Martin schweiger Die Wahl zum Angeklagten des Monats würde ein 20-Jähriger, der sich am Montag vor dem Jugendgericht am Haßfurter Amtsgericht wegen einer Trunkenheitsfahrt auf einem Fahrrad verantworten musste, wohl locker gewinnen.

Mit frisch gewaschenem Hemd nahm er pünktlich auf der Anklagebank Platz. Er bedankte sich, "dass alle gekommen sind". Außerdem sei er dafür dankbar, dass er das Geld, das er früher für Alkohol ausgegeben hatte, nun sparen kann. Denn seitdem er von der Polizei mit 1,75 Promille in Aschaffenburg auf dem Fahrrad erwischt wurde, habe er dem Alkohol weitgehend abgeschworen.

Die Trunkenheitsfahrt am 13. Oktober vergangenen Jahres um 4.50 Uhr früh gab er unumwunden zu, so dass der Polizeibeamte, der als Zeuge extra von Aschaffenburg angereist war, nicht mehr aussagen musste und gleich wieder den Heimweg antreten konnte. Mit seinem Auftreten hat der Angeklagte wohl auch Richter Martin Kober beeindruckt. Denn er verhängte für die "fahrlässige Trunkenheit im Verkehr" nur 20 Stunden gemeinnützige Arbeit und blieb damit weit unterhalb des Antrags des Staatsanwalts, der mit 40 Stunden das Doppelte gefordert hatte.

Dabei war die Promille-Fahrt auf dem Mountainbike völlig unsinnig. Bei einer Semesterfeier für Studienanfänger hat der Angeklagte nach eigener Aussage zu tief ins Glas geschaut. Anschließend ging es noch in einen Club, aus dem er jedoch rausflog, weil er sich eine Zigarette angezündet hatte. Auf dem Heimweg - zu Fuß - klappte er im Frust Außenspiegel von parkenden Fahrzeugen um. Daheim angekommen, kam der 20-Jährige auf eine Schnapsidee: Um auszunüchtern, habe er mit dem Fahrrad noch eine Runde drehen wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht - nicht ahnend, dass er 1,75 Promille Alkohol im Blut hatte, 0,15 Promille zu viel. Denn ab der Grenze von 1,6 Promille verbietet der Gesetzgeber das Fahrradfahren.

Die Konsequenzen für den 20-Jährigen sind hart. Er wurde geschnappt und verlor seinen Führerschein. Bei der ersten MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung oder "Idiotentest") fiel er durch. Gleichzeitig hatte die Tat eine heilsame Wirkung für den Angeklagten. Er habe nun gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Die Nacht in der Ausnüchterungszelle habe ihm die Augen geöffnet. Er sei "dankbar für die Lektion" und wolle zukünftig "an Fehlern wachsen", ließ er das Gericht wissen.

Weniger philosophisch lautete der Rat des Vorsitzenden, Richter Martin Kober: "Wenn Sie zum Trinken gehen, dann laufen Sie - im eigenen Interesse", ermahnte er den Verurteilten.