Das Schreiben ist Werner Karls Leidenschaft. Jede freie Minute verbringt der 62-Jährige damit, Heldinnen und Helden in ferne Welten vordringen zu lassen. Die Kreativität des Science-Fiction- und Fantasy-Autors wird durch den Lockdown sogar noch beflügelt - einfach deshalb, weil ihm mehr Zeit zum Schreiben bleibt. Sein neuer Roman erscheint in Kürze.

Herr Karl, auch wenn wir das Wort Corona fast nicht mehr hören können: Wie leben und arbeiten Sie als Autor in Zeiten der Pandemie?

Werner Karl: Unter Einhaltung der AHA-Regeln eigentlich ganz gut. Ich habe zum Glück einen Vollzeitberuf in der Druckindustrie. Dennoch fallen auch bei mir Einnahmen von Vorträgen, Lesungen und Live-Buchverkäufen weg. Dafür hat sich der Online-Verkauf merklich gesteigert. Also: Nicht jammern, sondern machen!

Was meinen Sie damit konkret?

Als unverbesserlicher Optimist habe ich die auferlegten Ruhezeiten vielfältig genutzt: Zum Beispiel als Teil der Coburger Autorengemeinschaft "Schreibsand" konnte ich mich via "Zoom" mit meinen Kolleginnen und Kollegen online austauschen. Zusätzlich bin ich dem AVF, dem Autorenverband Franken, beigetreten, um meine Fühler in die alte Heimat - die Metropolregion Nürnberg - auszustrecken. Allerdings dürften sich Lesungen dort, wie auch in den Landkreisen Bamberg und Coburg, erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 ergeben. Darauf freue ich mich ungemein.

Und vermutlich haben Sie natürlich geschrieben. Was zum Beispiel?

Den Abschlussband meiner vierteiligen Science-Fiction-Reihe um meine schwarzhäutige Spacetrooperin "Black Ice". Der Titel lautet "Nexus"; der Band wird am 1. März 2021 erscheinen. Der Rohtext ist gerade im Lektorat. Meine Designer und ich basteln gerade an einem Cover, das den Kreis zu Band I schließt.

Schließt?

Ja, schließt! (er lacht) Band I begann mit einem Epilog, einem Nachwort. Und jetzt schließt sich der Kreis - was auch das Cover zeigen wird. Da erfahren die Leser, warum am Anfang ein Epilog gestanden hat. Natürlich funktioniert das in der Science-Fiction ganz elegant mit einer Zeitreise. Aber "Nexus" bietet noch ein Bonbon für die Leser: Der Roman hat zwei Enden, und ich bin schon jetzt gespannt, welches den Lesern mehr gefallen wird. Ich hoffe auf reges Feedback, gerne als E-Mail (autorwernerkarl@gmx.de).

Hört sich interessant an. Wie sind Sie überhaupt auf die Geschichte zu "Black Ice" gekommen?

Ich habe mich - zumindest für die Basis-Idee - eines einfachen Kniffs der schreibenden Zunft bedient: Nimm eine tolle Geschichte und ändere die Vorzeichen! "So weit die Füße tragen" (nach dem gleichnamigen Roman von Josef Martin Bauer; Anm. d. Red.) war eine sechsteilige TV-Serie, die die Geschichte eines deutschen Soldaten erzählt, der aus einem russischen Kriegsgefangenenlager in Sibirien flieht und eine wahre Odyssee erlebt, bis er es zurück in die Heimat schafft. Natürlich sah ich nicht die Erstausstrahlungen von 1959, da war ich gerade mal ein Jahr alt, sondern erst Jahre später als Teenager eine der vielen Wiederholungen. Als Nachkriegsgeborener, als Cold-War-Kid, hat mich die Handlung dennoch fasziniert.

Vorzeichen ändern. Wie muss man sich das vorstellen?

Aus dem Mann machte ich eine Frau, aus dem deutschen Soldaten eine schwarzhäutige Spacetrooperin, aus den Russen die außerirdischen Sambolli - die ja nur die Handlanger der Mazzar sind, wie die Leser, die Band I bis III kennen, längst wissen -, aus dem kältestarrenden Sibirien den tropisch-heißen Dschungel des Planeten Samboll und so weiter. Doch dieser an sich schon spannende Rahmen genügte mir nicht. Ich wollte eine vielschichtige Handlung erzählen, einen perfiden Plan. Und noch einiges mehr. Aus unerfindlichen Gründen wusste ich von Anfang an, dass für meine Geschichte ein Buch nicht ausreichen würde, sondern deren vier nötig sein würden (er lacht).

Allgemein hat man den Eindruck, dass heutzutage mehr kurze Texte konsumiert werden. Ihre vier Bände um "Black Ice" umfassen mehr als 2200 Buchseiten. Warum ein so opulentes Werk?

Ich glaube nicht, dass wahre Leseratten sich mit Short- und Super-Short-Texten befriedigen lassen. Solche Mini-Texte sind eher was für Nutzer von Smartphones und Leute, die keine Zeit haben. Ich glaube auch nicht, dass solche Kleinsttexte - und somit ihr Autor - lange im Gedächtnis eines Lesers haften bleiben. Einfach aufgrund der Tatsache, weil man mit wenigen Seiten keine tiefgreifenden Gefühle, keine komplexe Handlung und schon gar nicht Spannung in einem Maße bietet, die treue Fans erzeugt. Ein ganzes Universum, ja sogar andere Dimensionen literarisch aufzubauen, die Handlung mit mehreren Strängen zu stricken und den Lesern atemlose Stunden Lesevergnügen zu bereiten, geht nur mit einem Mindestmaß an Textlänge. Die Handlung muss Wendungen erfahren, Überraschungen bieten, das Kopfkino des Lesers anregen und ihn zu einem Pageturner, zu einem Seitenfresser verwandeln.

Das heißt, die Leser bekommen etwas für ihr Geld?

Selbstverständlich. E-Book-Leser bekommen für den Preis eines Burgers über 500 Seiten Unterhaltung geboten. Selbst ein Seitenfresser braucht dafür mehrere Stunden. Und die Buchleser müssen auch nicht mehr investieren als für ein anständiges Abendessen. Allerdings hoffe ich, dass sie länger davon zehren können und sich auch die anderen Bände holen.

Als freier Autor machen Sie den Vertrieb selbst. Wo kann man Ihre Romane bekommen?

In mehreren regionalen Buchhandlungen von Coburg bis Bamberg und natürlich auf den einschlägigen Online-Plattformen. Signierte Exemplare werde ich aber erst wohl wieder bei Lesungen anbieten dürfen.

Ähnlich wie beim Fußball-Motto "Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel" dürften Sie Pläne für das nächste Buch haben. Können Sie uns und unseren Lesern schon etwas darüber verraten?

Aber gerne. Es wird wieder ein Ausflug in das Genre Fantasy sein. Neben den Romanen "Menosgada" (es handelt von der Kelten-Siedlung auf dem Staffelberg; Anm. d. Red.) und "Driftworld" schrieb ich eine Trilogie zu den keltischen Spiegelkriegern. Dazu steht jetzt eine Prequel-Trilogie an, in der ich die Entstehungsgeschichte dieser dunklen Macht beschreibe - und die im Rom Caesars gipfeln wird.

Also dürfen sich sowohl Science-Fiction- wie auch Fantasy-Fans auf neue Romane freuen.

Ihnen und Ihren Lesern wünsche ich ein glückliches neues Jahr!

Das Gespräch führte Matthias Einwag.