Muss diese Zerstörung im Naturpark sein?

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Leserbrief zum Bericht im FT vom 18. März (Freitag) unter dem Titel "Die Angst vor den Windrädern": Die Meinung der Teilnehmer in Kirchlauter am 16. März wa...

Leserbrief zum Bericht im FT vom 18. März (Freitag) unter dem Titel "Die Angst vor den Windrädern":

Die Meinung der Teilnehmer in Kirchlauter am 16. März war recht eindeutig und es ging nicht nur um den Ärger über mangelnde Mitwirkungs- oder Profitmöglichkeiten, sondern ebenso um Bedenken hinsichtlich Gesundheitsgefährdung durch Infraschall, optische Belästigungen, Auswirkungen auf Tourismus und um die Zerstörung eines schönen Stücks Natur (Naherholungsgebiet für Kirchlauter). Hierin war sich der ganze Saal im Wesentlichen einig, zusammen mit der "Gruppe erklärter Windkraftgegner von etwa zehn Leuten aus den Landkreisen Schweinfurt und Rhön-Grabfeld".
Das suggeriert, dass diese Personen die Anreise aus Spaß am Protest-Tourismus auf sich genommen hätten. 1#googleAds#100x100 Tatsächlich handelt es sich dabei aber um Betroffene, die aus eigener leidvoller Erfahrung von den vielfachen Beeinträchtigungen durch Windräder berichten konnten, da sie ganz in der Nähe der ebenfalls von der "GUT" (welch eine Bezeichnung!) errichteten Industrietürme im Sailershäuser Wald leben.
Dieses Leben ist für viele von ihnen kaum noch lebenswert: Schall, Infraschall, Rotoren am Tag und Blinkfeuer in der Nacht. Mancher geht nicht mehr gerne ins Freie, schon gar nicht mehr in den ehemals friedlichen Wald. Nachts müssen sie - zumindest bei Wind - die Fenster schließen.
Und diese Erfahrungen sollten den Bürgern in Kirchlauter mitgeteilt werden, damit sie einen objektiven Eindruck davon erhalten, was vielleicht auch auf sie zukommt. Dafür kann man diesen Mitbürgern dankbar sein. Objektive Information ist zu dem Thema von offiziellen Stellen beziehungsweise den Politikern schon lange nicht mehr zu erwarten.
Und damit sich alle ein wirkliches Bild machen können - auch die, die in Ebern und Umgebung wohnen und Richtung Tonberg blicken: Reutersbrunn liegt auf 315 Meter, der Tonberg auf maximal 458 Meter, der Höhenunterschied ist also 143 Meter. Und nun werden dort oben nochmal vier inklusive Rotoren 230 Meter hohe Industrietürme draufgesetzt - mehr als das Anderthalbfache der Höhe des ganzen Hügels! Das wird alles dominieren. Die heutigen Windräder erreichen ganz andere Dimensionen als noch zum Beispiel die auf dem Bretzenstein.
Im Übrigen waren auch weitere Bewohner des Landkreises Haßberge vor Ort in Kirchlauter, weil hier der erste Angriff auf die Kernzone unseres Naturparks stattfindet. Ein weiterer ist am Büchelberg bei Burgpreppach/Ditterswind geplant, auch dort in einem nahezu unberührten Stück Natur. Also: Was hier möglichst unauffällig vor sich gehen soll (wie schon andernorts so oft), geht alle Bewohner des Landkreises an, alle, denen an unserer Natur etwas liegt.
Nach dem Tonberg und dem Büchelberg werden nämlich weitere Industriegiganten auf anderen Höhen der Haßberge folgen und die Gegend wird schrittweise ihre bisherige Einmaligkeit verlieren. Sie wird sich in eine öde, vertikal zersplitterte Industrielandschaft verwandeln, wie es immer häufiger der Fall ist in Deutschland. Lebenswert wird das nicht mehr sein und ob es Touristen anzieht, die das ja oft genug bei sich zuhause haben, ist mehr als fraglich.
Landschaftsästhetik ist nicht etwa nur ein Thema für Weltfremde, sondern hat einen bedeutenden Einfluss auf das Befinden, gerade auch unterbewusst. Muss diese Zerstörung wirklich sein - im Naturpark? In Wäldern, in diesen sehr sensiblen Ökosystemen, wie wir doch jetzt wissen sollten? Können wir nicht wenigstens bei uns ein wenig Natur erhalten, für spätere Generationen?
Peter Finzel
Ebern