Zurzeit wird im hinteren Bereich des Parkplatzes am Schwedensteg kräftig gebaut, denn bis Ende April sollen 17 neue Stellplätze für Wohnmobile entstehen. "Insgesamt stehen künftig 59 Stellplätze zur Verfügung, wobei die neuen etwas größer dimensioniert sind, um auch der Entwicklung im Wohnmobil- und Wohnwagenbau mit größer werdenden Fahrzeugen Genüge zu tun", erklärt Helmut Völkl, Leiter des Tourismus- & Veranstaltungsservice (TUV) der Stadt Kulmbach.

Im Herbst hatte der Betriebsausschuss dem Kulmbacher Stadtrat eine Erweiterung empfohlen.

"Die Gründe für eine Erweiterung sind vielfältig", sagt Völkl. Zum einen nehme seit Jahren der Bereich Campingurlaub in Deutschland stark zu. Die Corona-Pandemie habe zusätzlich diese Entwicklung beschleunigt. "Vor Corona nutzten circa 2000 Wohnmobile mit unterschiedlicher Aufenthaltsdauer den Stellplatz am Schwedensteg." Während der Pandemie seien es im Jahr 2020 trotz vieler gesperrter Stellplätze noch immer 1500 gewesen. Für die Stadt Kulmbach bedeute das eine Besuchersteigerung.

"Man zählt Wohnmobilisten grundsätzlich zu einer Zielgruppe mit höherem verfügbaren Einkommen", erklärt Helmut Völkl. Schon deshalb seien sie für Gastronomie und Einzelhandel eine relevante Zielgruppe. Die Nähe zur Innenstadt sei dabei ein wesentlicher Vorteil, wie die Rückmeldungen der Camper zeigten.

Kosten von 100 000 Euro

"Die Camper berichten sich natürlich auch untereinander von anderen Stellplätzen und schönen Orten, wo es sich lohne, Urlaub zu machen", ergänzt OB Ingo Lehmann. Daher seien die Camper selbst für Kulmbach die besten Multiplikatoren, um Werbung für die Stadt zu machen. "Es ist kein leichtes Unterfangen, sich als beliebter Urlaubsort einen Namen zu machen, aber wir sind auf einem guten Weg", sagt der OB.

Das überzeugte auch den Stadtrat, der die Erweiterung in seiner Sitzung am 5. November 2020 einstimmig beschloss. Die Kosten von 100 000 Euro setzen sich mehrheitlich aus den notwendigen Baumaßnahmen wie Wasser-, Abwasser- und Stromversorgung, Platzaufbereitung und Pflanzmaßnahmen zusammen. "Dazu kommen die Kosten für die Stromsäulen, die Wasserentnahmestellen und die Abwasservorrichtungen", ergänzt Ingo Lehmann. Die Arbeiten stünden kurz vor dem Abschluss, der Kostenrahmen werde eingehalten.

Die meisten Camper zahlen deutlich mehr

Dem gegenüber stehen Einnahmen von circa 15 000 Euro, wie sie etwa 2020 trotz der pandemiebedingten Einschränkungen erzielt werden konnten. "Wir setzen auch weiterhin auf das System der Spendenbasis und nicht auf Pflichtbeiträge", sagt Helmut Völkl. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Camper deutlich mehr als die empfohlene Gebühr entrichte, das System werde auch sehr gelobt. "Außerdem können wir dadurch Kosten für Personal und notwendige Installationen wie etwa eine Art von Parkuhren einsparen."

Auf die Frage, ob es für die Stadt Kulmbach sinnvoll sei, einen "richtigen" Campingplatz zu installieren, antwortet der Tourismusexperte: "Ein Campingplatz unterscheidet sich vom Wohnmobilstellplatz in vielen Bereichen grundlegend. Dazu gehören unter anderem ein Empfangsbereich, ausreichend Sanitäranlagen sowie immer hochwertigere Angebote."

Privatleute betreiben Campingplätze

Mietbäder zum Beispiel, die exklusiv während des Aufenthaltes genutzt werden könnten, WLAN oder ein Fahrradverleih. Das alles führe folglich auch zu einem deutlich höheren Personalaufwand und somit zu mehr Kosten. "Betrieben wird ein Campingplatz darüber hinaus in der Regel nicht von Kommunen, sondern von privater Hand", ergänzt Völkl.

Um einen Campingplatz wirtschaftlich betreiben zu können, gehe man von einer Stellplatzanzahl deutlich jenseits der 100 aus. Im Städtetourismus sei die Aufenthaltsdauer von durchschnittlich drei Übernachtungen auch nicht mit typischen Urlaubsregionen vergleichbar. Jetzt bleibt für die Stadt Kulmbach nur noch zu hoffen, dass trotz der andauernden Pandemie - oder vielleicht gerade deswegen - auch 2021 der Besucherstrom nicht abreißt.