Karl-Heinz Hofmann

Kronach — Der DGB-Arbeitnehmerempfang zum Tag der Arbeit in der ehemaligen Synagoge in Kronach fand unter dem Motto "Wir sind viele, wir sind eins" statt. Am Sonntagabend vor dem 1. Mai konnte der DGB-Kreisvorsitzende Wolfgang Schmitt viele Betriebsräte, Politiker und Gewerkschafter begrüßen.
Besonders freute es die Arbeitnehmervertreter, erstmals auch Landrat Klaus Löffler (CSU) zum Arbeitnehmerempfang begrüßen zu können. Er, wie auch Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) sprachen Grußworte. Entertainer Tom Sauer unterhielt mit nachdenklichen Liedtexten zu gesellschaftlichen Themen.


"Nicht alles Gold, was glänzt"

Hauptredner war der DGB-Regionsgeschäftsführer Oberfranken, Mathias Eckardt. Er stellte fest, dass in Deutschland der Arbeitsmarkt brumme, die Beschäftigung steige und die Arbeitslosigkeit sinke. Das sei gut so, aber leider sei nicht alles Gold, was glänzt. Kritisch merkte er an, wo Arbeitsplätze entstehen, seien diese oft nur befristet, unsicher und schlecht bezahlt. Er findet es eine Schande, wenn rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland nur einen befristeten Job haben. Bereits heute seien mehr als 16 Millionen Menschen, das sind mehr als 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, von Armut oder Ausgrenzung betroffen. Eckardt nannte es einen Skandal, dass Niedriglöhne, Leiharbeit und Werkverträge, also prekäre Arbeitsplätze den Arbeitsmarkt bestimmen, das seien keine Merkmale einer modernen Wirtschaft. Der DGB fordert daher gute Arbeit mit fairen Löhnen, Tarifverträgen und sozialem Schutz. Als weitere Forderungen nannte der Regionsgeschäftsführer eine verlängerte Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für die Qualifizierung, vor allem von älteren Arbeitnehmern. Für ein höheres Rentenniveau und Gerechtigkeit in der Krankenversicherung werde der DGB kämpfen. Die Sicherung des Lebensstandards und Schutz vor Altersarmut für Menschen, die über 45 Jahre gearbeitet haben, müssten Vorrang haben.
Ein Dorn im Auge sind die Managergehälter. Das habe nichts mit Neid zu tun, sondern mit sozialer Gerechtigkeit und der Würde der Arbeit in einem Normalarbeitsverhältnis. Unterschiede von 148 Monatsgehältern ließen sich durch nichts rechtfertigen. Weil Gewerkschaften sich dagegen auflehnen, wolle man Betriebsratswahlen und die Arbeit von Betriebsräten verhindern. Eine Reihe von Anwaltskanzleien hätten sich bereits darauf spezialisiert, Unternehmen zu betriebsratsfreien Zonen zu machen. "Das ist kein Kavaliersdelikt, vielmehr sieht die Gewerkschaft darin ein höchst kriminelles Gedankengut, der Gesetzgeber ist am Zuge", rief Eckardt.
Der katholische Betriebsseelsorger, Eckhard Joe Schneider, fragte in einer nachdenklichen Rede danach, "Was ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält?". "Bildung und Respekt, respektvoller Umgang miteinander, ist der Kitt der unsere Gesellschaft zusammenhalten kann", so das Fazit von Eckhard Schneider.
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Lear Corporations, Kronach, Bernd Thiele hob die Wichtigkeit der Einigkeit von Betriebsräten hervor. Adem Elkol, freigestellter Betriebsratsvorsitzender bei der Firma Carl August Heinz in Kleintettau, kam vor 44 Jahren mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Der Kunststoff-Formgeber ist seit 36 Jahren bei Heinz beschäftigt und berichtete aus seiner Erfahrung, dass Fremde in Deutschland zur Integration auch Hilfe benötigen. Für ihn sei Deutschland Heimat geworden. Er setze sich daher besonders für Flüchtlinge ein, die in Deutschland einen Arbeitsplatz suchen. Es seien Arbeitsplätze da, aber der Gesetzgeber verhindere in einem jüngsten Fall die Einstellung eines Flüchtlings in der Firma Carl August Heinz, die eine Ausbildungsstelle anbiete. Hoffnung mache ihn, dass die Familie Heinz als Unternehmerfamilie voll dahinter stehe.