Druckartikel: "Präses Radspieler" - so war er halt!

"Präses Radspieler" - so war er halt!


Autor: Redaktion

Bamberg, Montag, 12. März 2018

Die Rettl erinnert sich an eine Begegnung mit dem kürzlich verstorbenen früheren Weihbischof Werner Radspieler.
Werner Radspieler hatte ein Herz für junge Leute - hier bei seiner Verabschiedung im Jahr 2013 auf der Wiese vor dem Bischofshaus. Foto: Barbara Herbst/Archiv


Bamberg  — Ahnungslos schlag ich am Donnerstag den FT auf - und da steht (schwarz auf weiß): Werner Radspieler, der emeritierte Weihbischof ist gestorben - in Nürnberg, seiner Heimatstadt. Lange hab ich ihn nicht mehr gesehen, trotzdem steht mir gleich eine Begegnung mit ihm vor Augen, die mehr als 50 Jahre zurückliegt. Soll ich sie erzählen? Sie ist nämlich ein Beispiel für seine ungekünstelte Menschenfreundlichkeit.
Der Uli, mein zweiter Sohn, war 1966 in der ersten Gymnasialklasse. Bald ging der Zehnjährige in die Grupenstunden der MC (Marianische Congregation) mit Namen "Stella matutina". Ich glaab, heutzädooch haßts GCL= " Gemeinschaft christlichen Lebens". Und da war Werner Radspieler Präses, neben seiner Tätigkeit als Präfekt für die Internatsschüler am Ottonianum.
Eines Tages kam der Uli ganz begeistert aus der Gruppenstunde heim: "Mir machn in die Osterferien mit der MC a Busfohrt nooch Pfünz - fast a ganza Wochn!" Es waren Ausflüge nach Kloster Weltenburg, zur Walhalla, nach Solnhofen vorgesehen und eine 14 km lange Wanderung sollte es auch geben "Gell, do derf i doch aa mit?" bettelte der Bub. Ich wollte schon sagen "No freilich!", als meinem Mann Bedenken kamen: Der Bub sei zwar gewandt und ausdauernd und scheue kein Risiko. "Obä denk mol oo sei "Heimweh!"
Einige Jahre zuvor war er mit seiner Oma zu Besuch bei Verwandten im Badischen gewesen und die Gute hatte keine ruhige Minute gehabt. "Ich will haam!" ging es den ganzen Tag, unter Tränen - oder auch zornig. Abends konnte er lange nicht einschlafen: "Ich will haam zu meinä Mama!" Endlich wieder in Bamberg, war er richtig glücklich. Er hüpfte herum und rief: "Nie - nie - nie geh ich widdä fort vo däham!" Das hielt der Vater seinem Sohn vor, aber der wehrte natürlich energisch ab: "Do wo i doch nuch vill klennä ! Obä etz ganz bestimmt nimmä!".
Steter Tropfen höhlt den Stein! No ja, wos willst machen? Välleicht sollt mäs doch probiern? Am Abreisetag brachte ich den Uli zum Bus. Hier stand ein junger Mann, Werner Radspieler, und begrüßte jeden freundlich mit Handschlag. Da fasste ich mir ein Herz und erzählte ihm vom Heimweh-Problem meines Sohnes. "Ich waaß scho, dass Sie mit denna 40 Burschn vo 10 bis 18 vill om Hols hom, obä välleicht könntn Sie doch den Uli a weng im Aach behaltn!" Er versprach es sofort und sagte noch: "Machen Sie sich keine Gedanken, des geht bestimmt gut!"
Während der folgenden Woche hörten wir nichts vom MC-Ausflug - keiner dachte damals daran, nach Hause zu telefonieren - und a Whatsapp hots natürlich örscht recht net gebn! Wie oft hab ich gedacht: Werds denn gut geh?


Torte und lustige Geschichten

Am Samstagnachmittag kam der Uli dann freudestrahlend daheim an: "So schöö wors! Und wos miä alles gsähng hom! Amol worn miä aa in Eichstätt!" Hier durften die älteren MCer die Stadt auf eigene Faust erkunden. "Obä, Mama, stell diä vor! Miich und zwaa andera aus meinä Klass hot der Präses eigälodn!" Radspieler führte die drei Jüngsten in ein feines Café in der Stadtmitte, wo sich jeder ein Stück Torte aussuchen durfte -und dazu gab's Kakao. Dabei erzählte der Präses lustige Geschichten aus seiner Schulzeit. Jetzt waren die Schleusen geöffnet: Die Buben berichteten ungehemmt von ihren Streichen. Vor lauter Begeisterung merkten sie erst danach, dass sie ihn dabei duzten. Obä des hot eä fei net krumm gänumma - so war er halt!