Die Gottesdienste waren besucht wie immer. Die Gläubigen beteten und feierten. Wie die Gläubigen in Saint-Etienne-du-Rouvray, als zwei IS-Kämpfer ins Gotteshaus eindrangen und den Priester barbarisch ermordeten. Diese unsägliche Gewalt schockiert auch die Priester und die Gläubigen im Landkreis. Sicherheitsvorkehrungen wurden aber nicht getroffen. Zumindest kamen keine Anweisungen aus den Leitungsebenen.
Verunsichern lassen sich die Gläubigen und Pfarrer von dem Mord trotzdem nicht, wenn er zum Teil auch Thema im Gottesdienst war. "Ich war entsetzt und erschrocken, vor allem dass Taburäume heimgesucht wurden", sagt Florian Stark, Pfarrer in Pretzfeld und Seelsorgebereichsleiter der Burg Feuerstein unisono mit allen Kollegen. Richtig schockiert waren die Geistlichen angesichts der neuen Dimension, die dieser Mord darstellt. Da hält ein Priester Dienst in einem geschlossenen sakralen Raum, ist im Gebet mit den anderen zusammen - ein religiöser Akt und wird erstochen.
"Der Religionsschutz wurde verletzt. Jemand ist zum Märtyrer geworden, unschuldig und ahnungslos in den Fanatismus hineingezogen worden", sagt Martin Emge, Regionaldekan der Region Forchheim, Ebermannstadt und Höchstadt. Die Kirche werde so noch mehr in den Terrorismus hineingezogen.
"Nicht einmal die Kirche ist eine Tabugrenze", findet Pfarrer Emge. An die Angriffe gegen Kopten erinnere das. Dabei ist gerade die Kirche sehr engagiert, den Asylbewerbern zu helfen. Elf Asylbewerber hat Pfarrer Emge im alten Pfarrhaus untergebracht und positive Erfahrungen mit diesen Menschen gewinnen können. Durch dieses Helfen gab es ein starkes Öffnen unter den Christen. Der bestialische Vorfall führe zu einem totalen Rückschlag. "Wir können nur um Umkehr dieser fanatischen Leute beten", betont der Regionaldekan.
Betroffenheit und Mitleid sind die vielen mündlichen Reaktionen der Gläubigen aus allen Kirchengemeinden. Dennoch sollte man das Ereignis richtig einordnen, nicht in Angst und Panik fallen, sondern gelassen bleiben, meint auch Pfarrer Christian Muschler, der auf die Intension des IS hinweist. Der IS, der namentlich dahinterstand, will die Bevölkerung spalten und den Konflikt zwischen den Religionen anheizen. "Wir tun gut daran, wenn wir uns nicht anstacheln lassen, sondern zeigen, dass die Religionen gut miteinander auskommen", betont der Forchheimer Pfarrer Muschler. "Eine konsequente Begegnung mit den Religionen zu suchen, muss die Antwort auf diesen Anlass sein", findet Muschler, denn dem IS sei nichts verhasster als ein gutes Zusammenleben der Religionen. Vor allem in Frankreich wolle der IS dadurch die Stimmung unter den Christen so schüren, dass sich Muslime dort erst recht nicht mehr heimisch fühlen würden und sich so auch von der Bevölkerung entfremden, wo sie leben. Wir lassen nicht zu, dass ihr uns spaltet, sei das richtige Signal. "Wir werden die Gottesdienste feiern wie bisher", betont der evangelische Pfarrer wie alle anderen im Landkreis.