"Halt", ruft es wie aus einem Mund, als sich ein Auto nähert. Die Burschen verstellen die Fahrbahn. Sich ihrer ausweglosen Lage bewusst, lässt die Fahrerin die Scheibe herunter - wissend, was auf sie zukommt. Der Schlotfeger reibt sich schon einmal die Hände - und zwar mit Ruß. Er beugt sich ins Auto und streicht Doris Hofmann genüsslich mit beiden Händen über die Wangen. Nach einem Tänzchen in Ehren und etwas Geld in die Kasse wird noch ein Schnäpschen getrunken. Schon ziehen die Pfeffera weiter; liegt doch vor ihnen noch jede Menge Arbeit.

Besagte Birnbaumerin bleibt nicht die einzige "Angeschwärzte" an diesem Tag. Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer: Sie alle haben schlechte Karten, wieder "sauber" nach Hause zu kommen. Gepfeffert werden indes nur die Frauen. Hierfür werden sie zunächst vom Doktor "untersucht", der auch eine Medizin verschreibt - beispielsweise ein Glas Rotwein, ein warmes Bad oder eine Massage durch den Ehemann. Anschließend erhalten die Frauen einige sanfte Schläge mit dem Pfefferstrauß - zusammengebundene Zweige - auf die Beinrückseiten. Man spricht dabei auch von Fitzeln.

Mitgliedschaft erlischt mit Heirat

Wie lange es diesen Brauch in Birnbaum schon gibt, wissen die Burschen nicht. Sicher sind es bereits einige Jahrzehnte, wobei früher wohl insbesondere bei den Bauernfamilien gepfeffert wurde. "Die Leute hatten ja damals kein Geld. Von den Bauern gab es etwas Getreide, das die Pfeffera wieder verkauft haben, um zu etwas Geld zu kommen. Daher spricht man auch heute noch vom Pfefferhafer", erzählen die Pfeffera, die dem Birnbaumer Burschenverein angehören. Die Mitgliedschaft erlischt mit der Heirat. Bis dahin dürfen diese pfeffern, was durchaus eine Ehre darstellt.

Begleitet von den Musikern, werden zwischen den einzelnen Häusern einige Lieder angestimmt. Obwohl sie keinesfalls zu überhören sind, öffnet sich nicht jede Haustür. Meist hängt in diesem Fall jedoch ein Geldkuvert an der Tür und eine kleine Aufmerksamkeit steht davor. Doch die meisten Hausbewohner freuen sich auf den alljährlichen Besuch. Auf dem Tisch stehen Gläser bereit, Hochprozentiges und Nichtalkoholisches sowie Knabbereien oder ein Imbiss. Da die Burschen bis etwa 18 Uhr unterwegs sind, muss mit den Kräften "gehaushaltet" werden.

Der Besuch in den Häusern läuft immer gleich ab: Nach dem Anschwärzen aller Bewohner, tanzen die Pfeffera mit den Frauen einen Walzer, bevor diese gepfeffert werden. Dabei wird der Pfefferspruch aufgesagt: "Pfeffer, Pfeffer, Krone. Wir pfeffern nicht ums Lohne. Wir pfeffern nur aus Freundlichkeit und wünschen euch Glückseligkeit." Es gibt aber auch "Ich bin einer kleiner König, drum gebt mir nier zu wenig. Gebt mir lieber gleich mein Lohn, dess ich wieder weiter koo" oder "Pfeffer, Pfeffer, Liebchen, du bist ein kleines Diebchen, hat gestern mir mein Herz gestohln, heute werd ich es mir wiederholn!"

Mit dem Geld finanzieren die Burschen den Pfeffertanz für die Bevölkerung am gleichen Abend in der örtlichen Gaststätte. Natürlich nehmen daran auch die Pfeffera teil - ein langer Tag, der aber Spaß macht. "Ausfälle" werden nicht geduldet.

Niemand ist sicher

In Neufang läuft das Pfeffern ähnlich ab. Jedoch starten hier die Burschen um 6 Uhr, um ihre Tour an einem Tag zu schaffen. Für die Männer zwischen 18 und 21 Jahren geht es erst einmal Richtung Leitsch, Tempenberg und Schäferei. Angeschwärzt wird mit Faschingsschminke.

Als "Wiedergutmachung" gibt es einen kräftigen Schluck Schnaps aus einem großen Schöpflöffel. Ein bekannter Pfefferspruch ist beispielsweise: "Pfeffer, Pfeffer, Reue - der Brandwein, der ist teuer. Drum schenk uns noch a Schnäpsla ein. Dou will ich heut dein Schätzla sein."

Auch hier ist vor den Pfeffern niemand sicher - weder die Verkäuferinnen in den Geschäften noch die Arbeiter und Kunden in den Unternehmen. Sogar Pater Helmut Haagen, der in Ausübung seines Dienstes in Neufang weilte, wurde angeschwärzt.

Da die Pfeffera bis um 20 Uhr unterwegs sind, findet ihr Pfeffertanz nicht am gleichen Tag statt. Der Termin ist am 11. Januar gegen 20 Uhr im Feststoudl mit den "Ghostriders".