehmen."

Rückschlag für Sachdebatte

Der Vorfall schlägt inzwischen hohe Wellen. Auch viele - wenn nicht die allermeisten - Nationalpark-Befürworter sind entsetzt. Christian Binder berichtet von Anrufern, die ihm versichern würden "Das geht gar nicht" oder "So etwas würden wir nie machen".

In der Tat hat die Sprayer-Aktion allen, die an einer sachlichen Diskussion interessiert sind, keinen Gefallen getan. Eine solche Diskussion ist im Steigerwald ohnehin eher die Ausnahme. Ein zartes Pflänzchen, das erst in den letzten Jahren ein bisschen gewachsen ist.

So droht etwa die Kritik des Bund Naturschutz an den jüngsten Baumfällungen der Staatsforsten im Raum Ebrach zu verpuffen. In einer Pressemitteilung, die fast gleichzeitig mit den ersten Berichten über die "Steigi bleibt"-Aktion erschien, fordert der BN "einen sofortigen Einschlagsstopp im Nationalpark-Suchraum". Massive Einschläge seien schädlich für Walderhalt, Klimaschutz und Biodiversität, heißt es darin zur Begründung. "Gerade die Buchen vertragen derartige Freistellungen nicht: stark exponierte, sonnenbeschienene Kronenteile sterben ab, die Rinde am Stamm ,verbrennt' regelrecht und die Vitalität schwindet." Ein von Natur aus geschlossenes Kronendach halte Buchenwälder dagegen kühl und feucht. Dafür brauche es "Raum und Zeit für eine ungelenkte Entwicklung".

Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner widerspricht der Argumentation und Kritik des BN vehement. Es habe keine massiven Fällungen gegeben. Eine Ernte von zehn bis 20 Bäumen pro Hektar bei gleichzeitigem Belassen von vielen Hunderten nicht genutzten Bäumen sei "eine sehr schonende Nutzung". Es seien auch keine großen Löcher in das Kronendach geschlagen worden. Außerdem meint Mergner, dass ungenutzte Wälder weder artenreicher noch widerstandsfähiger seien.