Druckartikel: Ob Bad Rodach eine "Fairtrade-Town" wird, entscheidet sich wohl nicht am Kaffee

Ob Bad Rodach eine "Fairtrade-Town" wird, entscheidet sich wohl nicht am Kaffee


Autor: Martin Rebhan

Bad Rodach, Dienstag, 17. Dezember 2019

Wenn es nach Stadtrat Matthias Thumser ginge, sollte Bad Rodach alle Anstrengungen unternehmen, um in den Kreis der bisher 660 Städte aufgenommen zu werden, die das Prädikat "Fairtrade-Town" tragen. I...


Wenn es nach Stadtrat Matthias Thumser ginge, sollte Bad Rodach alle Anstrengungen unternehmen, um in den Kreis der bisher 660 Städte aufgenommen zu werden, die das Prädikat "Fairtrade-Town" tragen. In der Sitzung des Stadtrates am Montag erläuterte Thumser dem Gremium seinen entsprechenden Antrag. Demnach sind fünf Kriterien auf dem Weg zu dem Titel zu erfüllen. So muss ein entsprechender Ratsbeschluss gefasst werden, eine Steuerungsgruppe ist zu installieren, lokale Einzelhandelsgeschäfte, Floristen, Cafés und Restaurants müssen mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Diese Quote ist abhängig von der Einwohnerzahl. Für Bad Rodach wären dies drei Geschäfte und zwei Gastronomiebetriebe, die sich an dem Projekt beteiligen müssten. Einbezogen werden müssten auch mindestens ein Verein, eine Kirchengemeinde und eine Schule. Des Weiteren müssen Vorgaben im Bereich der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit erfüllt werden. Matthias Thumser sieht in der Vollführung der Kriterien keine Probleme, da schon sehr viel davon vorhanden sei. "Schule und Kirche würden auf jeden Fall mitmachen", ließ Thumser wissen. Dass der Stadtrat nicht so überzeugt wie Thumser ist, war einigen Äußerungen zu entnehmen. So wollte Stephan Schink (CSU) wissen, was man sich unter einer Lenkungsgruppe vorstellen muss. Hermann Liebermann (SPD) fragte sich, warum sich die Stadt damit beschäftigen soll, wenn bereits 90 Prozent der Vorgaben erfüllt sind. Gisela Roos (FW) wollte die Situation der Direktvermarkter in die Betrachtungen miteinbezogen haben. "Es ist wichtig, dass wir die Region stark machen", betonte die Stadträtin. Axel Dorscht (SPD) verstand nicht, warum künftig in Stadtratssitzungen Kaffee aus fairem Handel angeboten werden soll. "Ich bin seit 30 Jahren im Stadtrat, Kaffee gab es noch nie", ließ Dorscht wissen.

Noch deutlichere Worte fand Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD), der das Ganze als Mogelpackung und Etikettenschwindel bezeichnete. Um der Diskussion ein Ende zu setzen, beantrage Christoph Herold (CSU), Thumsers Antrag in den Geschäftsgang zu geben, damit die Verwaltung prüfen könne, inwieweit eine Umsetzung möglich ist. Am Ende folgte der Stadtrat einstimmig dem Vorschlag des Zweiten Bürgermeister Ernst-Wilhelm Geiling, der sich dafür aussprach, das Thema vom Stadtmarketing-Netzwerk "Bad Rodach begeistert" durchleuchten zu lassen.

In Rudelsdorf sollte ein Baugebiet für drei Wohnhäuser entstehen. Nachdem das Wasserwirtschaftsamt Kronach festgestellt hatte, dass es sich um ein ehemaliges Moorgebiet handelt und zudem Wiesenbrüter dort leben, kam der Stadtrat einstimmig überein, die Fläche nicht als Wohngebiet, sondern als Dorfgebiet auszuweisen, in dem eine Bebauung möglich ist.

Geschäftsführer Uwe Schmidt gab bekannt, dass der Stadtrat in seiner Sitzung im November beschlossen hat, den Vertrag und damit die finanzielle Unterstützung des Stadtmarketing-Netzwerks um weitere fünf Jahre zu verlängern. Auch wurde öffentlich gemacht, dass die Stadt für Renovierungsmaßnahmen im Thermen-Restaurant rund 38 000 Euro investiert hat. mr